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Aus der Not ein Kultereignis gemacht: Die Wiesbadener Night of Music steigt am Wochenende zum fünften Mal

sensornov-6 (Von Alica Bergmann, Fotos Offert Albers)

Pata Pata trifft Flamenco trifft Rock trifft Dudelsack … Bei der „Wiesbadener Night of Music“ kommt die Musik aus allen Richtungen. Bereits zum 5. Mal findet das Event am 17. und 18. Dezember im Kurhaus statt.

Reklame

Im nüchternen Bürgerhaus Delkenheim herrscht wuseliges Treiben. Stühle werden gerückt, Instrumente ausgepackt und Verstärker getestet. Dann meldet sich der Dirigent Frank Segner zu Wort: „Bevor hier das `A´ durch den Raum fliegt, begrüße ich euch alle recht herzlich.“ Die Proben für die nun bereits fünfte „Wiesbadener Night of Music“ sind in vollem Gange. Der achtzigköpfige Wiesbadener Orchesterverein, die eigene „Night of Music Band“, der Laienchor Five Seasons und ein Dutzend lokaler und international bekannter Solisten – sie alle kommen aus unterschiedlichsten Richtungen, geografisch und musikalisch, und sollen am Ende doch unter einen künstlerischen Hut passen. Bis Mitte Dezember haben sie Zeit, ein Konzertereignis von buchstäblich besonderem Format auf die Beine zu stellen, das dann an zwei Abenden in weitaus prächtigerer Kulisse, dem Thiersch-Saal des Kurhauses, über die Bühne gehen soll.

Entstanden ist die Night of Music 2011 aus einer Not heraus, erinnert sich Gründer Michael Stein. Damals musste ein Konzert des Wiesbadener Orchestervereins zusammen mit Jon Lord, dem Pianisten von Deep Purple, kurzfristig abgesagt werden, da dieser verstarb. Doch Stein, Geschäftsführer der Konzert- und Eventagentur Palast Promotion und selbst leidenschaftlicher Musiker, war von der Idee, Rock, Pop und Klassik miteinander zu verbinden, so angetan, dass er zusammen mit dem Orchesterverein spontan die „Night of Music“ ins Leben rief. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, beschreibt er die Gründung der Crossover-Konzertreihe unter dem Motto „Pop meets Klassik“. Die Veranstaltung bietet außerdem auch immer einer sozialen Organisation, in diesem Jahr Unicef, eine Bühne, um sich zu präsentieren.

Musik als globale Sprache

Die Mitwirkenden sind sorgsam ausgewählt. Das Spektrum reicht von den bekannten Sängerinnen Constanze Lutz, Dunja Koppenhöfer und Gloria Rehm über das Kultquartett Johnny And The Jonettes bis zum Dudelsack-Virtuosen Thomas Zöller und soll zeigen, „welche Qualitäten und Überraschungen die hiesige Musikszene zu bieten hat“. Eine „importierte“ Überraschung im Programm: Der spanische Flamenco-Gitarrist Antonio Sanchez Palomo ist der Neffe von Paco de Lucía. Dem Weltstar stand Stein bis zu dessen überraschenden Tod im Februar 2014 fast dreißig Jahre lang als Freund und Manager zur Seite. „Antonio ist stellvertretend für seinen Onkel Paco in Wiesbaden – als Dankeschön an unsere Freundschaft.“, erklärt Stein. Die persönlichen Verbindungen spielen eine große Rolle und sind für die freundschaftliche Atmosphäre ausschlaggebend. Doch eigentlich ist es die Musik, die als globale Sprache die verschiedensten Künstler zusammenbringt und für die diese gerne die Herausforderung annehmen, mit etwa zweihundert Beteiligten ein Konzert auf die Beine zu stellen. Genau deshalb erfüllt auch die warme Stimme von Yvonne Mwale, einer Wiesbadenerin mit afrikanischen Wurzeln, das Bürgerhaus, als sie mit Chor, Orchester und Band den Klassiker „Pata, Pata“ probt.

Die Macher

Hinter der Mammutveranstaltung, die für Publikum und Mitwirkende gleichermaßen am Ende ein emotionales Erlebnis und auch ein gesellschaftliches Ereignis werden soll, steckt harte Arbeit. Die Auditions, in denen sich interessierte Solisten vorstellen, spannende Künstler angefragt werden und ein neues Programm erarbeitet wird, begannen bereits im Januar. Darüber hinaus ist das ganze Event nicht kommerziell, Palast Promotion kommt nach eigenen Angaben mit Kosten weit über 100.000 Euro gerade kostendeckend heraus. „Man spürt mit jeder Faser, dass es um die Musik geht und nicht um das Geld“, beschreibt Alexander Franz die Atmosphäre. Er leitet den Chor Five Seasons seit seiner Gründung vor knapp 20 Jahren mit einem feinen Ohr und viel Freude an der Musik. Diese Leidenschaft überträgt sich nicht nur auf die Sänger und Sängerinnen jeden Alters, sondern auch auf die anderen Künstler. So sind die mühevolle Erarbeitung der jährlich neuen, handverlesenen Stücke und das aufwendige Zusammenbringen so vieler verschiedener Künstler schnell vergessen. Das Engagement aller Beteiligten beschert Wiesbaden einmal im Jahr ein Konzert voller Emotionen und künstlerischer Leidenschaft von lokalen und internationalen Talenten. „Das ist mein Baby. Ich sage immer: Das muss eigentlich eine Woche ohne Unterbrechung im Kurhaus laufen, wenn ich sterbe“, sagt der „Vater“ der „Wiesbadener Night of Music“.

Für die beiden Konzerte am 17. und 18. Dezember 2016 im Wiesbadener Kurhaus sind noch Restkarten an den bekannten Vorverkaufsstellen verfügbar.

www.wiesbaden-nightofmusic.de