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Bilderbuch-Reha im Kurhaus geriet zur ausgelassenen Schwitzkur – Rückblick auf die heiße Show der Wiener

Von Dirk Fellinghauer (Text und Fotos).

„Die Band rockt die feinen Häuser, schmeißt dicke glamouröse ausschweifende Partys und bringt die Fans aus dem Häuschen und reißt sie früher oder später auch von den Stühlen“, prognostizierten wir in unserem Vorbericht zum von sensor präsentierten Bilderbuch-Konzert im prächtigen und beinahe ausverkauften Wiesbadener Kurhaus. Nun war die Prognose zugegebenermaßen nicht die gewagteste, sondern sagte Vorhersehbares voraus. Was wir jedoch nicht ahnten …

… die großartige, in schöner Stetigkeit (musikalisch wie Look-mäßig) stilwechselnde und dabei stets aufs Neue wieder stilsichere Band aus Wien – 2005 als Schülerband in Oberösterreich gegründet, 2013 durchgestartet und seither vom Thron der lässigsten Combo weit und breit schwer wieder herunterzustoßen – riss die Fans früher als früh von den Stühlen – nämlich mit dem Moment des Betretens der Bühne. Im Verlauf der nächsten gut eineinhalb Stunden ließen die Konzertgäste sich dann in den wenigen Dahinplätscher-Momenten der heißen Show zwar zwischendurch immer mal wieder nieder. Oft aber nur, um gleich im nächsten Moment wieder aufzuspringen, loszufeiern, zu tanzen, zu jubeln, auszuflippen.
Berauschendes Fest der Musik und des Entertainments
Es war ein – sicher auch, weil die meisten im Saal so lange auf Livekonzerte verzichten mussten und vielleicht auch, weil es ein so rundherum herrlich frühlingshafter Abend war – berauschendes Fest der Musik, der Energie, des Ausschweifens und des Entertainments, das Sänger und Zeremonienmeister Maurice Ernst und seine Mitstreiter mit mal viel Gefühl und meist voller Wucht auf der Bühne abfeuerten.
Fein abgeschmeckte Setlist
Bilderbuch im Kurhaus, das war ein – von der 19-jährigen Uche Yara ganz allein und ganz wundervoll eröffneter – Abend voller Spielfreude und Gespür für großartige Momente. Und für eine fein abgeschmeckte Setlist mit Werken vom gerade erst wenige Tage vor der Wiesbaden-Show veröffentlichten neuen Album „Gelb ist das Feld“ und den genialen großen Hits *a la „Bungalow“, „Maschin“ oder „Baba“ mit Mitsing-Garantie. Und mit Raum für ein paar fesche Ansagen, auch kenntnisreiche zu der Stadt des Auftritts, einer von fünfen dieser Tour neben den Metropolen Hamburg, Berlin, München und Köln. Maurice Ernst hatte sich auf Wikipedia angelesen, dass unsere Stadt top sei für Reha-Aufenthalte und was die Zukunftspotenziale angehe … nun ja, Platz 46 von 402 belege laut einer Untersuchung.
Hotelfotos und Hustereien
Vormittags hatte der Sänger Selfies und Fotos aus dem „Nassauer Hof“ gepostet, nach dem Konzert ging es per Nightliner weiter zum nächsten Auftrittsort nach Köln. Zwischenzeitliche Hustereien auf der Kurhaus-Bühne kommentierte der 34-Jährige: „Vielleicht war ich heute zu lange draußen an der Kurstadt-Luft“. Die Bilderbuch-Reha geriet jedenfalls zur ausgelassenen Schwitzkur, von manchen Plätzen im Saal suboptimale Soundverhältnisse verstanden die bestens aufeinander abgestimmten Therapeuten buchstäblich zu überspielen.
„Extra-Sahneklecks“ auch ohne Ausziehen

Viele Wünsche wurden an dem Abend, dem er kundige Kollege der FAZ völlig treffend einen „Extra-Sahneklecks“ attestierte, erfüllt, ein spezieller aber nicht: „Ausziehen!“ rief der Sitz-, nein Steh-, nein mal-Sitz-mal-Steh-Nachbar vom Rang hinunter in Richtung des Sängers, der vor Kameras und auf Konzertbühnen auch äußerst gerne mit freiem Oberkörper unterwegs ist. Die Bluse blieb an. Man kann nicht alles haben. Aber wer dabei war, hatte an diesem Abend ganz sicher ganz viel von Bilderbuch.

Noch mehr Bilderbuch-Bilder im sensor-Fotoalbum vom Kurhaus-Konzert hier.

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