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Editorial November-sensor: Was macht Ihr Biebrich aus?

Was macht Ihr Biebrich aus,

liebe sensor-Leser:innen? Sie haben doch eins, oder? Mit dem größten Wiesbadener Stadtteil dürfte so ziemlich jede:r etwas verbinden. An Biebrich kommt niemand so leicht vorbei.

„Mein“ Biebrich ist ganz viel Schlosspark und Schloss – als Bub mit der Familie beim Reitturnier, in den letzten Jahren beim wunderbaren Festival „Poesie im Park“ (Foto), auch sonst bei manch denkwürdiger Veranstaltung drinnen wie draußen oder auch einfach nur Spaziergängen. „Mein“ Biebrich sind auch Feste, Feiern und Konzerte, spontane und geplante Abstecher. „Mein“ Biebrich ist  vor allem auch das, was mir und meiner ausgeprägten mediterranen Ader in der Stadt Wiesbaden so sehr und ganz besonders fehlt: Wasser!

Ich denke dabei an und genieße, wann immer es passt, „ein Rheinufer, das von der Flusslandschaft lebt, vom Blick auf die Rettbergsau, von denen Sonnenuntergängen und von den vorbeifahrenden Schiffen, ein Rheinufer zur Naherholung mit der entsprechenden Gastronomie.“ Diese ziemlich treffende Beschreibung habe ich aus einem topaktuellen Leserbrief im Wiesbadener Kurier gefischt, verfasst von Biebrichs langjährigem Ortsvorsteher, dem 77-jährigen Urgestein Kuno Hahn. In jenem Leserbrief hat dieser, wie auch fast alle dazu gehörten Ämter, der Idee eines riesigen Riesenrads am Rheinufer eine Abfuhr erteilt.

Klares „Aus“ für diese neueste Biebrich-Idee Riesenrad also, große Biebricher Widerstände auch 2020 gegen das Zukunftsprojekt Citybahn, aber keine generelle Abneigung gegenüber neuen Ideen in dem diskussionsfreudigen, mitunter auch streitlustigen Stadtteil Biebrich. Im Gegenteil: In unserer Titelstory, die wir mit einem großen Report eben jenem Stadtteil widmen, lernen Sie ein Biebrich voller Verwurzelungen und Traditionen, aber eben auch mit spannenden Biebricher Beispielen und Initiativen des Aufbruchs, des Neu- und Weiterdenkens kennen.

Biebrich entpuppt sich als ein Stadtteil mit spannenden Potenzialen. Auch wenn sich viele der Bewohner:innen zuallererst als Biebricher:innen und erst zweitrangig, wenn überhaupt, als Wiesbadener:innen verstehen: Ein – in beide Richtungen vielversprechendes – Potenzial ist auch, dass die Biebricher:innen sich einerseits mehr und noch (ver)lockender der Stadt öffnen. Und dass andererseits die Stadt und die Städter häufiger, genauer und intensiver anschauen, was dieser Stadtteil alles zu bieten hat, ja, was man sich hier vielleicht sogar abschauen kann.

Abschauen können Sie sich auch manches von einigen weiteren Personen und Projekten, die in diesem sensor zu Wort kommen und vorgestellt werden. Überhaupt sollten wir alle noch viel mehr und mehr denn je miteinander ins Gespräch kommen – über Ansichten, die wir teilen, und erst recht über Themen, zu denen wir unterschiedlicher Auffassung sind. Und zwar bestenfalls in der direkten, persönlichen Begegnung, von Angesicht zu Angesicht.  In dieser Richtung tut sich manches. Es gibt vermehrt Formate für direkten, inspirierenden, auch kontroversen Austausch. Und es kann gar nicht genug davon geben. Unsere Gesellschaft ist viel zu wertvoll und kostbar, um auseinanderzudriften.

Zwei Tage vor Druck unserer November-Ausgabe vollendete der Westend-Künstler Titus Grab seine so simple wie faszinierende „Löffelbaum“-Installation an der Ecke Scharnhorstraße/Yorckstraße, mit der Botschaft: „Zusammenhalt in unserer Zeit“. Schauen Sie mal bei Gelegenheit vorbei, lassen Sie das Werk auf sich wirken. Und wer weiß – vielleicht kommen Sie ja sogar dort mit jemandem ins Gespräch.

Dirk Fellinghauer, sensor-Stadtteilbeauftragter

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