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Falk Fatal ist gegen Weihnachtszentrismus

Das Wort Transpiration taugt wenig, um die Sturzbäche an Schweiß adäquat zu beschreiben, die an meinem Körper herabfließen. Meine Haare pappen im Gesicht. Die Sonne verbrennt die Haut. Die Luft flimmert. Es ist August in der Wiesbadener Innenstadt. Und ich geh’ kaputt, brauche Abkühlung. Sofort. Ich habe Durst. Ich stürze in den Supermarkt. Irgendwo ist ein Kühlregal mit Erfrischungsgetränken. Da schleppe ich mich hin.

Dafür muss ich mir meinen Weg erst durch die schmalen Gänge bahnen. Die moderne Supermarktarchitektur lässt mir keine Wahl. Also vorbei an Konserventomaten, Instantkaffee, Waldfruchtkonfitüren, Suppenwürfeln, Dosenwurst, Waschmaschinenpulver, Christstollen, Schokoweihnachtsmännern und Frischkäse.

„Häh, was?“, denke ich plötzlich, stoppe ab und drehe mich um. Tatsächlich. Das war keine Fata Morgana, kein dehydrierter Fieberwahn. Da stehen wirklich Schokoweihnachtsmänner. Und Christstollen. Selbst Spekulatius-Plätzchen liegen dort schön drapiert auf der Auslage. Fehlt nur noch der Weihnachtsbaum. Aber der kommt bestimmt noch. Es ist ja erst August!  August!

Was soll das? Spinnen Supermarktbetreiber und Lebensmittelindustrie jetzt total? Mal ganz davon abgesehen, dass bei diesen Temperaturen so ein Schokonikolaus schneller geschmolzen ist, als ich Jingle Bells singen kann.

—Schnitt—

Es ist Mitte November. Es ist nass. Es ist grau. Die Schokoweihnachtsmänner lungern noch immer im Supermarkt herum. Wer will auch schon einem Schokoweihnachtsmann den Kopf abbeißen, wenn man noch mitten in der Herbstdepression steckt. Ich nicht.

Aber ich verstehe auch nicht, warum vier Monate vor dem Fest der Liebe schon Weihnachtsartikel feilgeboten werden. Wer kauft so etwas? Oh-Du-Fröhliche-Hardcore-Jünger? Der Christkind-Fanclub Naurod? Die Sternschnuppen-Mägde Nordenstadt? Die Weihnachtslover Walkmühltal?

Mir geht das zu weit. Von mir aus sollen die Supermarktketten im Dezember ihre eingeschmolzenen Osterhasen dann als Weihnachtsmänner verkaufen. Aber nicht im August. Da will ich Sommer, Palmen, Sonnenschein und nicht Kekse, Krippenspiele, Christbaumschmuck. Ist das zu viel verlangt? Ich bin sicher das Gegenteil von besonders christlich oder weihnachtsaffin. Ich finde nur: alles zu seiner Zeit.

Ich kaufe mir im Dezember doch auch keine Bermudashorts oder Flip-Flops. Selbst wenn ich es wollte – geht gar nicht. Hängt ja alles voll mit Daunenjacken und Weihnachtsschmuck. Stattdessen kaufe ich hässliche Fleecepullis, verbrenne mir Finger und Gaumen an heißem Glühwein und besuche Weihnachtsfeiern. Aber das ist im Dezember. Nicht im August. Deshalb Schluss mit dem Weihnachtszentrismus! Gleiches Recht für alle! Erst wenn es im Januar in den Supermärkten Bastmatten und Strandkörbe gibt, will ich im August Baumkuchenspitzen in den Auslagen sehen!

falkfatal.posterous.com