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Freunde fürs Leben: Vereinsporträt Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich 1888

 

 

Von Inka Mahr. Fotos Kai Pelka.

Die Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Der einst elitäre Sport bringt vom Schüler bis zum Rentner alle aufs Wasser. Über Nachwuchssorgen kann Frank Schwarz, Vorsitzender der Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich 1888, kurz RWB genannt, nicht klagen. Im Gegenteil: Das Interesse der Wiesbadener am Lifetime-Sport Rudern ist erfreulich groß. Und das seit nunmehr 125 Jahren.

Rudern, das ist trainingsintensiver Wettkampfsport und olympische Disziplin, aber auch ein für nahezu jedermann geeigneter Breitensport aller Altersklassen: Von circa zehn Jahren bis ins hohe Alter und das mit recht ausgeglichenem Geschlechterverhältnis. „Das schöne am Rudern ist“, so Frank Schwarz, „dass einen das ein Leben lang begleiten kann. Man fühlt sich der Gemeinschaft irgendwie zugehörig.“ Das sei – gerade im Mannschaftssport – schon etwas Außergewöhnliches.

Im Schuppen brennt noch Licht

Bestes Beispiel für die tiefe Verbundenheit zum ursprünglich aus Großbritannien kommenden, einstmals elitären Rudersport ist Bootsbauer Edwin Dinewitzer. Seit Jahrzehnten schraubt der 76-jährige mit Begeisterung an den Booten herum. Gerne mit antiquarischen Geräten. Auch nach 21 Uhr brennt da schon mal Licht in seinem kleinen Schuppen, direkt neben dem Kulturdenkmal, dem 1924/25 errichteten Bootshaus am Rheinufer.

Die Rudergesellschaft sieht sich in der glücklichen Lage, über zwei Reviere zu verfügen: Den Rhein, auf den sich die geübten Ruderer begeben, und den sanfteren Schiersteiner Hafen, der für Schüler und erwachsene Anfänger ideal geeignet ist. So bietet der Club allen, Einsteigern und Profis, die perfekten Gegebenheiten, beispielsweise im Zweier, Vierer oder Achter aufs Wasser zu gehen. Und im Gegensatz zum Fitnessclub ist man beim Rudern direkt integriert. Denn hier, so Frank Schwarz „sitzt man direkt mit mehreren im Boot“. Und die Geselligkeit nach dem Rudern kommt auch nicht zu kurz.

Selbst Ruderer seit seinem zwölften Lebensjahr, übernahm Frank Schwarz 2005 – im Alter von nur 35 Jahren – den Vereinsvorsitz. Seit 2008 führt er zudem, zusammen mit einigen Freunden, das im weißen Bootshaus beheimatete Restaurant (früher berühmt-berüchtigt für seine wilden Partys), das sie mit viel Liebe zum Detail umbauten.

Entspannt gelebte Tradition

Den Vorstand bildet ein Team relativ junger Leute. Frank Schwarz schätzt die gelöste Gesamt-Atmosphäre und verfolgt die Maxime einer offenen Vorgehensweise, will gerne auch andere Wege beschreiten. Dabei behält er stets seine Hauptklientel im Blick, und das sind junge Menschen. „Motivieren kann man nur, wenn man etwas entspannter vorgeht.“ So stehen Schiersteiner Regatta für Kinder und Jugendliche nicht nur Leistung und das 100 Seiten umfassende Regelwerk im Vordergrund. „Wir  versuchen, allen ein schönes Wochenende zu bereiten. Das unterscheidet uns ein bisschen von anderen Vereinen.“ Die größte Herausforderung der Rudergesellschaft sieht er darin, „Leute zu finden, die sich um den Nachwuchs kümmern.“ Denn Trainer und Betreuer arbeiten ehrenamtlich. Ob dies auch in Zukunft in dieser Form fortgeführt werden könne, werde  sich zeigen.

Der Zulauf ist groß: 350 Mitglieder zählt der Club, davon sind ca. 50 Prozent unter 23 Jahre alt. Neben den Schüler-Ruderriegen wird den etwa 60 aktiven Mittwochsruderern zwischen 30 und 60 Jahren eine wichtige Rolle zuteil: Es ist die Mittwochstruppe, die sich darum kümmert, dass es beispielsweise genügend Boote gibt. „Sie haben den Verein voran gebracht.“  Neben den 50er-Jahren, der Glanzzeit des Clubs, mit olympischer Silbermedaille und Europameisterschaftstitel, konnte in der jüngeren Vergangenheit vor allem Sebastian Schulte glänzen, der mit dem Deutschlandachter zahlreiche Medaillen bei olympischen Spielen und Weltmeisterschaften erzielen konnte. Übrigens: Der legendäre Silberzweier mit liegendem Steuermann – der 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne am Start war – hängt im Bootshaus Restaurant lässig an der Decke.

Neben einer Jubiläums-Ausstellung, vor wenigen Tagen eröffnet und  bis 29. April im Rathaus Wiesbaden (und anschließend im Bootshaus) zu sehen und dem obligatorischen Anrudern am 1. Mai bilden ein Festakt sowie am 31. August ein Ball im Biebricher Schloss das Jubiläumsprogramm.  www.rgwb.de

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