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Geschäft des Monats: M41 Repair Café, Moritzstraße 41

Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Kai Pelka.

Die Kundin ist zufrieden: Das Radio spielt wieder, der Wasserkocher dampft. Gleich zwei Geräte hat Yassine Djelassi repariert – und es ging ganz fix. Der junge Tunesier ist Mitarbeiter im „M41“, Wiesbadens neuestem Repair-Cafe. Von diesen gibt es mittlerweile fast in jedem Vorort eines. Im Westend war das erste, schon 2013 haben Klaus Wollner und Manfred Rosental damit angefangen. Dort gibt es auch immer noch eins, genau wie im Schelmengraben, in Kastel, Bierstadt, Klarenthal und noch einigen anderen Orten.

2015 hatten Rosental und Wollner das „Repaircafé on Tour“ aus der Taufe gehoben. „Wir wollten damals auch ganz gezielt mit Geflüchteten arbeiten“, berichtet Klaus Wollner, der nicht selbst mitschraubt, sondern das Ganze organisiert. Man machte einmal im Monat Station im Umweltladen in der Luisenstraße – auch das bleibt bestehen – und fuhr auch die damalige Großunterkunft im American Arms Hotel an. Die Idee war, handwerklich geschickten geflüchteten Menschen eine Möglichkeit anzubieten, sich sinnvoll zu beschäftigen und andere Wiesbadener kennenzulernen. Das klappte ziemlich gut. Werkzeuge wurden gespendet – auch fünf Nähmaschinen sind darunter. „Die waren sofort besetzt, viele Frauen kannten sich hervorragend aus“, berichtet Wollner.

Junger Bäcker aus dem Irak plant Koch- und Backkurse

Die Idee wuchs und trug Früchte. Lange schon hegte man den Wunsch nach eigenen Räumen. Und fand nun die alte Werkstatt von „Radio Wirbelauer“ in der Moritzstraße 41 im Mittelbau. Die konnte man anmieten – auch noch mit einigem Mobiliar wie Arbeitstischen, Schränken und Regalen- und hat nun endlich Platz zum Schaffen, zum Aufbewahren und auch für neue Ideen. Zum Beispiel ist ein Koch- und Backkurs angedacht, für den es auch schon einen kompetenten „Dozenten“ gibt: Yunes Al Obaidi aus dem Irak. Er ist gelernter Bäcker, seit neun Jahren in Deutschland, und kam zur Eröffnungsfeier des M41 Anfang. August einfach vorbei. „Ich habe Lust, was für andere Leute zu machen“, sagt der junge Iraker. Er kann sich vorstellen, in der Küche, die jetzt auch zum M41 gehört, mit anderen zusammen zu kochen und  das Ergebnis natürlich auch  gemeinsam zu verzehren.

Vieles ist möglich im Kreativlabor

Von Menschen mit solchen Ideen lebt das M41, es soll eine Art Kreativlabor sein, sagt Klaus Wollner. „Es ist sehr viel vorstellbar. Nur müssen sich die Leute dann auch wirklich verantwortlich darum kümmern.“  Auch zum Thema „Upcycling“ macht man sich bereits Gedanken: Aus Stoffen, die gespendet wurden, lassen sich nette Kleinigkeiten an den Nähmaschinen herstellen. Gesucht wird beim M41 also noch vieles: Mitstreiter, Kunden, Sach- und Geld-Spenden, neue Projektideen. Dabei schlägt man viele Fliegen mit einer Klappe: Der Umwelt wird geholfen, weil man durch das Reparieren Müll vermeidet und den Nachhaltigkeitsgedanken propagiert. Menschen kommen miteinander sehr zwanglos in Kontakt – nicht von ungefähr heißt das Ganze ja auch „Café“: Kaffee gibt’s immer, ab und zu auch Kuchen.

Integration findet hier ganz niedrigschwellig statt, denn hier wird ja nicht im stillen Kämmerlein vor sich hin geschraubt, sondern man unterhält sich ganz locker, wie es auch Yassine Djelassi mit seiner Wasserkocher-Kundin tut. Die Seniorin ist voll des Lobes für den jungen Mann. Sie sei auch schon in anderen Repair-Cafés gewesen und könne den Gedanken nur unterstützen, sagt sie. Und Klaus Wollner freut sich ebenso über die Erfolgsgeschichte des M41. „Wir haben inzwischen einige Geflüchtete fest im Team bei uns. Yassine hat sogar einen 450-Euro-Job, vielleicht ist da auch noch mehr denkbar.“ Eigentlich soll das Ganze auf Ehrenamtsbasis stattfinden, doch wenn man sogar Arbeitsgelegenheiten anbieten kann, spricht das nur für den Erfolg des Vereins, der als Träger fungiert. Willkommen ist jeder, mitbringen darf man gerne etwas – zum Beispiel sind gerade neue Stoffspenden besonders begehrt. Vielleicht, spinnt Klaus Wollner weiter, schaffe man sich sogar mal einen Fahrradanhänger an, mit dem auch Großgeräte transportiert werden können. „Das Repair Café in Freiburg hat so etwas. Aber so ein Anhänger ist teuer.“

M41 Repair Café, Moritzstraße 41, 65185 Wiesbaden, 0173/9029279, www.repaircafe4all.de

 

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