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Mehr Geld, mehr Transparenz, mehr Wertschätzung: Kulturträger formulieren Forderungskatalog an neue Stadtregierung

Arbeitskreis_Stadtkultur_Wiesbaden

 

Was die Wiesbadener Kulturträger von der neuen Stadtregierung und den kulturpolitischen Beratungen in der neuen Legislaturperiode erwarten, haben sie in einem Forderungskatalog formuliert, den sie “an alle demokratischen Rathausfraktionen für ihre weiteren Beratungen übermittelt” haben. Wir veröffentlichen das Anschreiben und den Forderungskatalog des Arbeitskreis Stadtkultur, dem 34 Wiesbadener Kulturträger unterschiedlichster Sparten angehören,  im Wortlaut.

“Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Gerich,

Sehr geehrte Damen und Herren der SPD, CDU, Grünen, FDP, der Linken, Piraten, Freien Wähler und der Bürgerliste,

In den nächsten Wochen wird es darum gehen, eine neue Stadtregierung für Wiesbaden auf den Weg zu bringen. Dabei werden Sie auch über die Zukunft des Kulturbereichs mit anderen verhandeln und/oder sich in ihrem Kreis auf Ihre politische Arbeit in der neuen Legislaturperiode vorbereiten. Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, welche Wünsche und Hoffnungen die Wiesbadener Kulturträger an die nächste Zukunft haben, schicke ich Ihnen einen Forderungskatalog, den 34 Wiesbadener Kulturträger, die im Arbeitskreis Stadtkultur Wiesbaden seit langem zusammenarbeiten, gemeinsam aufgestellt haben und dessen Umsetzung sie Ihnen nun dringend ans Herz legen.

Gerade das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte fordert die politischen Verantwortungsträger dazu auf, mit geeigneten Mitteln darauf hin zu wirken, dass das geistige Klima unserer Stadt friedvoll und frei bleibt. Künstlerische und kulturelle Projekte sowie kulturelle Bildung tragen wesentlich dazu bei, die eigene Identität im Spannungsfeld von Diversität zu stärken, Inklusion und Integration zu fördern, Vielheit und Vielfalt zu leben und zu gestalten

Mit diesem Forderungskatalog wendet sich der Arbeitskreis Stadtkultur, ein Zusammenschluss von 34 Kulturträgern aller Sparten in der Stadt Wiesbaden, an die demokratischen Parteien, die sich zur Zeit um die Bildung einer neuen Stadtregierung bemühen.

1. Mehr Geld ins System

– für eine auf Grundfinanzierung (Personal, Planungs- und Organisationskosten), Programm- und Mietkosten bezogene finanzielle Förderung aller kulturpolitisch anerkannten Kulturträger

– als Gegenwert für die Bereitstellung kulturellen Vermögens in der Stadt.

– für ein Konzept der kulturellen Bildung im Sinne von Kultur für alle bzw. Kultur von allen für alle

– für die Auslobung besonderer Projekte und Schaffung von künstlerischen/kulturellen Handlungsspielräumen

2. Verständigung über und Formulierung eines konsensfähigen Kulturbegriffs als Grundlage für die Entscheidung, wer oder was städtische Kulturförderung erhält.

3. Entwicklung von Bausteinen zu einer konzeptbasierten Kulturpolitik:

Kontinuierliche und honorierte Einbeziehung der Kulturträger in Fragen der kulturellen Zielgruppenarbeit und Stadt(teil)entwicklung

4. Herstellung von Transparenz und Öffentlichkeit für alle kulturpolitischer Entscheidungen: Entwicklung von Förderkriterien im Einvernehmen mit den Kulturträgern, Offenlegung von Förderentscheidungen sowie jährliche Evaluation der städtischen Förderung und deren Fortschreibung.

5. Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplans unter paritätischer Mitwirkung der Kulturschaffenden.

6. Schaffung einer Verantwortungspartnerschaft von Kulturpolitik/-verwaltung und Kulturträgern: Im Sinne des Governance-Politik-Verständnisses und der Verpflichtung zur Subsidiarität werden neue Modalitäten zur Teilnahme an parlamentarischen Entscheidungen entwickelt, z.B.: fester Sitz (als sachkundige*r Bürger*in) von Mitarbeiter*innen des AK Stadtkultur im Kulturausschuss.

7. Wertschätzung der vielfältigen Leistungen von ehrenamtlich engagierten Bürger*innen für die Entwicklung der Stadtgesellschaft.

8. Überprüfung des Selbstverständnisses des Kulturamtes als Erbringer einer über prüfbaren »angemessenen Dienstleistung« der Stadt zum Erfolg der kulturellen Vorhaben der freien Kulturträger.

9. Berufung einer/s neuen Kulturdezernenten/in in einem öffentlichen Verfahren unter Mitwirkung der Wiesbadener Kulturträger (analog zur Professorenberufung an Hochschulen mit öffentlichen Vorstellungsvorträgen).”

Was haltet ihr von den Forderungen? Welche zusätzlichen Forderungen habt ihr an die künftige Wiesbadener Kulturpolitik?

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