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PS und DJs – Wie die Ur-Wiesbadener Familie Faust rund um das Hofgut Adamstal Ideen für die Zukunft sät

Von Marta Moneva. Fotos Samira Schulz.

In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die als Familie etwas Besonderes verbindet. Die Ur-Wiesbadener Familie Faust sät im Hofgut Adamstal Ideen für die Zukunft.

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Das Hofgut Adamstal an einem lauen Sommerabend. Beim Spaziergang bleibe ich an einem märchenhaften Holzfenster stehen, als plötzlich ein älterer Herr aus der Dämmerung erscheint. All das, auch die Fenster, hätte er dort vor langer Zeit selbst gebaut, erzählt er, bevor er sich vorstellt. Es ist der 1945 geborene Reinhard Faust, einer der beiden Hofgutbesitzer.

1949: Vater verkauft Ziegen, Mutter reist durch Amerika

Seit 1670 überhaupt in Wiesbaden, sei die Familie seit 1954 in Adamstal ansässig. Gleich ist auch von Reinhard Fausts Mutter Margot die Rede. Die reiste 1949 als erste deutsche Landfrau für drei Monate in die USA zum Austausch – eine zur damaligen Zeit schon ungewöhnliche Reise. Ihr Mann blieb mit den drei kleinen Kindern daheim und verkaufte an guten Tagen eine Ziege auf dem Markt, während sie durch Amerika tourte. Überaus engagiert, war sie später auch Stadtverordnete und Mitglied im Magistrat.

Wie es nach Margot weiter mit dieser Familie ging, möchte man gleich wissen. Bei einem diesmal verabredeten Termin mit Reinhard Faust sind auch seine Kinder Katharina Stein (39), Rouven (35) und Paul (27) Faust dabei. „Eine lange Geschichte“, winkt Reinhard beim Outdoor-Plausch die Frage ab, wie es die Familie einst überhaupt hierher verschlagen hat. Von der Kupfermühle an der Mainzer Straße musste man mit der ganzen Landwirtschaft und Vieh umziehen. Die Viehhaltung hat Reinhard Faust 1970 aufgelöst und mit fünf Pferden den Reiterhof gegründet. Zum heutigen Betrieb gehören der Reitstall mit Schule und Pferdepension, Restaurant und Eventlocation.

Die ganze Familie packt an

Damit alles rund läuft, bedarf es starken Zusammenhalts. Auch Frau Gabi packt kräftig mit an, aber als „General“ wird scherzhaft Tochter Katharina bezeichnet. Die Pferde- und Betriebswirtin hat in einer Eventagentur und mit vielen Persönlichkeiten, von der Bundeskanzlerin bis Nobelpreisträger Muhammad Yunus, gearbeitet. Relativ lange habe sie gezögert, bis sie Anfang 2018 in den Familienbetrieb eingestiegen ist. Lachend erzählt sie, dass sie in der Agentur nur den IT-Service anrufen musste, wenn es Probleme gab, während sie auf dem Hofgut erst den Kauf eines Laptops auf Betriebskosten beim Onkel Hans-Jürgen Faust und ihrem Vater beantragen musste. Die Herren waren eher der Meinung, die Listen könne man doch weiter handschriftlich mit dem Kuli führen. Die Böden ihres Büros habe sie selbst abgeschliffen, und manche Kabel durfte sie auch selbst verlegen. Dass sie auch Mutter zweier jungen Söhne ist, hat alles noch lebendiger gemacht.

Katharinas jüngster Bruder Paul befindet sich noch in der Ausbildung und steht vor dem ersten juristischen Staatsexamen. Zum Studieren sei er nach Berlin gegangen, Frankfurt als Alternative sei zu nah daran gewesen: Ständig hätte er einspringen müssen, sagt er lachend. Andererseits hilft er sehr gerne aus und könnte sich durchaus vorstellen, in dem Familienbetrieb voll einzusteigen, wenn irgendwann der Generationswechsel vollzogen ist – und er gründlich überlegt habe. Die Zugehörigkeit zum Familienbetrieb berge Vor- und Nachteile. Wenn er in Wiesbaden verweilt, ist er derjenige, der auf dem Gelände wohnt und wird immer bei Bedarf gerufen, auch mitten in der Nacht.

Geheimpartys und Alapakazucht

Bruder Rouven ist Kommunikationsdesigner und Fotograf. Die Familie schwärmt für seine Wolfskinderfotos. Er ist aber keinesfalls nur Künstler und Gestalter. Seine Idee ist es, eine Alpakazucht aufzuziehen. Für neue Formate wie DJ-Abende, Konzerte und fast geheime Partys für cooles Szenevolk sind er und Paul zuständig. Aber auch das Herz von des Vaters schlägt für Kultur. Viele ausländische Künstler waren in Adamstal schon Gast. Ganz besonders wichtig ist ihm aber das “kuenstlerhaus43”, das er als sein viertes Kind bezeichnet. Das Gebäude im Bergkirchenviertel hat er vor einem Abriss gerettet und in die Zukunft geführt. Nun steht ein Umbau an.

Audrey Hepburn in der Reithalle

Schauplatz großer Veranstaltungen war das Adamstal schon früher. Zur UNICEF-Gala in der Reithalle kam 1991 Audrey Hepburn als Gast. Überhaupt waren Veranstaltungen viel unkomplizierter, erinnert sich Faust senior: (Der damalige OB) „Achim Exner hat dann einfach die Straße gesperrt und gut war es”. Eventpotenzial sei auch jetzt da – „aber mittlerweile haben die Genehmigungen überhandgenommen“.

Wer der größte Familienbandit sei, will ich wissen. Der vierjährige Maxi, ihr kleinster Sohn, lacht Katharina. „Wir sind alle starke Persönlichkeiten“, erklärt Paul. Und wer ist Streitschlichter? „Mutter Gabi, zwar nicht so berühmt wie Margot Faust, aber sie hält alles zusammen und opfert sich viel auf“, antwortet Katharina.

Zurück zur Viehzucht?

Ideen für die Zukunft gibt es viele. Man überlegt, wieder mit artgerechter Tierhaltung in der Viehzucht einzusteigen. Mit Tieren arbeiten bedeute aber auch 365 Tage im Jahr tätig sein, so Paul. Für Reinhard Faust steckt die Zukunft in der Landwirtschaft, das Land sei da und warte darauf, beackert zu werden. Man möchte für die regionale und saisonale kleine Speisen, die man anbietet, noch mehr Kräuter und Gemüse selbst anbauen.

Das Adamstal soll bei alledem Geheimtipp bleiben, so Katharina Stein – “auch wenn es natürlich verlockend ist, 500 Portionen Pommes an einem Nachmittag zu verkaufen”. Und in Zukunft möchte man wahrgenommen werden als ein Ort, wo man „auch reiten kann“ – und nicht hauptsächlich als Reiterhof,. Das ist Reinhard Fausts innigster Wunsch. Er wünscht sich, dass jetzt etwas gesät wird, was seine eigene 1970 begonnene Sparte in den Hintergrund rücken lässt.

www.adamstal.de