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So wohnt Wiesbaden: Max Rühle – An der Einrichtungs-Quelle

 

Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Max Rühles Einrichtungsstil ist nüchtern. Beim Rundgang durch seine 92 Quadratmeter große Altbauwohnung in der Jahnstraße hätte man durchaus mehr asiatische Opulenz erwartet. Schließlich ist der Bewohner Geschäftsführer des Indien-Hauses in Mainz. „Ich möchte nicht die Wohnung mit Möbeln aus dem Indien-Haus voll stellen. Sonst fühle ich mich wie auf der Arbeit“, sagt Rühle. So manche Stücke von genau dort finden aber doch immer wieder ihren Weg in sein Privatreich. 

Den Eingangsbereich hat Rühle mit einer verzierten Truhe aus Indien und zwei schlichten Holzstühlen dekoriert – hundertfünfzig Jahre alte, chinesische Beamtenstühle, wie der Experte erklärt. „Ich mag die Form und sie sind bequem“, lädt er zum Probesitzen ein. Und tatsächlich sitzt es sich angenehm darauf, wenn auch ein wenig steif, was sicherlich ein erwünschter Effekt der geschwungenen Rückenlehnen ist. „Ideal für Menschen mit Rückenschmerzen“, fügt Rühle schmunzelnd hinzu. Das angrenzende Schlafzimmer ist schlicht eingerichtet mit einer balinesischen Kommode gegenüber vom Bett und dem dazu farblich abgestimmten Teppich mit Blockstreifen in der Zimmermitte sowie einem gemütlichen Sessel. Im Flur steht der einzige Spiegel der Wohnung. Das schöne, indische Stück im Ganzkörperformat hat der Hausherr auf Wunsch seiner Freundin in die Wohnung gebracht – und überprüft natürlich nun auch selbst hin und wieder seine eigene Erscheinung darin.

„Ich würde mich viel spartanischer einrichten, wenn ich nicht das Möbelhaus hätte. Aber jetzt sitze ich ja an der Quelle“, so der freundliche Gastgeber. Möbelhaus hin oder her: Ganz ohne Ikea kommt auch dieser Haushalt nicht aus, wie ein Blick in die Küche zeigt. An asiatischem Flair mangelt es dennoch auch hier nicht. Dafür sorgen ein Bonsai und eine chinesische Porzellanteekanne von Rühles Freundin Manuela auf dem Küchentisch. 

Möbel aus alten Booten 

Das 1994 von seinem Vater Kurt Eichhorn gegründete Indien-Haus führt Max Rühle seit 2008 in Eigenregie. Nach dem Abschluss seines Studiums der Regionalwissenschaften Ostasien und einem zweijährigen Studienaufenthalt in Peking, bat ihn sein Vater 2007 um Unterstützung im Betrieb. Was zunächst als Probe auf Zeit angelegt war, währt nun seit vier Jahren. Dafür verantwortlich ist auch der Umstand, dass der Vater von einer Bali-Reise 2008 einfach nicht zurückkehrte und seitdem in Indonesien lebt. Dort lässt er Möbel aus alten Booten herstellen, die Vater und Sohn erfolgreich in Deutschland, Japan und den USA vertreiben. Auch die Kommode im Schlafzimmer stammt aus dieser Produktion. „Für mich sind das alles normale Möbelstücke, weil ich damit aufgewachsen bin“, sagt Max Rühle über die exotischen Einrichtungselemente in seiner Wohnung. 

Im hellen, großen Wohnzimmer stehen die meisten asiatischen Möbel. Eine Fernsehbank nach den Entwürfen seines Vaters ist Max´ Lieblingsstück: „Da sieht man noch richtig das Schiff raus. Die Spitze ist ein altes Fischerboot.“ Daneben, auf einer Box, sitzt eine antike hölzerne Shiva-Skulptur im Schneidersitz. Sie ist ein Geschenk seines Vaters an das Paar. In der Zimmerecke gegenüber steht ein offenes, dreieckiges Holzregal, das einst als Pflug gedient haben soll. Links und rechts davon, L-förmig angeordnet, bieten zwei moderne, dunkelgraue Stoffsofas Sitzgelegenheiten. Das Sofa unter dem riesigen Filmplakat von „Reservoir Dogs“ ist Rühles Lieblingsplatz. Hier liest er, schaut er fern oder spielt Gitarre. Als Couchtisch dient ein weiteres Exemplar aus der balinesischen Boot-Möbelkollektion. Im Gegensatz zu den indischen Stücken fallen diese, in verschiedenen Farbtönen gehaltenen Möbel, etwas poppiger aus. Den wunderschönen indischen Kerzenhalter auf dem Stehtisch hat Rühle beim Auspacken einer Lieferung entdeckt und kurzerhand konfisziert. Da möchte man doch gerne Chef des Indien-Hauses sein.

 

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