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Sogar Hitchcock schaute vorbei – Vereinsporträt Filmkreis Wiesbaden

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Von Alexander Pfeiffer. Fotos Arne Landwehr.

„Mir ist das Filmen in die Wiege gelegt worden“, erzählt Dieter Milewski, nachdem er im Clubkino des Wiesbadener Filmkreises einen alten Super 8-Projektor aus dem Lager geholt und erklärt hat, wie aufwendig es früher war, eigene Kurzfilme herzustellen. Er ist eines von aktuell 28 Mitgliedern des Vereins, die in ihrer Freizeit Filme und Diavisionen produzieren – heute natürlich digital, die meisten bereits in HD-Technik. „Mein Vater hat schon Filmideen geschrieben und auch verkauft. Von meinem ersten selbstverdienten Geld habe ich mir 1957 eine Filmkamera gekauft und losgelegt – und nie wieder aufgehört.“

Und weil Filme Publikum brauchen, gründete Milewski 1963 zusammen mit anderen engagierten Hobbyfilmern den Wiesbadener Filmkreis, den er zwanzig Jahre lang als Vorsitzender leitete. Seine Frau Hannelore wurde „direkt nach der Heirat eingespannt“, wie sie lachend erzählt. Bis heute haben die beiden gemeinsam mehr als 100 Reise-, Spiel-, Experimental- und Dokumentarfilme produziert.     

 Kino im Keller 

Traf sich der Wiesbadener Filmkreis bis 2000 noch in den Räumen des Oranien Hotels, so hat er seitdem sein Zuhause im Filmclub der Leibnizschule. Zu verdanken ist dies Rainer Drews, selbst Mitglied im Filmkreis und bis vor Kurzem noch als Lehrer an der Schule tätig.       

Wer die wenigen Stufen in die Kellerräume der Leibnizschule hinabsteigt, der gelangt durch einen Gewölbegang, von dessen Wänden Marlene Dietrich und Al Pacino die Eintretenden anschauen, in ein unterirdisches Reich, das alles zu bieten hat, womit auch ein kleines Programmkino aufwarten würde: 74 echte Kinosessel, eine drei Meter breite Leinwand, ein HD-Beamer und eine THX-Lautsprecheranlage.      

Wohl nur den allerwenigsten Kinogängern in Wiesbaden bekannt, wurde der Filmclub der Leibnizschule bereits 1962 von dem ehemaligen Leibnizschüler und ZDF-Filmredakteur Jürgen Labenski gegründet. Zur Hinterlassenschaft des 2007 Verstorbenen gehören haufenweise Filmplakate aus den letzten Jahrzehnten, die im Archiv die Regale füllen, sowie eine Galerie signierter Fotos von Filmgrößen wie Alfred Hitchcock oder Peter Ustinov, die allesamt auf Einladung von Labenski im Filmclub zu Gast waren.            

Das Größte aus den kleinen Bildern   

2010 wurden die Räume renoviert, die Mitglieder des Wiesbadener Filmkreises haben tatkräftig dabei mitgeholfen. „Es ist einfach faszinierend, selbst Kino produzieren zu können“, schwärmt der aktuelle Vorsitzende Stephan Vogel: „Der dunkle Saal, die große Leinwand!“ Und darauf die eigenen Werke, die jedes Vereinsmitglied zur Vorführung bringen darf.

Die Zugehörigkeit zum Bundesverband deutscher Film-Autoren (BDFA) ermöglicht den Hobbyfilmern auch die Teilnahme an jährlichen Filmfestivals. Wer dort auf Bundesebene prämiert wird, dessen Film ist später bei den „Deutschen Autoren Film Festspielen“ (DAFF) zu sehen. „Das ist das Größte, dort dabei zu sein“, sagt Stephan Vogel. 

Zuletzt geschafft hat das 2012 der drollige Zehnminüter „Der Kampf um Sellerie, Lauch & Co.“ der Wiesbadener Filmkreis-Mitglieder Margita und Peter Pabst, der sich dem merkwürdigen Verhalten geschlechtsreifer (und kindlicher) Paviane zur Fütterungszeit widmet. Der im Kölner Zoo gedrehte Film steht exemplarisch für das Schaffen des Wiesbadener Vereins, das von Reisefilmen und Reportagen dominiert wird. Neben dem gemeinsamen Vorführen und Besprechen ihrer Filme, schulen sich die Mitglieder des Kreises auch gegenseitig im Umgang mit den benötigten Geräten zum Filmen, Schneiden und Nachbearbeiten.

Der Club der bewegten Bilder trifft sich an jedem Donnerstagabend ab 19:30 Uhr im Kellerkino der Leibnizschule (Zietenring 9). Die Treffen stehen auch interessierten Nichtmitgliedern offen, sei es als Publikum oder mit eigenen Filmen. Willkommen sind alle, die genau wie Dieter Milewski und seine Mitstreiter der Faszination erlegen sind, „dass aus einem ganz kleinen Bild etwas so Großes“ werden kann.

www.wiesbadener-filmkreis.de