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Westen und Western – Neue Perspektiven bei der Wiesbaden Biennale

„How a falling star lit up the purple sky“ ist ein dynamisches visuelles Gedicht, das einen Paradigmenwechsel in Sachen „Western“ vorschlägt. Foto: Philip Frowein

Als Fest der Unterschiede will der neue Kurator Kilian Engels seine erste Wiesbaden Biennale feiern – und als Einladung zum Perspektivwechsel. Das Publikum kann eintauchen in vielleicht bislang völlig unbekannte Identitäts- und Erfahrungswelten.

Wo und wann sonst bekommt man in hiesigen Theatern Gelegenheit, Afro-Latinx non-binary trans-Geschichten erzählt zu bekommen, um mit River L. Ramirez´ Variety-Show „GhostFolk“ (1./2.9., 22 Uhr) mal ein Beispiel herauszupicken.

Das Publikum kann aber auch scheinbar Bekanntes, Gelerntes, Vertrautes ganz neu sehen. Das Thema Western zum Beispiel. Die neun Pantsula-Künstler – Pantsula ist eine hochenergetische Tanzform aus den Townships Südafrikas- von Impilo Mapantsula und Jeremy Nedd treten gemeinsam an und auf (3./4.9., 19.30 Uhr), um den „Western“ zu erforschen. Von Clint Eastwood bis Marlboro-Cowboy: Kaum ein anderes Filmgenre hat so viele Stereotypen hervorgebracht. „How a falling star lit up the purple sky“ ist ein dynamisches visuelles Gedicht, das einen Paradigmenwechsel vorschlägt, die Idee des Archetyps neu entwirft und zu einer Neubewertung der psychischen und geografischen Räume einlädt, die der Western, der (wilde) Westen, und der Süden besetzen.

Neue Generation von Südkoreanern

Anderes Land, ähnliche Thematik: Der südkoreanische Theatermacher und Komponist Jaha Koo stellte zum 100-jährige Bestehen des koreanischen Theaters fest, dass es eigentlich keinen Platz für die koreanische Theatertradition gibt: Was als koreanisches Theater gilt, wird weitgehend vom westlichen Kanon bestimmt. Aber warum sind die Südkoreaner so stolz auf diese westliche Interpretation? Und warum beziehen sich alle immer auf Shakespeare? Seine dokumentarische Theaterperformance „The History of Korean Western Theatre“ (3.9., 20.30 Uhr, 4.9., 18 Uhr) wirft Fragen nach Tradition und Authentizität auf. Mit Blick auf eine neue Generation von Südkoreanern versucht er, mit einer Tradition voller Selbstzensur und Scheinwahrung zu brechen.

sensor präsentiert die Wiesbaden Biennale vom 1. bis 11. September im Staatstheater. Das volle Programm, Infos und Tickets: www.wiesbaden-biennale.eu

(Dirk Fellinghauer, Foto Philip Frowein)

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