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Wildblumen, Wurzeln, Visionen – Wiesbadens grüne Zukunft wächst von unten

Freyda & Tobias beim pflanzen von Zucchini auf dem Schulacker.
Freyda & Tobias beim Pflanzen von Zucchini auf dem Schulacker.

Gemüse auf Schuldächern, Wildblumenwiesen auf Mittelstreifen, Käferkeller vor der Kirche: In Wiesbaden entstehen grüne Oasen – manchmal mit Rückenwind der Stadt, manchmal trotz fehlenden Mutes der Politik. Ein Rundgang durch eine Stadt im Aufblühen.

Text & Fotos: Hendrik Jung

„Biodiversität, Stadtbegrünung und Schwammstadt – das ist ein Themenkanon, den Städte auf der ganzen Welt auf ihrer Liste haben“, verdeutlicht Dieter Brell. Ein Konzept für einen Stadtgarten hat der Kreativdirektor mit dem Team seines interdisziplinären Designbüros 3deluxe als eines von vier Projekten für Wiesbaden auf eigene Initiative vorgelegt. Beispielhaft auf dem Mittelstreifen der Schwalbacher Straße verortet, sieht das Konzept unter anderem eine Wildblumenwiese, Streuobstwiesen und Gemeinschaftsgärten vor – aber auch einen Kiosk, eine Workshop-Fläche sowie einen Bereich für thematische Bespielungen.

In der aktuellen Umgestaltung der Schwalbacher Straße kommt dieses Konzept nicht zum Tragen, doch wäre es natürlich auch an anderer Stelle umsetzbar, um eine grüne Oase zu schaffen, in der Menschen sich treffen können. „Man merkt schon, es ist noch immer zu wenig Mut da“, bedauert Dieter Brell. Dabei könne man mit visionären Projekten unerwartete Wirkung erzielen. Bei der Begrünung einer öden Insel mitten in Dubai habe man vor etwa zehn Jahren auf heimische Pflanzen statt auf repräsentatives Grün gesetzt – mit dem Erfolg, dass dort inzwischen 100 Vogelarten dokumentiert worden seien. Warum also nicht Parkanlagen für den Anbau von Gemüse nutzen? „Das ist vielinteressanter, als wenn man über Rasen läuft“, findet Dieter Brell.

Die Beschäftigten seines Unternehmens würden in ihren Pausen jedenfalls gerne den von der Kreativagentur Scholz & Volkmer gepflegten grünen Campus am nördlichen Ende der Schwalbacher Straße nutzen. Obwohl Urban Gardening seit Jahren in aller Munde ist, gibt es in Wiesbaden gar nicht so viele öffentliche Projekte. Im Nordosten der Siedlung Schelmengraben werden mit Unterstützung der Wohnungsgesellschaft Hessen seit einigen Jahren fünf Hochbeete bewirtschaftet. „Wenn man da arbeitet, kommt man ins Gespräch mit Menschen, die vorbeigehen“, berichtet Marie-Luise Strähler. Da ihre Mitstreiter unter anderem aus Vietnam stammen, hat sie sogar eine neue Teesorte für sich entdeckt. An der Ernte von Zucchini oder Tomaten dürften gerne alle teilhaben, ob sie nun mithelfen oder nicht. Leider seien in diesem Jahr aber ganze Tomatenpflanzen ausgegraben und gestohlen worden. „Ich habe das Gefühl, wir müssen uns etwas Neues überlegen“, bedauert Marie-Luise Strähler.

 

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