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Zum Prickeln in den Keller

 

Von Sabine Eyert-Kobler. Foto Kai Pelka.

Die besten Dinge werden dann zum Leben erweckt, wenn man sie mit viel Herzblut und Leidenschaft ausübt. Hannes Seppelt ist das beste Beispiel dafür. Der engagierte Küfer und Oenologe verwirklicht mitten in Wiesbaden, in der Adelheidstraße 18, seinen Traum vom ersten eigenen Sekt. Ort des Geschehens: Der wunderschöne Kreuzgewölbekeller von Andreas Gölitzer. Wer hinabsteigt über die urige, sich windende Steintreppe, wird sogleich zurückversetzt in eine längst vergangene Zeit. Dass dieser 1850 ursprünglich als Sektkellerei erbaut wurde, sieht der 29-jährige als vielversprechendes Omen. „An diesem Ort passt einfach alles“, strahlt er.

Der gebürtige Rostocker ist durch seinen Vater „auf den Geschmack“ gekommen und damit letztlich auch auf seinen späteren Beruf: „Mit 17 ergab sich für mich die Chance, dass ich ganz im Süden Deutschlands eine Ausbildung zum Weinküfer beginnen konnte.“ Und so zog er von der Ostsee nach Gengenbach in den Schwarzwald. Es folgte ein Gesellenjahr in Lauffen am Neckar in der dortigen Weingärtnergenossenschaft, anschließend zwei Jahre an der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg und der Titel Staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie: „Das hat mir aber noch nicht gereicht, so dass ich weitere vier Jahre am Campus Geisenheim der Hochschule Rhein-Main Weinbau und Oenologie studierte.“

Heute, zwölf Jahre später, ist er zweiter Kellermeister im Weingut Kallfelz in Zell an der Mosel. Das Studium brachte ihn also nach Wiesbaden – und letztlich auch zu Andreas Gölitzer, denn in seinem Wein- und Feinkostgeschäft „Le Bonheur“ hat er ihm gelegentlich geholfen, Events zu veranstalten. Dort blieb ihm natürlich nicht das schöne Kellergewölbe verborgen, das auch Schauplatz origineller Weiproben war: „Ich sah den Raum, den Platz und mir war klar, dass die Konstellation mit Andreas als engagiertem Weinhändler, der seinen Traum auslebt, und mir als Oenologen sehr fruchtbar werden könnte.“ 

„Es macht einfach Spaß in Kellern zu arbeiten, in denen bereits vor hunderten von Jahren die gleiche Arbeit verrichtet wurde. So wird man ein Teil der Geschichte des Kellers“, erläutert er, während er zu seinen „Schätzchen“ schreitet: 800 schlanke, langhalsige und dunkle Flaschen, die behutsam aufgereiht im Gewölbe lagern. „Die Basis für meinen jugendlichen, knackig-fruchtigen Rieslingsekt bildet ein Grundwein aus dem Rheingau.“ Mehr möchte er nicht verraten. Stattdessen betont er: „Mein Sekt ist nichts für Nerds, sondern soll nach dem ersten Probieren überzeugen. Er ist geschmacklich unkompliziert und eignet sich hervorragend, um mit ihm auf einer Party im Kreise seiner Freunde anzustoßen.“ Mitte Dezember soll es soweit sein – dann knallen im „Le Bonheur“ die ersten Sektkorken.

Sekt mit Persönlichkeit

Die behutsame Herstellung unterstreicht die Besonderheit dieses Sektes made in Wiesbaden: „Ich gehe davon aus, dass die Seppelt Sektmanufaktur die kleinste Manufaktur für schäumenden Wein in Deutschland ist. Ich verwende keine elektrisch angetriebenen Maschinen – alles wird von Hand gemacht. “ Die Abfüllanlage ist ein antiker Schwenkhahn, mit dem nur zwei Flaschen gleichzeitig gefüllt werden können und der ‚blitzschnell‘ umgeschwenkt werden muss, damit die Flaschen nicht überlaufen. Der Wein läuft direkt aus einem Tank im Erdgeschoss über einen Weinschlauch in die im Keller bereitstehenden Flaschen. Die so gefüllten Flaschen werden an Ort und Stelle eingelagert, um dann während einer langen Gärphase ihre feinen Perlen zu bilden. „Am Ende wird jede Flasche von mir von Hand ausgezeichnet, mit Etiketten, die meine Freundin Ana und ich gemeinsam entwickelt haben. Dieser Sekt ist ein mit viel Liebe zum Detail und im traditionellen Flaschengärungsverfahren hergestelltes Wiesbadener Produkt“, betont Hannes Seppelt stolz. „Er besitzt Persönlichkeit und hat mit den Sekten der großen Markenhäuser nur wenig gemein.“

Da auf Sekt eine Schaumweinsteuer erhoben wird, musste er – neben viel Papierkram – ein so genanntes „Steuerlager“ einrichten.Von seinem Nachbarn Udo bekam er einen alten Verkorker und weitere Geräte zur Füllung von Wein, die dieser – welch ein Zufall – noch im Keller stehen hatte. „Innerhalb von zehn Minuten hatte ich also bereits fast alles zusammen, was ich zum Produzieren brauchte. Insgesamt hat es von der Idee bis zur ersten Füllung etwa vier Monate gedauert.“ Bei Fragen, welche die Sektbereitung betreffen, kann er sich an einen Freund in Offenburg wenden, der dort  eine Sektkellerei betreibt. Und beim Abfüllen haben ihm seine Freunde geholfen. Vermarktet werden soll der Sekt über den Fachhandel und die Gastronomie. Die Basis ist natürlich die Weinhandlung von Andreas Gölitzer. Dort wird versektet und verkauft. „Jeder ist herzlich eingeladen, sich die kleine Sektmanufaktur im Kreuzgewölbekeller anzuschauen“, sagt Hannes Seppelt. Ab Januar 2013 auch online unter www.seppelt-sekt.de

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