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“2,05 Millionen? Keine Panik!” OB beschwichtigt in Sachen Fördergelder für Walhalla-Sanierung

Von Dirk Fellinghauer. Archivfoto Offert Albers.

Die Stadt hat den Stichtag 31.12.2018 verstreichen lassen: Die 2,05 Millionen Kulturetat-Fördermittel des Bundes, die seit November 2016 für eine Sanierung des seit nun ziemlich genau zwei Jahren für jede Nutzung gesperrten Walhalla-Gebäudekomplexes reserviert waren, sind verfallen. Laut OB Sven Gerich ist dies kein Grund zur Panik. Via Kommentar zum “2,05 Millionen? Scheiß´ drauf”-Beitrag von sensor kündigt er auf der Facebook-Seite unseres Magazins eine erneute Beantragung des Bundeszuschusses an: “Ich bin da ganz optimistisch”, schreibt er. Die Berichterstattung tut er als “Geschrei” ab.

“Mal zur Klarstellung: die Mittel können erneut beantragt werden”, erklärt der Rathauschef. Er erinnert daran, dass die auf seine Initiative hin bewilligten Fördermittel von 2,05 Millionen Euro seinerzeit aus der so genannten „Bereinigungssitzung“ des Bundestags-Haushaltsausschusses stammten – und von diesem auf Basis der “damals veranschlagten, rund 15 Millionen Kosten” als Zuwendung zum Denkmalschutz genehmigt worden seien.
OB: Alle Zahlen, Daten, Fakten liegen nun vor
Laut OB liegen nun für die anstehende Sanierung des Walhalla-Gebäudekomplexes “alle Zahlen, Daten und Fakten (auch die genauen Auflagen der Denkmalpflege)” vor. Für die voraussichtlichen Kosten der Sanierung gehe man aktuell von “etwas mehr als 20 Millionen” aus: “Danach erfolgt eine erneute Beantragung eines Bundeszuschusses”, kündigt das Stadtoberhaupt an und schreibt: “Ich bin da ganz optimistisch.” Er erwartet sogar noch höhere Zuschüsse: “Von nicht belegten 15 Millionen und nicht bekannten Kosten für den Denkmalschutz hätten wir 2,05 Mio bekommen können. Von bald belegten mindestens 25 Millionen Euro und belegten mehr als 10 Millionen für den Denkmalschutz bekommen wir beim nächsten Antrag mehr als 2,05 Millionen”, zeigt er sich überzeugt: “Wenn wir diese also gesichert hätten …, hätten wir Geld verschenkt.”

“Für mich persönlich mal wieder: jede Menge Geschrei….., für nix. Warum wird man so selten gefragt bevor so was geschrieben wird?”, beschwert sich Gerich über die Berichterstattung. 
Was der OB offenbar nicht mitbekommen hat: Die zumindest offiziell Hauptverantwortlichen für das Walhalla-Projekt – Rainer Emmel als Geschäftsführer der stadteigenen WVV Holding, der das Gebäude gehört, und SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum als Beauftragter für die Projektsteuerung – wurden sehr wohl gefragt, bevor geschrieben wurde. Allerdings: Sie haben nichts von dem, was der OB nun “klarstellt”, geantwortet.
Die Frage ist also vielmehr, warum die Herren dem Wiesbadener Kurier von den Sachverhalten, über die der OB (und WVV-Aufsichtsratsvorsitzende) nun über einen Facebook-Kommentar aufklärt, nichts erzählt haben? Wissen sie als Hauptverantwortliche gar nicht, wie der tatsächliche Sachstand ist? Oder behalten sie das, was sie wissen, und was die Öffentlichkeit berechtigterweise brennend interessiert, aus welchen Gründen auch immer für sich? So oder so befeuerten sie auf diese Weise eine – nimmt man den von ihnen kommunizierten Kenntnisstand als Grundlage – durchaus berechtigte Aufregung.
Und wenn OB Sven Gerich in der Diskussion nun auf den Einwurf von Lilienjournal-Herausgeber Mario Bohrmann, man hätte die bisher zugesagten Bundesmillionen auf jeden Fall schon mal sichern sollen, erwidert: “klar, alle die nicht so nah dran sind, können das, ja müssen das so sehen! Ich werfe da niemandem etwas vor. Aber das eine ist Theorie…, das andere ist umzusetzende Praxis” – dann wünscht man sich, dass der OB und/oder andere, die “nah dran” sind, all die nicht so nah dran befindlichen “Theoretiker” wissen lässt, was denn der Stand, die Aussichten und die Perspektiven und Chancen der umzusetzenden Praxis wohl sein mögen. Im Zweifel bei einem so bedeutenden und dabei von Unklarheiten, Unsicherheiten, Spekulationen und Gerüchten geschwängertem Projekt wie diesem gerne auch ungefragt.
Der ursprüngliche Facebook-Post mit den Diskussionsbeiträgen des OB:

Ein Kommentar ““2,05 Millionen? Keine Panik!” OB beschwichtigt in Sachen Fördergelder für Walhalla-Sanierung

  1. Erstmal: Vielen Dank an Sensor/WK und Lilienjournal mit Mario Bohrmann, dass sie an dieser Sache drangeblieben sind und – wie sich gezeigt hat – mit guten Gründen so intensiv nachgeforscht haben. Der Verlauf des vergangenen Jahres mit diesem Schlusspunkt vermittelt in keiner Weise den Eindruck, dass das Walhalla-Projekt seitens der Stadt mit Herzblut vorangetrieben wurde. Anderslautende Bekenntnisse müssen in der Rückschau vor allem erstmal wie Lippenbekenntnisse wirken. Die jüngsten Aussagen zur Sachlage seitens des OB und der zuständigen Geschäftsführer aus WVV uns SEG sind widersprüchlich. Vertrauen in ein konzertiertes Agieren der Verantwortlichen kann so schwerlich entstehen. Obwohl doch allgemein bekannt und auch in Studien belegt ist, dass der urban-defizitäre „Aktive Kernbereich Innenstadt-West“ gerade in diesem Segment der Stadt so dringend einer kulturellen und kreativ-wirtschaftlichen Vitalisierung bedürfte. (s.a. https://www.wiesbaden.de/medien-zentral/dok/leben/planen-bauen-wohnen/Innenstadt-West_-_Integriertes_Handlungskonzept.pdf ).

    Neben den substanziellen Fragen stellt sich aber auch die Frage nach dem Stil, mit dem Herr Gerich, immerhin Oberbürgermeister dieser Stadt, mit dem Engagement von Idealisten umgeht, wenn sie wagen, auf wunde Punkte zu verweisen, weil sie Schaden abwenden wollen. Und zudem ihrem „Geschrei“ auch noch Dummheit attestiert. Ich kommentiere die hierzu auszugsweisen Passagen nicht weiter; denn sie kommentieren und disqualifizieren sich selbst. Ich gebe aber offen zu: ich bin erschrocken und auch empört über die Sichtweise eines Stadtoberhaupts, das – weil „nah dran“ (wirklich?) – besondere Schlauheit für sich reklamiert; mit seiner Umwegargumentation aber stattdessen demonstriert, dass Cleverness und Klugheit nicht dasselbe sind.

    https://www.facebook.com/sensor.wi/posts/1979301305484351 Auszüge aus dem FB-Sensor-Post:

    Sven Gerich: „Für mich persönlich mal wieder: jede Menge Geschrei….., für nix. Warum wird man so selten gefragt bevor so was geschrieben wird?“

    Mario Bohrmann an OB Sven Gerich. Du wurdest gefragt und der gesamte Schriftwechsel mit dem Ministerium ging vor Weihnachten auch an Dich. Eine Antwort kam nicht.

    Sven Gerich an Mario Bohrmann ……bekommen wir beim nächsten Antrag mehr als 2,05mio. Wenn wir diese also gesichert hätten…, hätten wir Geld verschenkt. Denk an meine Worte. Alle großen Schreier werden dumm aus der Wäsche gucken. Und Du zuerst.

    Mario Bohrmann an Sven Gerich. Aufstocken wäre allemal gegangen. Was man hat das hat man. Und das hat man ohne Not verfallen lassen. Denk an meine Worte ….

    OB Sven Gerich an Mario Bohrmann sorry mein lieber, da bin ich nun wirklich schlauer als Du. Und näher dran allemal. Mag Dir nicht gefallen, ist aber so!

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