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Feilschen mit Programm und Coolness-Faktor: Der besondere Flohmarkt im Schlachthof-Kulturpark

Text und Fotos: Taylan Gökalp

Seit zwanzig Jahren gehört der Flohmarkt zum festen Programm des Schlachthofs. Das Publikum liebt die entspannte Atmosphäre zwischen Wasserturm und Wiese, zwischen Biergarten und Liegestühlen. An guten Tagen kommen bis zu 3000 Gäste. Unser Autor hat einen Tag lang mitgestöbert. Und gestaunt.

Konny Krummeck vom Schlachthof-Team kennt die Bedürfnisse ihres Publikums. „Wir wollen den Coolness-Faktor des Schlachthofs auf den Flohmarkt übertragen.“ Sie und ihre Kolleginnen Sukhi Langbein und Cosima Deicke organisieren das monatliche Trödelevent im Kulturpark. Anders als bei einem gewöhnlichen Flohmarkt geht es nicht nur um den reinen Handel.

Grundhaltung:  Flohmarkt als Politikum

Besonderen Wert legt man darauf, dass der Flohmarkt für alle da ist. Es gebe keinen Ramsch und keine Händler, erklärt Krummeck. „Die Standpreise sind erschwinglich. So können die Leute ihre Sachen günstig anbieten. Wir wollen eine Homogenität zwischen Angebot und Nachfrage.“

Bereits um 10 Uhr ist der Platz voll mit Gästen. Offiziell geht es um 11  Uhr los „Wir sind ein Nachtveranstalter. Wir beginnen spät, weil wir Rücksicht auf unser Publikum nehmen.“, sagt Konny lachend. Und gerade für die aufgeregten Anfänger sei es eine Wohltat, wenn sie zusätzlich zu dem Stress nicht auch noch bei Morgengrauen aufbauen müssten.

Playstation Uncut anstatt Topflappen

Auch Lukas, Chrissi und Jana sind zum ersten Mal dabei. „Heute Morgen war es stressig, die Leute haben uns die Bude eingerannt, bevor wir die Kisten ausgepackt haben. Aber jetzt ist es entspannter“, sagt Lukas. Er sitzt gemütlich auf seinem Campingstuhl und lässt sich von der Sonne bestrahlen, während neugierige Kunden in den Kisten wühlen oder Comichefte durchblättern. Ein paar Meter weiter hat Waldemar ein Konsolen-Spiel für die Playstation 3 gekauft. „Das war die Uncut-Version, die musste ich haben.“ Eigentlich wollte er nur Topflappen für die WG besorgen. Die alten nahm seine ehemalige Mitbewohnerin beim Auszug mit.

Global Beats aus dem Pavillon

Pünktlich um 11 Uhr schmeißen die bekannten DJs Janek und Michalis die ersten Platten des Tages auf die Teller. Aus ihrem Pavillonzelt beschallen sie den Park mit Weltmusik aus allen Kontinenten. „Wir wollen, dass der Global Beat auch hier seinen Platz bekommt.“, sagt Janek.  Am Rande des Flohmarktes gib es verschiedene Zusatzangebote: Basketball-Pizzawerfen, Klötzchen-Welt, Kindertaxi, Siebdruck, Snack-Stände und Liegestühle. Ein Hauch von („Folklore“-)Festival-Flair weht über das weitläufige Gelände. Die beiden Damen vom Taco-Bus „El Taco Rico“ freuen sich, dass sie auch dabei sein dürfen. Dabei begann der Tag mit einer schweren Panne. „Unser Bus hatte heute Morgen einen Motorschaden. Wir haben uns dann vom Abschleppdienst bis hier her ziehen lassen.“

Kurioses Bild vorm Wasserturm

Inmitten des bunten Treibens entwickelt sich vor dem Wasserturm ein kurioses Bild. Der Schweizer Aktionskünstler Julian Bellini baut einen 7 Meter hohen Turm aus 47 Eschenstangen und ein paar Flachsseilen – ohne den Boden zu berühren. „Heinz baut“ nennt sich das Projekt, das sich im Laufe des Tages geduldig in den wolkenfreien Himmel hocharbeitet. Zum Schluss legt der Künstler den Turm wieder in seine Einzelteile. Als hätte er nie existiert.

„Letzten Monat war der Zulauf größer“, sagt Sula, während sie von ihrem Stand aus den Blick durch die Menge schweifen lässt. Sie und ihre Freundin Kerstin haben bereits Erfahrung mit dem Flohmarkt am Schlachthof. Besonders gefalle ihnen, dass das Publikum so bunt durchmischt sei und dass es nicht so streng zugehe wie anderswo. Hierzu erklärt Konny: „Wir messen nicht mit dem Lineal nach, ob unsere Vorgaben auch genau eingehalten wurden.“

Gegen 16 Uhr leert sich die Wiese allmählich. Was jetzt noch übrig ist, wird teilweise verschenkt oder für einen Euro verscherbelt. Michalis legt bereits die Abschiedsklänge auf den Plattenteller: „Jetzt kommt ein Rausschmeißer“, ruft er ins Mikrofon, während er einen Klassiker durch die Lautsprecher dröhnen lässt: „Bella, Ciao! Bella, ciao! Bella, ciao, ciao, ciao!“

Der Schlachthof-Flohmarkt findet immer   am ersten Samstag des Monats statt. Die restlichen Termine dieses Jahres sind: 07.07. (plus Kindersachen-Flohmarkt),
04.08. (plus Kindersachen-Flohmarkt), 11.08. (Der Flohmarkt zum Kettcar Rennen), 01.09.
06.10. Für Aussteller ist eine Voranmeldung erforderlich. Anmeldung und Info via E-Mail an flohmarkt@schlachthof-wiesbaden.de  Für Anbieter gilt: „Kein Nazi Krams, kein sexistischer Scheiß, nix Diskrimierendes!“

 

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