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Flokati statt Frohsinn: Die “Bappkappe” halten mit ihrem Nichtverein Fastnachts-Puristen den Spiegel vor

Von Taylan Gökalp. Fotos Taylan Gökalp/ privat.

Ein Büroraum, irgendwo in Erbenheim. Alles ist seriös und sachlich, die weißen Deckenplatten, das grelle Licht, die IHK-Urkunden an den Wänden. Am Besprechungstisch sitzen der Banker Dirk Gethöffer, sein Bruder, der Immobilienverwalter Andreas Gethöffer, und der Werbetechniker Stefan Greulich. Doch es geht nicht um Zinsen und Vermögensanlagen, noch weniger um Werbeschilder und Reklametafeln. Es geht um Fastnachtsorden, Wikingerfelle und Papphelme. Die drei Herrschaften sinnieren über ihre gemeinsame Leidenschaft: als Wikinger verkleidet auf die Straße zu gehen und dort allerlei Blödsinn zu machen.
Der alternative Bappkappeclub, gegründet 1985 aus einer Kneipenlaune von ein paar Freunden, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einem herkömmlichen Fastnachtsverein. Entstanden als Persiflage auf althergebrachte Fastnachtstraditionen, gibt es keine schicken Gardeuniformen, keine Büttenreden und keinen „Frohsinnskarneval“, wie sie es nennen. Stattdessen setzen sie auf Papphelme – daher der Name „Bapp“-kappe -, Schwerter und Wikingerkostüme aus billigem Flokati. Die altbekannte Ordnung klassischer Fastnachts-Choreographie weicht einer wilden Horde, die mit dem „Katapult des Grauens“ Konfetti-Geschosse durch die Straßen fliegen lässt und Angst und Schrecken bei Traditionalisten verbreitet.

Ein Verein, der gar nicht existiert

Es ist vor allem ein entscheidendes Detail, das den Bappkappenclub anders macht, als andere Vereine: Nämlich die Tatsache, dass er im Grunde überhaupt nicht existiert. „Wir sind nirgendwo eingetragen“, erklärt Stefan Greulich, der schon seit elf Jahren dabei ist: „Es gibt keinerlei Rechte und Pflichten, wir müssen keinen Vorstand haben, wir nehmen keine Gelder ein und geben keine Gelder aus.“ Dirk Gethöffer, mit 31 Mitglieds-Jahren älteste aktive Bappkapp,  fasst es so zusammen: „Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen.“ Soll heißen: Jeder kann Mitglied werden, ohne großen Aufwand und ohne Anmeldung. Und weil der Bappkappeclub so stolz darauf ist, dass er seit 34 Jahren ohne die von ihm belächelte Vereinsmeierei zurechtkommt, nennt er sich demonstrativ „n.e.V.“, nicht eingetragener Verein.

Dabei sah es gerade in den Anfangsjahren nicht danach aus, dass der Verein lange überleben würde. Im April 1993 verkündeten die Gründungsmitglieder ihren Austritt und die Auflösung des Bappkappeclubs. Sie machten die Rechnung jedoch ohne eine hartnäckige Gruppe von Wikingern, die als „die letzten Acht“ in die Geschichte des Vereins eingingen: Die Brüder Gethöffer, Michael B., Jan L., Daniel K., und drei weitere nahmen die Auflösung einfach nicht hin. „Was nie gegründet wurde, kann auch nicht aufgelöst werden“, erklärt Dirk Gethöffer.

Aus 8 werden 80

Und so traf sich die Widerstandsgruppe ein Jahr später wie gehabt am Sammelplatz beim nächsten Wiesbadener Fastnachtsumzug  mit Wikingerfellen, Orden und Papphelmen. „Wir haben uns einfach an den Elsässer Platz gestellt und abgewartet, was passiert“, berichtet der Banker in der Runde. Zwischen 1993 und 1999 sind es gerade einmal 8 bis 15 Wikinger, die jedes Jahr beim Umzug mitlaufen. Erst danach gibt es einen größeren Zulauf. Mittlerweile sind es 60 bis 80 Bappkappen, die regelmäßig beim Fastnachtsumzug dabei sind. Vertreten sind alle Gesellschaftsgruppen: Männer und Frauen, Kinder und Rentner, Akademiker und Arbeiter.

Im Laufe der Jahre mauserten sich die Bappkappen zu gern gesehenen Gästen bei den Sitzungen der Fastnachtsvereine. „Die Vereine wissen, wenn wir auf einer Sitzung sind, dann geben wir Vollgas“, erklärt Andreas Gethöffer. Dennoch gehört der Club nicht zur Dacho (Dachorganisation Wiesbadener Karneval 1950 e.V.). Und das soll auch so bleiben, wenngleich das Verhältnis untereinander kollegial ist. „Die haben sich 34 Jahre gehalten, und das finde ich toll“, sagt Simon Rottloff, Vorsitzender der Dacho. Und dass die Bappkappen den Fastnachts-Puristen den Spiegel vorhalten, findet der „oberste“ Narr der offiziellen Wiesbadener Fastnacht gar nicht so verkehrt. „Ich kann da durchaus drüber schmunzeln“, sagt er.

Wo die Bappkappe in dieser Kampagne, außer beim Fastnachtssonntagzug am 3. März natürlich, auftauchen werden, steht auf www.bkcw1985.de

Ein Kommentar “Flokati statt Frohsinn: Die “Bappkappe” halten mit ihrem Nichtverein Fastnachts-Puristen den Spiegel vor

  1. Die waren von Anfang an unorganisiert , aber sie haben, soweit ich weis , nie jemandem geschadet . Ich bewundere sie besonders , wenn kein Bilderbuchwetter ist .

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