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Neues Friedens-Verständnis: MasterPeace startet in Wiesbaden durch – auch mit Crowdfunding

Von Anja Baumgart-Pietsch.

Die Biebricher Pädagogin Kristine Tauch und der aus Albanien stammende Bledion Vladi haben „Master Peace Wiesbaden“ gegründet – der zweite Club der weltweit aktiven Initiative in Deutschland.

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Sie haben schon in Biebrich selbst gebastelte Herzen an überraschte Passanten verschenkt, jede Menge Müll am Rheinufer eingesammelt, und jetzt haben sie ein Buch geschrieben und wollen einen Onlineshop an den Start bringen: Die Mitglieder von  „Master Peace Wiesbaden“, gegründet von Kristine Tauch und Bledion Vladi. Tauch ist Diplom-Pädagogin und leitet seit 2006 mit ihrer ‚integra lernwerkstatt’ Bildungsangebote und Workshops. Vladi ist 2015 mit seiner Familie aus Albanien nach Deutschland gekommen, wo er gerade sein internationales Abitur absolviert, um dann Marketing zu studieren.  „MasterPeace“ ist eine Gemeinschaft von Einheimischen und Geflüchteten, die kreative interkulturelle Projekte durchführt. Jeder kann sich einbringen und mitmachen, es ist kein eingetragener Verein.

„Als 2015 die Flüchtlingskrise auf dem Höhepunkt war, habe ich erst mal gedacht, das muss der Staat selbst wieder hinkriegen, schließlich ist er auch beteiligt an so viel Elend und Flucht auf der Welt“, erinnert sich Tauch. Ein Umdenken brachte 2016 ihre Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern: „Als ich deren erstaunliche Geschichten gehört habe, dachte ich, ich muss jetzt doch was tun.“  So rief sie den deutschlandweit zweiten der weltweit existierenden Clubs ins Leben. Auch Vladi motivierten seine eigenen Erfahrungen zum Engagement: „Am Anfang hatte ich Angst, hier neu anzufangen. Ich habe es aber geschafft. Jetzt will ich anderen helfen, sich hier wohlzufühlen.“

7 Milliarden konstruktive statt destruktive Köpfe

„MasterPeace“ ist ein Wortspiel. Es kann auch „Meisterstück“ bedeuten, es geht hier ja auch tatsächlich um ein Meisterstück der Menschheit:  Frieden. Gegründet wurde die internationale Organisation 2011 von einem Niederländer und einem Ägypter. Ihre Idee: Die Welt hat 7 Milliarden Bewohner, das könnten auch 7 Milliarden kreative – statt destruktive –  Kräfte sein. „Brot statt Bomben, Musik statt Kampf, Dialog statt Verurteilung, Kreativität statt Zerstörung“,  so heißen die vier Slogans, mit denen die Graswurzelinitiative jeden, der sich damit identifizieren kann, zur Beteiligung einlädt.

Immer wieder überlegen sich auch die Wiesbadener Aktionen, um die Slogans mit Leben zu füllen. Für den Herbst planen sie ein interkulturelles Musikfest: „Wir freuen uns über Beiträge und über Ideen, wo wir es veranstalten können“, sagt Kristine Tauch. Zunächst aber steht die Veröffentlichung des Buches „Warum wir hier sind – Reisegeschichten aus unserer Welt“ an. Es sind größtenteils Fluchtgeschichten, die von in Wiesbaden gelandeten Autoren aus Syrien, Somalia, Jemen, Afghanistan und Äthiopien verfasst wurden. Kristine Tauch brachte sie mit deutschen „Sprachpaten“ zusammen und bewarb sich unter dem Motto „Storytelling for Change“ beim Wiesbadener Integrationsfonds. Mit diesem Geld konnte sie mehrere Workshops mit Experten finanzieren, die in der Wiesbadener Jugendherberge stattfanden.

 Erzählungen, die zu Tränen rühren

Der niederländische Storytelling-Spezialist Henk Hofman, die Lektorin Christine Geldmacher und der Grafiker Tobias Borries, der mit den Teilnehmern Illustrationen zeichnete, entwickelten mit dem internationalen Team ein Konzept für das Buch.  Beim 24-Stunden-Lesemarathon im Rathaus im März präsentierten bereits einige der 19 Autoren ihre ergreifenden Geschichten vor Publikum. Sie sind lang oder kurz, in Form von Prosa, Gedicht oder auch mal als Rezept. „Wir haben nur wenige Vorgaben gegeben. Es ging darum, dass die Menschen das erzählen können, was sie loswerden möchten“, sagt Tauch. „Jede einzelne Erzählung hat mich zu Tränen gerührt.“  Es geht um die Flucht, aber auch um das  Leben im Heimatland oder das Ankommen in Deutschland.

Mit der Crowd zum Online-Shop

Die Druckkosten sowie die benötigten Mittel, um den geplanten Online-Shop mit dem Namen „The Story Store“ zu erstellen, versucht „MasterPeace“ gerade per Crowdfunding zu sammeln. Über „Startnext“ können sich Unterstützer noch bis zum 9. Mai (23.59 Uhr) einbringen – ein lohnendes Projekt, wie Kristine Tauch meint: „Unser Ziel ist es, dass jeder einzelne Artikel, sei es ein Buch, ein T-Shirt oder ein Stoffbeutel, seine Geschichte in die Herzen der Käufer trägt.“ Daraus sollen sich dann auch Arbeitsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen ergeben, denn nicht nur der Entwurf, sondern auch Herstellung und Logistik erfordern eine Menge Arbeit – kreative wie verwaltende.  „Frieden kann man nicht durch Zwang erhalten. Wir erreichen ihn nur durch Verständnis.“  Dieses Zitat von Albert Einstein hat Kristine Tauch ihrem Crowdfunding-Projekt vorangestellt. Auch eine Bewerbung zum Deutschen Integrationspreis ist damit verbunden: Echte Arbeit an der Basis, die schon schöne Früchte trägt.

Kontakt und Infos: Kristine Tauch, Telefon: 0178/457 9336,

https://www.facebook.com/masterpeacewiesbaden/

Das Projekt beim Crowdfunding – noch knapp 1000 Euro fehlen (Stand 6.5.) zum Ziel, noch bis 9.5. bleibt Zeit zur Unterstützung:

https://www.startnext.com/the-story-store