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“Requiem für Frau J.” gewinnt goEast-Filmfestival – Preisverleihung im Caligari und jetzt: Paaaarty!

Filme aus Südosteuropa und Georgien sind die großen Gewinner beim goEast 2017. Der Hauptpreis des Festivals des mittel- und osteuropäischen Films wurde heute Abend im Caligari für serbische Tragikomödie “Requiem für Frau J.” (Szenenfoto (c) goEast) verliehen. Mit der feierlichen Preisverleihung in der Wiesbadener Caligari FilmBühne ging heute die 17. Ausgabe des von sensor als Medienpartner präsentierten goEast – Festivals zu Ende – fast: Im Anschluss an die Preisverleihung steigt heute ab 23 Uhr im Kulturpalast die große Abschlussparty.  Mehr als 12.000 Besucherinnen und Besucher sorgten bei dem vom Deutschen Filminstitut veranstalteten Filmfestival in der letzten Woche für volle Kinos und intensive Lectures, Diskussionen und Talks und intensive Begegnung.

Insgesamt wurden in sieben Tagen 111 Filme aus 29 Ländern gezeigt, zum Abschluss wurden Preise im Gesamtwert von 50.000 Euro vergeben. Die Mitglieder der internationalen Jury – die lettische Regisseurin Laila Pakalniņa (Vorsitz), Produzent Max Tuula (Estland/Russland), Produzentin Sam Taylor (Großbritannien), Schauspieler Jakob Diehl (Deutschland) und Regisseur Igor Drljača (Bosnien und Herzegowina/Kanada) – verliehen die Hauptpreise. Festivalleiterin Gaby Babić kommentierte: „Ich freue mich sehr, dass sich der diesjährige Schwerpunkt zu starken Frauenfiguren im Kino und Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa auch in den ausgezeichneten Filmen widerspiegelt.“

Die goEast-Gewinner im Überblick

Die Goldene Lilie für den Besten Film ging an REQUIEM FÜR FRAU J. (REKVIJEM ZA GOSPOĐU J., Serbien/Bulgarien/EJR Mazedonien/Russland/Frankreich 2017). Die Tragikomödie erzählt von der depressiven Jelena, die sterben will. Regisseur Bojan Vuletić nahm gemeinsam mit Hauptdarstellerin Mirjana Karanović am Dienstagabend den Preis im Wert von 10.000 Euro in Empfang. „Vielen Dank, Frau J., für die Hoffnung die Sie bringen,“ so die Jury.

Das georgisch-deutsche Regie-Duo Nana & Simon gewann den mit 7.500 dotierten Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie. Ihr Film MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE (CHEMI BEDNIERI OJAKHI, Deutschland/Frankreich/ Georgien 2017), in dem die 52-jährige Manana beschließt, die Familienwohnung zu verlassen und ihr eigenes Leben zu führen, eröffnete das diesjährige Festival. Die Jury erklärte, der Film „zeigt, wie schwierig es ist, ein Fenster aufzumachen und frische Luft hereinzulassen.“ Den Preis nahm die georgische Schauspielerin Tsisia Kumsishvili entgegen, die in dem Filme in der Rolle der Tochter Nino zu sehen ist.

Der Dokumentarfilm SONNENSTADT (MZIS QALAQI, Georgien/USA/Katar/ Niederlande 2017, Regie: Rati Oneli), über die zur Geisterstadt gewordenen Bergarbeitersiedlung Chiatura in Westgeorgien, wurde mit dem Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt (4.000 EUR) gekrönt und „erfasst die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und Schönheit eines Orts und seiner Einwohner trotz der Farblosigkeit der Stadt, des Jahres und des Jahrhunderts“.

Lob für Ulrich-Mathes-Film

Die Jury würdigte mit einer lobenden Erwähnung zudem das lettisch-litauische Kriegsdrama IM EXIL (PELNU SANATORIJA, 2016, Regie: Dāvis Sīmanis) mit Ulrich Matthes, der am Sonntag den Film persönlich in Wiesbaden vorgestellt hatte, in der Hauptrolle sowie Hana Jušić’ virtuoses Spielfilmdebüt GLOTZ NICHT AUF MEINEN TELLER (NE GLEDAJ MI U PIJAT, Kroatien 2016). Nana & Simons MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE wurde ebenfalls mit dem von der internationalen FIPRESCI-Jury vergebenen Preis der Internationalen Filmkritik für den Besten Spielfilm ausgezeichnet. Der Preis der Internationalen Filmkritik für den Besten Dokumentarfilm ging an Ivan Ramljaks KINOINSELN (KINO OTOK, Kroatien 2016), der cineastische Herzen höher schlagen lässt und „mit wenigen Mitteln und einem minimalistischen Stil wunderbar zeigt, wie das Kino Teil der natürlichen Landschaft ist.“

Berührend auf aufrüttelnd

Der Frankfurter Künstler Aleksandar Radan gewann in dem von der BHF-BANK-Stiftung geförderten Wettbewerb für Experimentalfilm und Videokunst den Open Frame Award in Höhe von 5.000 Euro für IN BETWEEN IDENTITIES, in dem das Publikum fast voyeuristisch Spielcharaktere in einer virtuellen Welt betrachtet. Eine lobende Erwähnung erhielt EXILE EXOTIC (Großbritannien/Russland 2015, Regie: Sasha Litvintseva), der vom Rand eines Pools aus die exotischen Anfänge des Exils der Filmemacherin erzählt. Das Projekt GILGAMESH 4000 (Russland) von Nick Teplov erhielt den vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ausgelobten goEast Development Award (3.500 EUR) für das beste Pitching beim East-West Talent Lab. „Nick Teplov schafft mit bestechenden Bildern aus unterschiedlichen Kontinenten ein vielschichtiges und kraftvolles Filmgedicht. GILGAMESH 4000 hat das Potenzial, ein ebenso berührender wie aufrüttelnder Film zu werden,“ begründete die Jury. Außerdem sprach die Jury eine lobende Erwähnung für PARALLELS IN THE INFINITY von der Ungarin Borbála Nagy aus.

Nachwuchs-Tandems werden 2018 mit Weltpremieren zu goEast zurückkehren

Beim Nachwuchsprojekt OPPOSE OTHERING!, das sich den Ausprägungen gruppenbezogener Ausgrenzung von Menschen widmet, wurden von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) fünf Regie-Tandems mit Produktionspreisgeldern in Höhe von je 4.000 Euro ausgestattet. Die Preisträger sind Oksana Kazmina (Ukraine) und Maxim Cirlan (Moldawien) mit dem Projekt ANTIGONA, Miona Bogović (Serbien/ Deutschland) und Ana Hoffner (Österreich) mit THE OTHER ZENIT, Zhanna Ozirna (Ukraine) und Aurelia Natalini (Deutschland) mit BOND, Ion Gnatiuc (Rumänien) und Artiom Zavadovschi (Moldawien) mit FACE TO FACE, sowie Andreas Boschmann (Deutschland) und Aleksandra Medianikova (Russland) mit DOMASHNEE VIDEO. Die Tandems kehren 2018 zu goEast zurück und präsentieren dann die Weltpremieren der fertiggestellten Filme.

Prominente Ehrengäste

Zu den Höhepunkten gehörten die Besuche der international gefeierten Filmemacherinnen Agnieszka Holland, Lana Gogoberidze und Márta Mészáros, der die diesjährige Hommage gewidmet war sowie der bewegende Auftritt des 98-jährigen legendären Filmproduzenten Artur „Atze“ Brauner mit seiner Familie (Foto (c) Sven-Helge Czichy) anlässlich der Weltpremiere von MARINA, MABUSE UND MORITURI – 70 JAHRE DEUTSCHER NACHKRIEGSFILM IM SPIEGEL DER CCC. Auf großes Interesse seitens des (Fach-)Publikums stieß das Symposium mit Titel „Feministisch wider Willen – Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa“. (dif)