
Natur erleben, lernen und dabei ein Team werden. Ein Nachhaltiges Bildungsprojekt mit Schulklassen auf Schloss Freudenberg.
Die Gewindestange ist lang, die Mutter muss darauf geschraubt werden, damit die Baumstämme zusammenhalten. Das dauert – und wird rein mit Muskelkraft bewältigt. Macht aber gar nichts: Denn Teamwork macht’s möglich. Unten hält jemand die Stange mit einem riesigen „Engländer“, einem Schraubenschlüssel, fest, damit sich nichts mit dreht.
Hier im Wald bei Schloss Freudenberg entsteht gerade ein Wald-Xylophon. Die Idee stammt von Musiklehrer Noah Tauche, der mit einer 6. Klasse der Alexej-v.-Jawlensky-Schule schon mehrfach auf dem Schloss war. Dahinter steckt ein Projekt, das nachhaltig wirken soll, Spaß macht und der Klasse etwas ganz Anderes bietet. Ziel ist es, Schulklassen anzuregen, in fortlaufenden „Werkstätten“ an ihrem eigenen Projekt zu arbeiten.
Lernen jenseits des Klassenzimmers
Angesprochen wurden zunächst drei Schulen aus der unmittelbaren Umgebung: die Grundschulen in Frauenstein und im Schelmengraben sowie die Jawlensky-Gesamtschule. Die Grundschulen schicken jeweils vier, die Gesamtschule zwei Klassen regelmäßig über einen Zeitraum von anderthalb Jahren in die „Werkstätten“. Betreut wird das Projekt von Anette Keitz, wissenschaftlich evaluiert von Prof. Matthias Witte von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
„Wir nehmen in unserer täglichen Arbeit mit pädagogischen Gruppen eine immer größer werdende Entfremdung der Kinder und Jugendlichen untereinander, aber auch von ihrer Mitwelt wahr. Doch das Geld bei den Schulen und den Eltern ist knapp, die Lehrerinnen und Lehrer stellen Überlastungsanträge,“ erklärt Keitz. Ein Ausflug zu außerschulischen Lernorten sei immer schwieriger realisierbar. Auch Stadt und Land würden immer wieder auf knappe Kassen verweisen und streichen Förderprojekte und Unterstützungsangebote, so die Projektleiterin. „Wir leben in Zeiten, in denen wir kreativ werden müssen, in denen die Kunst mehr denn je gebraucht wird – auch die Kunst der Verwaltung. Das wirft Zukunftsfragen auf, auch an die Politik. Das war der Ausgangspunkt für ‚Bildung, die nachhallt‘“, sagt Anette Keitz. Für die Pilotphase wurden Sponsoren gesucht – und gefunden. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 80.000 Euro.

Unterstützung für ein Projekt mit Zukunft
Unterstützt wird die Arbeit durch die „Software AG-Stiftung“, die Wiesbadener „PIENSA!-Stiftung für Naturschutz und Naturbildung“ sowie durch einen Eigenanteil der „Gesellschaft Natur & Kunst e.V.“. Das Projekt ist zudem Teil der „World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026“. Die World Design Capital 2026 ist ein internationales Themenjahr, in dem die Region Frankfurt und Rhein-Main Design gezielt nutzt, um mit Projekten aus Kultur, Bildung und Stadtentwicklung nachhaltige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Teamwork statt Tablet
Die Schülerinnen und Schüler stellen sich geschickt an. Tom Karcher, beim Schloss nach eigener Aussage zuständig für „Wald und Feuer“, berichtet von echten Lerneffekten: „Sie mussten gemeinsam schwere Baumstämme transportieren. Das hat am Anfang noch nicht so gut funktioniert, aber dann konnte man richtig beobachten, wie sie herausgefunden haben, wie es am besten und am einfachsten geht.“
Auch der Umgang mit den Werkzeugen – alles Handbetrieb, keine Motorsägen oder Akkuschrauber – war zunächst ungewohnt. Mittlerweile haben die Kinder Routine, wie man beobachten kann.
Ein Instrument, das bleibt
Drei Mädchen schrauben konzentriert an zwei Böcken. Es sollen später verschiedene Hölzer aufgehängt werden, die man anschlagen kann, um unterschiedliche Töne zu erzeugen. Zusätzlich werden Baumstämme ausgehöhlt, die zu Trommeln werden. Das Instrument wird Teil des Erfahrungsfeldes der Sinne; im Schloss und im Park gibt es zahlreiche ähnliche Objekte.
Das Xylophon wird bleiben – und die Heranwachsenden daran erinnern, dass sie selbst ein großes Projekt gestemmt haben.
Der Wunsch nach mehr
Das Team wünscht sich, dass das Projekt ausgeweitet und verstetigt wird – etwa so, dass es über die gesamte Grundschulzeit andauern kann. Dafür werden jedoch weitere Sponsoren benötigt. Entsprechend ist man derzeit intensiv auf der Suche. „Wir würden das gerne flächendeckend anbieten“, sagt Pädagoge Silas Bug vom Schloss Freudenberg.
Text & Bilder von Anja Baumgart-Pietsch
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