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Schweben in James Bond-Kulisse

Text und Fotos: Katrin Fiederling

In Wiesbaden gibt es viele Orte, innen und außen, an denen man sich dem Wasservergnügen hingeben kann. Das Thermalbad im Hotel Bären fällt aus dem Rahmen, denn hier steht die Zeit still.

Seit den Siebzigern hat es hier keine erkennbaren Versuche gegeben, etwas zu verändern. In Zeiten der Kuraufenthalte und heute als altmodisch abgetanen Heilmethoden suchte man hier Linderung im heißen mineralischen Wasser – auf Rezept gibt es immer noch Massagen und Lymphdrainagen vom hauseigenen Masseur. Jedem Hauch von heutigem Wellness- und Spawahn hat dieses Bad getrotzt, und es ist ein Abenteuer, dort einzutauchen. 

Nach dem Erwerb der Eintrittskarte beim Hotelportier (6.50 Euro für zwei Stunden) betritt der Gast durch eine Glastür einen großen Raum und wird von wohliger Hitze empfangen. In einer der Umkleidekabinen mit Blümchenvorhang schlüpft man in den Badeanzug, sucht sich eine Liege, deponiert Handtuch, Literatur, Creme und Außenwelt und schreitet zum Wasserbecken ( 7×7 Meter). Dieses, von einer hohen Plexiglaskuppel überspannt, ist gefüllt mit dunkelbraunem Wasser. Keine Sorge: es enthält noch die Schwebstoffe der hauseigenen Thermalquelle, deshalb die ungewöhnliche Farbe. Das erste Eintauchen über die Treppe ist dennoch etwas unheimlich. Wenn man aber gemerkt hat, dass kein Seeungeheuer unter der Oberfläche haust, schwimmt man wie schwerelos im Kreis – nicht länger als 20 Minuten am Stück, das wird am Beckenrand empfohlen. 

Zwischen den Schwimmrunden liegt es sich sehr entspannend auf der Liege, und die glucksenden Geräusche des Wasserüberlaufs lullen den im Frottier Ruhenden ein.

Wenn man alleine im Bad ist, was gut vorkommen kann, fühlt man sich ein wenig wie in der Kulisse eines James Bond-Filmes, eines älteren, wohlgemerkt. Die Fantasie kann ihren Lauf nehmen – und wird weiter beflügelt, wenn man vor dem Besuch des Bades die Webseite des Hotels besucht hat.

Dort nämlich stehen nicht nur alle Informationen und die sehr interessante Geschichte des Hotels, sondern man findet auch Originalabbildungen aus dem Gästebuch, in dem sich über die Jahrzehnte einige große Namen angesammelt haben. Es schwimmt sich noch besser, wenn man weiß,  dass illustre Gäste wie Goethe, Heinz Rühmann, Hans Albers, Zsa Zsa Gábor (“We had a wonderful dinner, I hope to come back soon, sincerely“ schrieb sie am 30.9.1954, nach dem letzten Drehtag von „Ball der Nationen), Gerd Fröbe (“Nach 11 Wochen im ‘Bären’ kann ich wirklich behaupten, dass es in Wiesbaden nur ein Hotel gibt: Hotel Bären! Immer wieder. Ihr Gerd Fröbe”)  und andere hier schon badeten.  

Jeder Thermalbadfan, der Mut zum Besonderen hat, sollte dieses Bad einmal ausprobieren.

http://www.baeren-hotel.de/

Außergewöhnliches Vergnügen beim Schweben in Rückenlage ist vorprogrammiert.

 

Ein Kommentar “Schweben in James Bond-Kulisse

  1. Oh ja, das kann ich nur bestätigen. Wenigstens einmal muss man dieses Erlebnis gemacht haben. Insbesondere als Wiesbadener. Warm. Sehr warm…sehr anders. Sehr dunkel.

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