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sensor-Straßengespräch: Herbert Cartus, Erzieher und Wellritzstraßen-Kenner, 56 Jahre

Interview und Foto: Maximilian Wegener.

Wir sind hier in der neuen Fußgängerzone Wellritzstraße. Was haben Sie da auf dem Tablett?

Das sind „Elefantenohren“. Eine ältere afghanische Dame aus dem Seniorenzentrum hier in der Straße hat gestern welche gemacht, und es waren viele übrig. Ich dachte, es wäre doch nett, die hier zu verteilen.

Liegt Ihnen die Wellritzstraße sehr am Herzen?

Das kann man sagen. Ich bin schon sehr lange hier, und ich finde es schade, dass diese Straße in Wiesbaden und weit darüber hinaus so einen schlechten Ruf genießt. Egal, wie dieser Rapper Eno es in seinen Texten darstellt – die Wellritzstraße ist mehr als das. Und deutlich besser als ihr Ruf.

Woher kommt der schlechte Ruf der Straße?

Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Aber da sind viele Vorurteile im Spiel. Viele, die schlecht über die Straße reden, waren selbst überhaupt noch nicht hier. Und viele, die dann mal her kommen, sind positiv überrascht, weil es hier überhaupt nicht so schlimm ist, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Die Wellritzstraße ist also kein Problembezirk?

Hier leben Menschen aus rund hundert verschiedenen Nationen in einem der am dichtesten besiedelten Viertel der Stadt – natürlich entstehen da Konflikte. Und natürlich gibt es beispielsweise ein paar Jungs, die mit ihren Autos rumposen. Aber mal im Ernst – muss man sich da ausgerechnet in einem Autofahrer-Land wie Deutschland dermaßen drüber aufregen?

Wie stehen Sie zur neuen Fußgängerzone?

Ich begrüße das sehr und hoffe, dass der Versuch Erfolg hat. Viele Anwohner und ich auch sehen darin eine Chance für die Straße und das Viertel. Ohne die Autos entsteht hier einfach viel mehr Freiraum, auch und gerade für die Kinder.

 

 

 

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