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So wohnt Wiesbaden: Ab vom Schuss – Peter Emmel, Kellerskopf

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Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

„Hier oben ist einfach tolle Luft“, schwärmt Peter Emmel von seinem Wohnort, der in 474 m Höhe mitten im Wald liegt. Seit zweieinhalb Jahren wohnt er jetzt schon auf dem Kellerskopf bei Naurod und möchte dort gar nicht mehr weg. Durch den Haupteingang des „Berggasthofes Kellerskopf“, den sein Bruder Rainer betreibt, führt uns der sympathische Hausherr in seine Wohnung im ersten Stock. Lichtdurchflutete 100 Quadratmeter und traumhafte Ausblicke in alle Richtungen aus jedem der vielen Fenster begeistern jeden Besucher. Das Licht, die Ruhe und dass es kaum Fluglärm gibt, schätzt Emmel besonders an seiner Wohnlage. Lediglich in der Hochzeitssaison von Mai bis September, wenn jedes Wochenende Trauungen im hauseigenen Standesamt mit anschließenden Feiern im Berggasthof stattfinden, muss Peter Emmel im Gästezimmer auf der Rückseite schlafen, gesteht er schmunzelnd. „Aber dafür habe ich keine Nachbarn“, betont er nochmals die Vorzüge des abgelegenen Wohnens und bläst am offenen Fenster zu Demonstrationszwecken mit einem alten Jagdhorn in die Stille des Waldes. Schließlich stört er damit ja niemanden.

Am liebsten sitzt Peter Emmel auf einem Barhocker an seinem Tresentisch vorm Wohnzimmerfenster. Dort hört er Musik, entspannt beim Lesen und genießt gleichzeitig die schöne Aussicht: „Ich sitze hier regelrecht wie auf einem Thron, gucke raus und sehe die Lichter von Wiesbaden und Mainz.“ Das gemütliche Wohnzimmer hat der passionierte Südostasienfan unter anderem mit Reisesouvenirs und alten Erbstücken dekoriert. Überall gibt es etwas zu entdecken: etwa den alten Münzfernsprecher auf der Fensterbank, einen Gipstorso mit Hut oder die alte philippinische Machete. Ein Highlight sind das Paar alte Kinderski, die er in seinem Elternhaus auf dem Speicher gefunden hat, und die nun auf einem alten Holzfass links und rechts drapiert neben einem Drachen-Springbrunnen liegen. Neben Familien- und Urlaubsfotos sorgen die kunterbunten Gemälde von Peter Emmels Freund, dem Göttinger Künstler Georg „Plotter“ Koppenwallner, die überall in der Wohnung an den Wänden zu finden sind, für Farbe. Und im Schlafzimmer erinnern ein paar alte Cowboystiefel neben einer Pferdestatue an die Zeiten, als Emmel noch geritten ist.

Mit Elektrofahrrad in die Stadt

Trotz seiner Schwärmerei für das Idyll verschweigt Emmel nicht die Nachteile des Wohnens fernab vom Schuss. Unter anderem findet er, dass die Abgeschiedenheit zum Beispiel Kindern im Teenageralter nicht zuzumuten ist. „Die wollen dann einfach in die Stadt“, sagt er. Zudem müssten schulpflichtige Kinder immer zur Bushaltestelle gefahren und von dort wieder abgeholt werden. Er selbst fährt häufig mit dem Elektrofahrrad in sein Büro am Wiesbadener Hauptbahnhof: 30 Minuten dauert die Hinfahrt und 45 Minuten die Rückfahrt. Und außerdem sei das Alleinewohnen nichts für ängstliche Menschen, so der herzliche Gastgeber weiter. Dennoch kann von Einsamkeit keine Rede sein. Schließlich ist der Berggasthof fast ganzjährig in Betrieb, und das eine oder andere bekannte Gesicht findet er immer unter den Gästen. Selbst kochen muss Peter Emmel übrigens nicht oft: Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, lässt er sich gerne von den Köchen des Berggasthofes zu kulinarischen Köstlichkeiten verführen, und am Wochenende lässt er sich mit einem Spezialfrühstück aus der Küche verwöhnen. Eine weitere Spezialität des Hauses ist der Emmel-Apfelwein aus der hauseigenen Apfelweinkelterei in Bierstadt. Uns lädt Peter Emmel spontan zu einer Verkostung mit hauseigenem Apfelsaft ein. Lecker! Wenn der Apfelwein nur halb so gut schmeckt, darf man sich schon auf die Apfelweinsaison freuen.

Der grandiose Ausblick bietet sich übrigens nicht nur dem Bewohner, sondern auch allen Besuchern des Berggasthofes. Und der 20 Meter hohe und über 100 Jahre alte Aussichtsturm bietet während der Öffnungszeiten des Restaurants die Möglichkeit, den Blick über die ganze Region schweifen zu lassen.

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