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Kiezkaufhaus stellt Betrieb ein: „Nicht genug Kunden“ – Zäsur soll Neuerfindung dienen / Kritik an der Stadt

„Wir hatten einfach nicht genug Kunden“, sagt Karina Bareis, Projektleiterin beim „lokal liefern lassen“-Angebot Kiezkaufhaus Wiesbaden. Deshalb wird das Kiezkaufhaus Wiesbaden am 31.
Januar „den Betrieb vorübergehend einstellen“, wurde heute mitgeteilt. Mehr als 800 registrierte Kunden, tausende gelieferte Produkte, über 20 gewonnene Awards und großes überregionales Presse-Echo sind der Erfolg einer Idee, deren Basis die Frage ist: „Wie kann die regionale Kreislaufwirtschaft gefördert werden? Sprich, wie kann der lokale Einzelhandel am Onlinegeschäft teilhaben, auch ohne eigene Warenwirtschaftssystem.“Um schwarze Zahlen zu schreiben, hätte das Kiezkaufhaus nach eigenen Angaben 40 Bestellungen am Tag gebraucht. Im Schnitt wurden aber täglich nur ca. 10-15 Bestellungen ausgeliefert.„Wir wurden fälschlicherweise als ein weiterer Marktplayer wahrgenommen und nicht als Förderer eines alternativen urbanen Lebens in Wiesbaden. Hier hätten wir uns zum Beispiel auch von Seiten der Stadt mehr Unterstützung gewünscht“, so Projektleiterin Bareis.

Kiezkaufhaus-Gründer Michal Volkmer sieht das ähnlich: „Meine feste Überzeugung ist es, dass eine Stadt bzw. ein Land die digitale Infrastruktur bereitstellen muss, wenn sie künftig die Innenstädte am Leben erhalten will und das Geschäft nicht vollkommen Firmen wie Amazon, Zalando & Co. überlassen will“.

Lokalen Einzelhandel in Online-Zukunft integrieren

An die Idee glaubt man beim Kiezkaufhaus nach wie vor: „Wie man sich vor 15 Jahren nicht vorstellen konnte, Schuhe, T-Shirts und andere Kleidung online zu kaufen, so ist es heute für viele Menschen noch undenkbar, Lebensmittel, Obstund Gemüse nicht selbst ausgesucht zu haben. Sehr wahrscheinlich wird es aber so kommen.“ Umso wichtiger sei es, dass dabei der lokale Einzelhandel integriert werde und die Waren eben nicht aus Hochregallagern(aus Frachtzentren) mit dem LKW in die Innenstädte, sondern in Pfandtaschen ohne Umverpackung mit Cargo-Bikes an die Haustüre geliefert werden. 

„Das Konzept kam gut an – und muss jetzt doch eine Pause einlegen“, lautet das Kiezkaufhaus-Fazit. Das Kiezkaufhaus Wiesbaden – entwickelt und umgesetzt vom Nachhaltigkeitsteam der Kreativagentur Scholz & Volkmer – pausiere nun, um Kräfte zu sammeln und sich neu zu erfinden.

Website bleibt als digitales Schaufenster bestehen

Die Website bleibt bestehen und die Produkte der Wiesbadener Händler können dort in einem digitalen Schaufenster eingesehen, aber eben nicht mehr direkt bestellt werden. Für andere Kommunen bestehe weiterhin die Möglichkeit, die Software zu nutzen. So wie es beispielsweise in Bad Honnef der Fall ist.

„Die gute Nachricht: Unsere Fahrer bleiben beschäftigt“, heißt es: „Mit dem nebenher eingeführten „Kiezkurier“-Dienst können täglich CO2-neutral Waren, Briefe und eilige Sendungen im Stadtgebiet von A nach B transportiert werden. Viele Anwaltsbüros, Ämter und weitere Unternehmen nutzen diesen Service bereits.“ Anfragen unter 0611/18099180. (dif/Foto Rainer Eidemüller)

Die sensor-Geschäft des Monats-Reportage über das Kiezkaufhaus findet ihr hier.

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