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So wohnt Wiesbaden: Bettchen, wechsel dich – Eine Bachelorarbeit, die verbindet: WG-Tausch auf Zeit

_MG_3735Von André Werner. Fotos Michael Zellmer.

Freundschaft, den eigenen Horizont erweitern, neue Leute kennenlernen – damit beschäftigt sich ein spannendes Projekt im Rahmen einer Bachelorthesis an der Hochschule RheinMain. Die beiden Kommunikationsdesignerinnen Sandra Dernbach und Maike Kopton suchen unter dem Titel „KUCKUK“ Menschen, die bereit sind für eine Nacht, ein Wochenende oder sogar eine ganze Woche mit einer vorher fremden Person die Wohngemeinschaft zu tauschen.

Raus aus dem eigenen Dunstkreis
Klingt nach ewig gestriger Hippie-Kommunen-Träumerei, ist aber direkt am Puls der Zeit orientiert. Denn, mal ehrlich: Man lebt in einer Stadt, studiert, arbeitet und hat in der Regel relativ schnell das aufgebaut, was man als „seinen Dunstkreis“ bezeichnen könnte. BWler hängen mit anderen BWLern rum, Kommunikationsdesigner mit anderen Kommunikationsdesignern undsoweiter und sofort. Irgendwie hat jeder so sein Grüppchen. Dabei könnte es ja durchaus auch mal interessant sein, diese Gruppen zu vermischen. Aber wenn nicht gerade der Mitbewohner aus einem anderen Umfeld kommt, wird es schon schwierig. Bis jetzt. „Unser WG-Tauschkonzept `KUCKUK´ bietet einen persönlichen und authentischen Rahmen, um in der eigen Stadt neue Leute kennenzulernen und zu netzwerken“, so Kopton und Dernbach im Vorwort ihrer Arbeit.

Initiatorin tauscht mit
Viele der Tauschgeschichten stehen noch aus, aber eine hat Sandra ganz persönlich erlebt. Ihr Tauschpartner hieß Gregor. Die beiden kannten sich vorher noch nicht, die Verbindung bestand allerdings um eine Ecke, da Maike mit Gregor befreundet ist. Ein Tauschzeitraum wurde verabredet, und dann war es soweit. Sandra packte ihren Koffer für ein Wochenende in der eigenen Stadt, aber trotzdem in der Fremde. „Als ich in der WG ankam, war erst mal keiner da und ich hatte ein bisschen Zeit mich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Nach und nach kamen dann die einzelnen Mitbewohner nach Hause, und ich war ziemlich erleichtert, dass die auch so gespannt waren wie ich.“ erzählt uns Sandra. Das habe sich aber ziemlich schnell gelegt: „Bei einem Glas Wein kamen wir ins Gespräch. Nachdem die Standardfloskeln wie Studium und eigentlicher Wohnort geklärt waren, kamen dann auch schnell tiefere Themen aufs Tablett. Lauter Sachen, über die ich ansonsten mit meinen Freunden nicht wirklich viel rede, weil wir da alle eine ziemlich gleiche Einstellung vertreten und das auch voneinander wissen.“

Nach einem schönen Abend zog sich Sandra dann zurück, allerdings nicht in ihr Zimmer, sondern in Gregors Zimmer.  Der machte es ihr aber leicht, sich wohlzufühlen. „Das Zimmer war ordentlich und sauber, aber trotzdem authentisch, also kein lebloses Gästezimmer. Frische Bettwäsche und Handtücher lagen auf dem Bett und Gregor hatte mir sogar noch einen Besucher-Account auf seinem Computer eingerichtet“ beschreibt Sandra das Zimmer.

Die Nacht verbrachte Sandra dann in Gregors Bett, allerdings ohne Gregor. Der hatte es sich in Sandras WG bequem gemacht und den Abend mit ihren Mitbewohnern Clara und Andy verbracht.

Beim Kochen war das Eis schnell gebrochen
Auch für die Mitglieder von Sandras eigentlicher WG war das Experiment eine interessante Erfahrung. „Als ich zur Tür reinkam, war es schon komisch, jemand anderes in Sandras Zimmer zu sehen“, erzählt uns deren Mitbewohnerin Clara: „Aber wir haben dann einfach zusammen gekocht und gegessen, und nach relativ kurzer Zeit war das Eis gebrochen.“ WG-Mitbewohner Andy musste relativ früh ins Bett, weil er am nächsten Tag beim Wiesbadener Street Food Festival arbeiten musste. Das war dann aber natürlich ein willkommenes Ausflugsziel für Clara und Gregor, um den Tag miteinander zu verbringen. Nach dem Essen hatte Gregor noch einen ganz besonderen Vorschlag für Clara. „Er macht die ganzen Filmsachen sowie den Internetauftritt für eine Band aus Wiesbaden, also sind wir nach dem Essen noch in ein Tonstudio gefahren. Da haben wir die Band getroffen, und er hat mir ein bisschen was von seiner Welt gezeigt. Das war schon toll!“ Am Ende verabschiedete man sich voneinander mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften im Gepäck.

Zurzeit ist das Ganze noch ein reines Projekt für die Bachelorthesis von Maike und Sandra. Aber wer weiß, vielleicht wird daraus mehr.

Wer jetzt sagt „ICH WILL AUCH TAUSCHEN“, kann sich noch bis Ende November unter kontakt@kuckuk.me   bei den Beiden melden.

 

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