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So wohnt Wiesbaden: Brigitte und Karl Meier – Domizil mit Ritterschlag

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Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Eigentlich fing alles 1954 im Luna-Theater in der Schwalbacher Straße an. Dort sah der damals 13-jährige Karl Meier eine Vorführung des Films „Prinz Eisenherz“ mit Robert Wagner in der Hauptrolle. Von diesem Tag an sollte ihn die Faszination für das Mittelalter nicht mehr loslassen. Dennoch dauerte es mehrere Jahrzehnte, bis Meier seiner Leidenschaft für Ritter und Burgen gänzlich nachgeben konnte. Denn erst beim gemeinsamen Besuch eines mittelalterlichen Marktes vor 20 Jahren gelang es ihm, seine Ehefrau Brigitte für seine Leidenschaft zu begeistern. „Er hat mich mit der Liebe zum Mittelalter angesteckt“, erklärt Brigitte Meier schmunzelnd. „Sie ist zu 80 Prozent infiziert“, fügt ihr Mann hinzu. Erst am Ende der Wohnungsbesichtigung tritt zutage, was mit den verbliebenen 20 Prozent  geschah.

So betritt man beim Besuch der Meiers nicht einfach nur eine Wohnung, sondern eine andere Welt. Wer in diese Wohnung reinkommt, kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr raus. Von der urigen Küche bis zur Toilettentür im Kerkerstil hat Meier alles mit viel Aufwand und Liebe zum Detail im gotischen Stil hergerichtet. Die Um- und Ausbauten in der Wohnung stammen allesamt von ihm, den größten Teil des Mobiliars hat er ebenfalls selbst entworfen und gebaut. Lediglich bei der farblichen Wandgestaltung nahm der Hausherr fremde Hilfe in Anspruch – er ist nämlich farbenblind. Seinem Handicap ist es geschuldet, dass Meier zumindest beruflich aus seinem Talent kein Kapital schlagen konnte: „Außerdem möchte ich das nur zum Vergnügen machen. Wenn’s Arbeit ist, macht’s doch keinen Spaß“. Der ehemals selbstständige Glasreiniger ist übrigens Autodidakt.

Recycling auf gotisch

Beim Rundgang durch die 100 qm große Eigentumswohnung trifft man überall auf die Zeugnisse großen Einfallsreichtums. Die Schalterleiste der Waschmaschine hat der Hausherr kurzerhand mit einem Stück selbst gestricktem Kettenhemd verdeckt. Das dazu verwendete Material stammt von Reinigungsbügeln, die er zunächst gerade biegt, dann erhitzt und schließlich in kleine Ringe formt, um sie nach Bedarf weiterzuverarbeiten. Als Beschläge für Türen und Schatullen entfremdet er Kronkorken. Besonders stolz ist Meier auf das Geländer seiner gotischen Treppe im Wohnzimmer, über die der Burgherr und seine -dame bequem die Bücherwand erreichen können. „Das Schwierigste war die runde gotische Treppe. Bis ich die Idee hatte, alte Bürostuhllehnen zum Geländer umzufunktionieren“, erinnert sich der rüstige Rentner. Das soll wirklich das Schwierigste gewesen sein? Alleine angesichts der unglaublichen Bogenkonstellation im Wohnzimmer ist das unfassbar. Vom selbstgebauten Sekretär und dem doppelten gotischen Bogen, durch den der Waffensaal betreten wird, ganz zu schweigen. Neben allerhand Schwertern und Rüstungen beherbergt der Waffensaal auch die große Tafel, an der die Meiers oft ihre Gäste bewirten – und das nicht nur mit ritterlichen Speisen.

 

Stilbruch aus 1001 Nacht

Im Schlafzimmer folgt dann die nächste Überraschung: Der Raum ist bis ins kleinste Detail im ägyptischen Stil gehalten. Wie kam es dazu? „Ich habe früher gerne Bauchtanz gemacht und deshalb wollte ich ein orientalisches Zimmer haben. Da haben wir uns eben auf Ägypten geeinigt“, erklärt Brigitte Meier den unerwarteten Stilbruch. Bei der Gestaltung des Schlafgemachs ging den Eheleuten ein Restaurator zur Hand. „Er kannte sich mit Ägypten einfach besser aus“, gesteht der „Ritter aus Leidenschaft“ schmunzelnd. Die Möbel und dazugehörigen Details wie Reliefs und Türgriffe hat er natürlich trotzdem selbst hergestellt. Das ist für Meier nach eigenem Bekunden entspannend. Ebenso wie die Arbeit an seinen vielen Miniaturschwertern und -äxten  sowie kleinen Schatullen und Ruinen nach mittelalterlichem Vorbild. „Wenn andere in die Kneipe gehen, mache ich eben solche Sachen“, sagt Meier.

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