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„Unrecht und Willkür nie Platz geben“: Staatstheater erklärt sich zu Maifestspiele-Gastspiel von Anna Netrebko

Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg auf der Bühne, auf die er Opernstar Anna Netrebko für die Internationalen Maifestspiele 2023 eingeladen hat. Eine Entscheidung, die für Wirbel in der Stadt- und Landespolitik sorgt. Foto: De Da Productions

Wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Protest-Statements von Stadt Wiesbaden und Land Hessen erklärt sich das Staatstheater Wiesbaden zum geplanten Gastspiel von Opernstar Anna Netrebko bei den Maifestspielen 2023.

Ohne explizite Bezugnahme auf die Vorwürfe der Wiesbadener Stadtspitze und der Hessischen Landesregierung, ist die unter der Überschrift „Ausblick auf die Internationalen Maifestspiele 2023“ versandte Pressemitteilung doch als direkte Reaktion darauf zu verstehen.

„Das Thema der Internationalen Maifestspiele 2023 sind politisch Gefangene“, wird der Information vorangestellt: Anna Netrebko wird am 5. und 7. Mai 2023 bei den Internationalen Maifestspielen in der Landeshauptstadt Wiesbaden ihr Debüt als Abigaille in Giuseppe Verdis Oper »Nabucco« geben. Die Titelfigur verkörpere Željko Lučić, am Pult stehe Michael Güttler, der gerade sein Debüt an der Mailänder Scala gibt, die weiteren Partien singen Ioan Hotea, Young Doo Park und Silvia Hauer.

„Wir in der westlichen Welt, die wir gerade erleben, wie unsere Freiheit in der Ukraine leider auch mit Waffen und Menschenleben verteidigt werden muss,
dürfen nie Künstler und Menschen ausschließen, die zu uns gehören und die wir für den Kampf gegen Unrechtsregimes, wie das von Vladimir Putin, dringend
auf unserer Seite brauchen“, steht in der Pressemitteilung ohne Anführungszeichen, also nicht als explizites Zitat des Staatstheater-Intendanten und Künstlerischen Leiters der Maifestspiele. Und weiter: „In unserem gemeinsamen Kampf gegen Unrecht und Willkür sollten uns alle russischen Menschen ebenso selbstverständlich willkommen sein wie auch alle ukrainischen Menschen und diejenigen aller anderen Nationen.“

Die Internationalen Maifestspiele 2023 werden laut Mitteilung eröffnet mit Janáčeks »Die Sache Makropulos« und »Aus einem Totenhaus«. Auch zwei ukrainische Produktionen seien im Rahmen der Festspiele zu Gast in Wiesbaden: am 9. Mai das Taras-Schewtschenko-Theater aus Charkiw mit Camus‘ Schauspiel »Caligula« sowie am 24. Mai das Ukrainische Nationalorchester mit Verdis »Requiem«.

„Die Wiesbadener Maifestspiele sind allen politischen Gefangenen in dieser Welt gewidmet“, so die Mitteilung, „stellvertretend seien genannt: Marina Kalesnikowa, Sergej Tischanowski und Roman Protasewitsch (Belarus), Alexej Nawalny, Ilja Jaschin und Wladimir Kara-Mursa (Russland), Joshua Wong (Hongkong/China), Osman Kavala (Türkei), Nazi Fateme Habibi und Nahid Taghvi (Iran).“

Die Ausführungen münden in dem Statement: „Wir sollten Unrecht und Willkür nie einen Platz geben.“

Der Vorverkauf für die genannten und alle weiteren Vorstellungen der Internationalen Maifestspiele beginnt – nach einer Pressekonferenz mit Vorstellung des kompletten Programms am 13. Februar –  am 17. Februar  um 10.00 Uhr. Weitere Informationen unter www.maifestspiele.de
(dif)

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