| | Kommentare deaktiviert für “Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei”- sensor-Interview mit Walhalla-Wunschinvestor GOP Varieté

“Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei”- sensor-Interview mit Walhalla-Wunschinvestor GOP Varieté

gop_img_geschaeftsfuehrung_rgb

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: GOP.

Seit einigen Wochen wird in Wiesbaden intensiv über die künftige Nutzung des Walhalla diskutiert (auch heute um 17 Uhr im öffentlich tagenden Ausschuss für Schule, Kultur und Städtepartnerschaften im Rathaus). Was sagt eigentlich der bisherige Wunschinvestor der Stadt dazu? Wir haben mit Olaf Stegmann, Geschäftsführer der GOP Entertainment Group (im Bild rechts, mit Werner Buss, künstlerischer Direktor, und Hubertus Grote, Geschäftsführer und Gesellschafter), gesprochen.  Er gab sich im sensor-Interview absolut tiefenentspannt, aber auch entschlossen.

Verfolgen Sie die Diskussionen in Wiesbaden um ihr Vorhaben, mit dem GOP Varieté das Walhalla nach grundlegender Sanierung zu betreiben?

Als wir jetzt kürzlich wieder zum European Youth Circus-Festival in der Stadt waren, haben wir mitbekommen, dass das Thema heiß diskutiert wird.

Es ist nicht ihr erster Anlauf, nach Wiesbaden zu kommen.

Vor circa acht Jahren haben wir uns das Walhalla schon mal angeschaut. Damals hatten wir gerade parallel am Standort München unseren Mietvertrag unterschrieben. Als kleines Familienunternehmen können wir nicht alles gleichzeitig machen. Es gehört zu unserer Philosophie, dass wir an unseren Standorten Teil der Stadt werden möchten und nicht einfach was von der Stange machen. So kam die Sache mit Wiesbaden damals nicht zum Zuge. Wir haben dann lange nicht darüber und miteinander gesprochen. Aber im vergangenen Jahr kam es wieder auf den Tisch.

Wie kam das?

Durch den Architektenwettbewerb zur künftigen Nutzung des Walhalla-Komplexes, bei dem die Idee eines Varietés gewann. Wir haben es uns dann wieder angeschaut, miteinander gesprochen, den Status quo geprüft und kamen zu dem Schluss: Mit der Nutzung der Nebenflächen kann es funktionieren, dass wir diesen wunderwunderschönen Saal bespielen.

Die Rede ist davon, dass Ihr Konzept nur aufgeht, wenn das Walhalla bis in den letzten Winkel mit GOP „gefüllt“ wird. Warum brauchen Sie so viel Platz?

Sie müssen die Abläufe bedenken. Die müssen funktionieren. An den Wochenenden haben wir Doppelshows, insgesamt 420 Vorstellungen im Jahr. Da müssen die Menschen rein und raus und auch außerhalb der Show selbst Platz finden. Wir haben da viel mit dem Architekten rumprobiert. So schön wie es ist, ist es kein „Wünsch dir was“. Und es ist ja kein Neubau, den wir entsprechend unserer Bedürfnisse gestalten können, sondern ein bestehendes Gebäude. Was die reine Fläche angeht, ist zunächst mal sehr viel Platz im Walhalla. Die entscheidende Frage ist, wie wir sie effizient nutzen können. Das ist alles nicht so einfach und funktioniert bestimmt nicht mit irgendeiner Schablone.

Welches ist der Stand der Überlegungen und Absprachen mit der Stadt?

Nach den ersten Gesprächen haben wir uns gegenseitig ein wenig Ruhe gegönnt. Wir haben gerade im September in Bonn ein Haus eröffnet, das unsere höchste Aufmerksamkeit erfordert. Der Architekt hat in der Zwischenzeit an den Walhalla-Plänen weitergearbeitet. Vom Grundsatz her sind wir sicher, dass es funktionieren kann. Aber abschließende Gespräche haben wir noch nicht geführt. Es muss auch wirtschaftlich passen, für uns und für die Stadt. Wir sind ein Kulturunternehmen ohne staatliche Förderung. Da müssen wir noch weitere Gespräche führen.

Sie sprachen davon, dass GOP an seinen Standorten immer Teil der Stadt werden will. Wie meinen Sie das?

Wir haben immer einen Direktor vor Ort. Er ist das Gesicht des Hauses, der in der jeweiligen Stadt in der Regel lebt, dort aktiv ist. Wir können uns nicht vermacdonaldisieren. Das läuft nicht, selbst wenn wir es wollen. Unser Prinzip ist nicht, einfach bauen, aufmachen, spielen. Wir wollen in der Stadt und in der Region präsent sein, aktiv sein und uns vernetzen und uns auf die jeweilige Stadt beziehen.

Sie betreiben derzeit sieben Häuser in ganz Deutschland. Da arbeitet und operiert jedes Theater ganz autark für sich selbst?

Natürlich nutzen wir auch einiges gemeinsam. Es gibt Austausch zwischen den Häusern, einen gemeinsamen Einkauf für den gastronomischen Bereich.

Wie entsteht das künstlerische Programm?

Unsere Künstler und Artisten werden weltweit gecastet von Hannover aus, wo auch die jeweiligen Shows zusammengestellt werden, die aber auch auf die jeweiligen Gegebenheiten und allein schon ganz unterschiedlichen Bühnen abgestimmt werden. Die Grundidee ist, die Shows im Wechsel durch die einzelnen Häuser ziehen zu lassen im Zwei-Monats-Rhythmus.

Und Ihr Publikum schaut sich jede neue Show an?

Wir machen durchaus die Erfahrung, dass es Leute gibt, die sich sechs Shows im Jahr anschauen. In der Regel besuchen sie zwei bis drei, vielleicht auch mal vier Shows im Jahr. Dabei hilft, dass bei uns wirklich die Show im Mittelpunkt steht und, auch wenn wir zusätzlich gute Gastronomie anbieten, nicht so sehr der Koch. Also es läuft nicht nach dem Prinzip, wir haben den Koch und parallel dazu ein bisschen Artistik. Wir legen Wert auf volle Aufmerksamkeit für die Künstler, die sich schließlich voll ins Zeug legen. Wenn ich mich auf mein Schnitzel konzentriere, habe ich die Hände nicht zum Klatschen frei.

Aus welchem Radius wollen Sie Publikum nach Wiesbaden locken?

Wir brauchen immer ein Einzugsgebiet von 1,2 bis 1,3 Millionen Menschen, das können dann ganz unterschiedliche Entfernungen sein. Im Ruhrgebiet ist der Radius logischerweise geringer als in Bad Oeynhausen. Wiesbaden hat ein sehr interessantes Umland, also wir würden da weniger in Richtung Frankfurt denken als an die direkte Umgebung. Wir leben nicht vom Tourismus, sondern direkt aus der Region heraus.

Können Sie uns eine Idee geben, auf welchen Kalkulationsgrundlagen Sie planen in Sachen Miete, Investitionskosten, Besucherzahlen etc.?

Soweit sind wir noch nicht, dass wir über Mieten sprechen können. Wir arbeiten grundsätzlich mit einer Laufzeit von deutlich über zehn Jahren. Wir müssen natürlich erst mal sehen, wie es läuft. Es gibt immer eine Grundmenge von Menschen, die uns schon kennen. Allen anderen müssen wir erst mal erklären, wer wir sind und was wir machen. Das ist nicht wie bei einem Musical, das sich von alleine erklärt. Erfahrungsgemäß brauchen wir in einer neuen Stadt ein bis zwei Jahre, bis wir unser Publikum gefunden haben. Oft sind es die Frauen, die den ersten Schritt machen, um uns kennenzulernen. Wir brauchen 100.000 bis 120.000 Besucher im Jahr.

Wie viele Plätze soll Ihr Varieté im Walhalla haben?

Auch diese Zahl richtet sich immer nach den örtlichen Gegebenheiten. Optimal wären 350 bis 420 Plätze im Theatersaal. Wir müssen darauf achten, dass niemand weiter als 16, 17 Meter von der Bühne entfernt sitzt und alle überall ungehinderte Sicht haben.

Welche Investitionen planen Sie in Wiesbaden?

Die Kosten für die Showtechnik, für Licht und Ton liegen für uns immer bei 1 Million Euro. Alles weitere multipliziert sich mit der Fläche und Größe des Hauses.

Hauptthema der „heißen Diskussionen“ in Wiesbaden ist die Zukunft des Walhalla Theaters, das hier seit 15 Jahren wertvolle Arbeit macht und gerne im Gebäude bleiben will. Ist diese Option gar nicht denkbar für Sie?

Wir sind prinzipiell immer froh, wenn es auch etwas anderes gibt in ähnlicher oder anderer Form. Eine Vielfalt an Angeboten ist immer gut, weil man die Leute insgesamt für das Thema begeistert. Wir wollen niemanden vertreiben. Grundsätzlich sind wir zu allen Schandtaten bereit. Aber es muss für uns Sinn machen. Wir brauchen etwas, um das Ganze wirtschaftlich zu betreiben. Wir werden nicht sehenden Auges wo hingehen, wo es nicht funktioniert. In Wiesbaden ist schon alles sehr anspruchsvoll, auch zum Beispiel mit Blick auf den „New Yorker“ im Komplex. Da haben wir das Thema der Eingangssituation, wo es einfach nicht viele Optionen gibt. Nach den jetzigen Planungen kommen wir gerade so eben hin mit allem.

Wie entschlossen sind Sie, ein GOP Varieté in Wiesbaden zu eröffnen?

Wir nehmen es sehr ernst und machen das nicht aus Jux und Dollerei. Wir haben nun wirklich keine Langeweile, um hier mal und da mal etwas einfach ein bisschen zu probieren. Wir haben schon an mehreren Terminen verhandelt und ein ernstgemeintes Interesse. Über die wirtschaftlichen Rahmendaten müssen wir uns noch einig werden. Noch ist nichts unterschrieben.

Wann setzen Sie sich wieder mit der Stadt zusammen?

Im Moment haben wir gerade Hochsaison. Aber es könnte durchaus noch in diesem Jahr sein.