Barbara Haker stemmt ihr kleines Theater „Emma“ am Blücherplatz weitgehend allein. Eine echte One-Woman-Show. Nach dem Verlust des früheren Domizils im Westend ist sie froh, ganz in der Nähe neue, geeignete Räume gefunden zu haben.
Das ehemalige Bestattungsinstitut bietet tatsächlich gute Voraussetzungen für Theaterworkshops, eigene Produktionen und Gastspiele. Doch Barbara Haker sagt sie ist am Limit: bei der Arbeitsbelastung ebenso wie finanziell.

Foto: Anja Baumgart-Pietsch
Emma-Inhaberin: Ehrenamt allein reicht nicht
„Wir sollen uns stärker auf das Ehrenamt verlassen“, beschreibt sie die Haltung der neuen Stadtregierung. Ehrenamt ist wichtig, dass weiß sie. Deshalb hat Haker beim Freiwilligenzentrum die Sparte „Ehrenamt in der Kultur“ mitbegründet. Erste Anfragen gibt es bereits, ebenso Menschen, die Lust haben, sich schon jetzt einzubringen in der Emma.
„Aber nach Corona sieht es tatsächlich anders aus“, sagt die „Emma“-Macherin. Viele wollten sich nicht mehr langfristig binden, seien weniger verlässlich. „Ich könnte dringend jemanden brauchen, den oder die ich bezahlen kann.“
Das sei aktuell jedoch nicht möglich. Die kommunale Förderung, sowohl institutionell als auch projektbezogen, reiche dafür nicht aus, sagt die Theaterpädagogin. Die Eintrittspreise hat Haker moderat erhöht: Ein reguläres Ticket kostet inzwischen 24,50 Euro. Doch auch das genüge nicht, um die wirtschaftliche Lage entscheidend zu verbessern.
Kurzfristige Buchungen, langfristige Probleme
Inzwischen arbeitet das Theater mit einem Ticketdienstleister zusammen. Damit will Haker verhindern, dass reservierte Karten nicht abgeholt werden. Eine weitere Herausforderung: Viele Gäste buchen ausgesprochen kurzfristig, teilweise erst am Nachmittag der jeweiligen Vorstellung.
„So kann man mit Gastkünstlern schlecht arbeiten“, sagt Haker. Gleichzeitig bleibe ihr immer weniger Zeit für die eigentliche künstlerische Arbeit. „Ich muss ja auch alles Kaufmännische selbst machen.“
Die Auflagen würden laut ihr immer komplizierter, der Aufwand, ein solch kleines Theater am Laufen zu halten, immer größer. Auch baulich gibt es einiges zu tun, um den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. „Wir haben nur eine einzige Toilette auf dem Flur.“
Trotz aller Belastungen hält Haker aber an ihrer Leidenschaft fest: „Es ist immer noch mein Traumberuf. Meine Motivation rührt daher, dass die Leute glücklich aus dem Theater rausgehen und mir sagen, dass sie hier einen schönen Abend erlebt haben.“
Kulturamt: Mehr Förderung, aber keine weitere Aufstockung
Das Kulturamt weist darauf hin, dass der städtische Zuschuss für das Freie Theater „Emma“ seit 2024 kontinuierlich erhöht worden sei. Die Förderung diene vor allem dazu, die Raum- und Sachkosten der Theaterwerkstatt zu finanzieren. Eine darüberhinausgehende Aufstockung für Programm- und Öffentlichkeitsarbeit sei im Haushalt 2026 jedoch nicht möglich gewesen.
Zugleich sieht die Kulturverwaltung das Theater stärker in der Pflicht, zusätzliche Einnahmen zu erschließen: „Anzumerken ist, dass der Eigenfinanzierungsgrad der Einrichtung sich auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt, gleiches gilt für Drittmittel.“ Das Freie Theater müsse daher nach Ansicht des Kulturamts versuchen, seine Einnahmen „durch Vermietungen, Auftritte und andere Maßnahmen zu steigern“.
Zusätzlich erhält das Theater projektbezogene Unterstützung: „Das Freie Theater partizipiert darüber hinaus aus dem Budget des Kulturamtes für Projektförderungen, hier wurden im Jahr 2026 bereits zwei Projekte der Einrichtung unterstützt.“
Winterprogramm in der Emma: Drei Frauen, jeder Abend anders
Eines dieser geförderten Projekte ist das Stück „Mädelsabend“, das am 7. November und 12. Dezember auf dem Programm steht. Drei Frauen treffen sich. „Und hier ist jede Vorstellung anders“, berichtet Barbara Haker. Bei jedem Termin steht ein anderes Leitthema im Mittelpunkt, sodass immer neuer Gesprächs- und Spielstoff entsteht.
Besonders empfiehlt Haker das zweite geförderte Projekt: „Du wirst Kaiserin sein“ ist am 23., 24. und 25. Oktober zu sehen. Haker selbst spielt darin den intimen Monolog der Kaiserin Joséphine. Es ist das dichte, ungewöhnliche Porträt einer Frau ihrer Zeit. Regie führt Jutta Schubert.
Auch Schuberts „Minidramen“ unter dem Titel „Sein oder hier sein“, gespielt von der Emma-Amateurtheatergruppe, stehen im November noch zweimal auf dem Programm.
Geschichte, Gegenwart und ein anderes Weihnachtsmärchen
Im Rahmen der Reihe „Wir in Wiesbaden“ werden am 11. November eine szenische Lesung und ein Film über die Geschichte der Bergkirchengemeinde während der NS-Zeit gezeigt.
Ebenfalls gezeigt wird „Als Maria eine Feministin wurde“, ein „anderes Weihnachtsmärchen“, das in Zusammenarbeit mit dem 3D-Theater entsteht. Ende November und Anfang Dezember sind vier Vorstellungen geplant.
Zu den Gastspielen im November gehört „Romantik und Beton“ mit Kortmann und Konsorten. Am 14. und 15. November verbindet die Produktion romantische Texte mit aktuellen Themen und heutiger Sprache.
Auch Workshops für Kinder und Erwachsene, darunter Angebote im Rahmen des Herbstferienprogramms, runden das Programm der „Emma“ ab.
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