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Der große Test: Kantinen in Wiesbaden – „Essen fassen“ auch für Externe

Vegetarisches und Veganes im Fokus, zubereitet mit frischen regionalen Zutaten und großer Finesse und Einfallsreichtum. Es gibt auch Externe, die am liebsten täglich in der Kantiin zu Mittag essen.

Text und Fotos: Hendrik Jung.

Wenn mittags der Hunger kommt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu nähren. Was viele nicht wissen: Etliche Betriebsrestaurants, Kantinen und Mensen in Wiesbaden stehen auch externen Gästen zur Verfügung. Ein halbes Dutzend von ihnen haben sich dem großen sensor-Kantinentest gestellt. Um eine vergleichbare Ebene zu schaffen und um mit gutem Beispiel voranzugehen, sind dabei ausschließlich vegetarische Gerichte, aber kein Dessert auf den Teller gekommen.

Kantiin, Hochschule Fresenius, Moritzstraße 17a, Mittagessen montags bis samstags ab 11.30 Uhr:

Sie sind angetreten, um einen modernen Mensabetrieb zu schaffen, und das Ergebnis der Akteure aus Heimathafen und Hofköchen ist überzeugend. Das beginnt beim Betreten des noch neuen Restaurants der privaten Hochschule. Hohe Fenster lassen von der Terrassenseite viel Licht in den mit hellen Möbeln bestückten Raum. Das gastronomische Konzept beruht auf der bevorzugten Verwendung frischer, regionaler Produkte, die zu internationalen Gerichten verarbeitet werden. Am Salatbüfett, an dem der kleine Beilagenteller für 2,90 Euro zu haben ist, sind an diesem Tag etwa griechischer Bauernsalat, Linsensalat und ein sensationeller asiatischer Saté-Salat mit Erdnuss-Soße, knackigem Brokkoli und frischem Koriander zu finden. Das auf Wunsch der Studierenden mittlerweile eingeführte, zusätzliche Tiefpreisgericht besteht an diesem Tag aus Krautspätzle (für Externe: 4,90 Euro). Aus optischen Gründen fällt die Wahl jedoch auf das pikant gewürzte Shakshuka (für Externe: 7,50 Euro), das mit seiner fruchtigen Tomatensoße, den Bio-Eiern und dem Nan-Brot ausgesprochen lecker sättigt. Man merkt sofort, dass vegetarische Gerichte hier besonders im Fokus stehen. Ohne den Anteil tierischer Proteine sind die Bowls stets auch in einer veganen Variante zu haben. Die Kantiin-Philosophie wird ebenfalls deutlich durch den Verkauf fair gehandelter Snacks, der Wasserfontäne, an der sich die Gäste kostenfrei bedienen können und dem freitäglichen „Minimal Waste“-Überraschungsmenü.

Restaurant Camera Mensa, Unter den Eichen 5, Haus K, Mittagessen montags bis freitags ab 11.30 Uhr

Man merkt auf den ersten Blick, dass es sich hier nicht nur um eine Mensa für die Studierenden der Hochschule Rhein-Main und eine Kantine für die Unternehmen des Medienparks handelt. Inmitten des Gastraums sprudelt ein Brunnen unter einem Oberlicht, und auf der kleinen Terrasse kann man den Blick auf das parkartige Gelände genießen. Die Auswahl an Speisen ist italienisch geprägt. Neben einer umfangreichen Pizza-Karte gibt es neuerdings auch einzelne Pizza-Stücke für zwei Euro. Unter den Gourmet-Desserts (2,90 Euro) finden sich hausgemachtes Tiramisu und Panna Cotta. Die freundliche Servicekraft hat für Vegetarier an diesem Tag Kartoffelgratin sowie das Tagesgericht mit Nudeln, die wahlweise mit Käse-Kräuter- oder Tomatensoße, die Wahl des Testers, serviert werden (für Externe 5,10 Euro). Die Tomatensauce ist cremig, der Käse würzig, und die Nudeln sind sowohl bissfest als auch zahlreich, so dass man davon durchaus satt wird.

Statistisches Bundesamt, Gustav-Stresemann-Ring 11, Mittagessen montags bis freitags ab 11.30 Uhr:

Wenn man zum ersten Mal in dem stilvoll gestalteten Nebengebäude der Behörde zu Mittag isst, kann es zu Anlaufschwierigkeiten kommen. Unter den getesteten Kantinen ist es nämlich die einzige, in der es unmöglich ist, mit Bargeld zu zahlen. Das sollte man besser wissen, bevor man an der Kasse angekommen ist, sonst ist das Essen unter Umständen kalt, bis man endlich bezahlt hat. Die Automaten, an denen die Gästekarten ausgegeben werden, sind nämlich nicht unbedingt selbsterklärend. Die Servicekräfte jedoch sind trotz großen Andrangs hilfsbereit. Dieser wird auch deshalb gut bewältigt, weil die Ausgabe der Gerichte räumlich gut strukturiert ist und mit viel Personal erfolgt. Außerdem wird an den Selbstbedienungsstationen regelmäßig nachgefüllt. Das vegetarische Angebot ist umfangreich. Neben dem Salatbüfett gibt es eine Auswahl italienischer Antipasti. Außerdem gibt es an diesem Tag Wirsing-Parmesancremesuppe und grüne Tagliatelle mit Hokaido-Kürbis aus dem Wok. Da es gerade erst Nudeln gab, fällt die Wahl leider auf den Vollkornbratling (für Externe: 6,90 Euro). Im Gegensatz zum dazugehörigen Gurkensalat, könnte der besser gewürzt und saftiger sein. Die vegane Kräutermayonnaise macht ihn weder besser noch gesünder. Dafür bietet das Gemüseragout eine bunte Mischung aus Rotkohl, Wirsing, Bohnen und verschiedenen Rüben.

Vitalkantine, Asklepios Paulinen Klinik, Geisenheimer Straße 10, Mittagessen montags bis freitags ab 11.30 Uhr:

Noch ist der Gastraum in der Vitalkantine dreigeteilt in Terrasse, eine dunkel gehaltene Lounge und einen lichtdurchfluteten Bereich. Zumindest im Innenraum soll sich das in näherer Zukunft ändern. Während des geplanten Umbaus werden die Gäste eine Weile auf die frisch zubereiteten Gerichte verzichten müssen, die so international sind, wie die zwanzigköpfige Belegschaft, so dass etwa auch russische und indische Rezepte regelmäßig angeboten werden. Wer möchte, kann sie mitnehmen, sollte dafür nach Möglichkeit aber eigene Behältnisse mitbringen. Nachhaltig auch das verkleinerte Angebot am Freitag, weil kurz vor dem Wochenende erfahrungsgemäß weniger los ist als mittwochs, wenn Schnitzel auf dem Speiseplan steht. Da der Test an einem Freitag erfolgt, ist das Salatbüfett überschaubar. Dennoch sind Besonderheiten wie mariniertes Hähnchenfleisch, getrocknete Tomaten oder dicke Bohnen vertreten. Besonders ist auch der Umgang mit den warmen Speisen. Wer Fleisch oder Fisch auf dem Teller haben möchte, zahlt 5,90 Euro, alle anderen 4,90 Euro. Also bleiben Knusperfisch und Schnitzel sowie Kartoffeln außen vor. Stattdessen kommt der dezent asiatisch gewürzte, lauwarme Glasnudelsalat in den tiefen Pastateller. Ergänzt durch die Röstaromen des angebratenen Weißkohls, die gut gewürzten Champignons und die genauso knackigen Paprikastreifen, die mediterran gehalten sind, ergibt das eine wunderbare Mischung, die nicht nur ausgesprochen lecker sondern auch bestens bekömmlich ist.

Hessisches Wirtschaftsministerium, Landeshaus, Kaiser-Friedrich-Ring 75, Mittagessen montags bis freitags ab 11.30 Uhr:

„Essen in Hessen“ hieß ein Projekt, mit dem Lebensmittelabfälle in Kantinen möglichst vermieden werden sollen. Die Kantine des Wirtschaftsministeriums hat daran teilgenommen und versucht, wenn möglich, Speisen weiter zu verwerten. Außerdem versuche man, viele Produkte frisch zu verarbeiten, weil man aus Gemüseresten Fonds oder Soßen herstellen kann. Bei dem einzigen vegetarischen Gericht, das für den Test zur Auswahl gestanden hat, dürfte es allerdings kaum verwertbare Schnittreste gegeben haben. Denn bei dem Gemüseschnitzel (Einheitspreis: 4,50 Euro) dürfte es sich genauso um ein Tiefkühlprodukt handeln, wie bei den Karotten aus dem Gemüsemix. Immerhin verrät die Speisekarte, dass hier inklusive der Kartoffeln 424 Kilokalorien auf dem Teller liegen. Zuzüglich der eigentlich zur Putenbrust gehörenden Soße aus Dörrobst, die freundlicherweise auf Wunsch dazu gereicht wird. Dabei ist das Gemüseschnitzel in diesem Fall gar nicht so trocken. Nüchtern dagegen die Einrichtung der Kantine, dafür gibt es eine schöne Sonnenterrasse. Bezahlt wird eigentlich mit Karte, die externe Gäste direkt an der Kasse erhalten. Bei einmaligem Besuch ist Barzahlung aber möglich, außer den Automaten für Getränke und Schokoriegel.

Berufsbildungs- und Technologie-Zentrum II, Moltkering 17, Mittagessen montags bis freitags ab 12 Uhr:

Obwohl das Mittagessen hier eigentlich erst ab 12 Uhr angekündigt ist, reicht die Schlange vor der kleinen Ausgabe bereits eine Viertelstunde vorher weit in das Treppenhaus des Technologie-Zentrums hinein. Doch trotz der persönlichen, launigen Ansprache und der Berücksichtigung individueller Wünsche bei der Zusammenstellung der Teller, geht es flott vorwärts. Was auch mit der zur Verfügung stehenden Auswahl zu tun hat, bei der sogar die zusätzlich erhältlichen Beilagensalate fertig vorbereitet sind. Als vegetarisches Gericht steht an diesem Tag gebackener Camembert mit Preiselbeeren und Salat auf der Speisekarte (Einheitspreis 4,30 Euro). Bei letzterem handelt es sich um klassische Tütenware mit Eisbergsalat und dünnen Karottenstreifen, angereichert mit einigen wenigen Rucolablättern, die wenigstens für ein bisschen Aroma sorgen. Da macht es auch nichts aus, dass es für neue Gäste an der Kasse zu einem heiteren Dressing-Raten kommt. Vier Flaschen ohne Aufschrift aber mit verschiedenfarbigen Aufsätzen stehen hier zur Verfügung. Das dreieckige Stück Weichkäse ist so groß, dass es sicherlich der Menge von zwei Camemberts entspricht und bei den Preiselbeeren kann nichts schief gehen. Der Speisesaal ist zwar etwas nüchtern, aber das fällt angesichts des Blicks über den Wiesbadener Talkessel hinweg bis zur griechischen Kapelle nicht weiter auf.

Nachschlag

Appetit auf noch mehr öffentliche Kantinen? Hier entlang: Hessisches Ministerium des Innern und für Sport (Friedrich-Ebert-Allee 12), Justizzentrum (Mainzer Straße 124), „accent“-Mensa in der Hochschule RheinMain (Kurt-Schumacher-Ring 18), „Zum Zauberkessel“ im Landeswohlfahrtsverband Hessen (Frankfurter Straße 44, Speiseplan unter https://zum-zauberkessel.eatbu.com), Naspa-Haupthaus (Rheinstraße 42-46), Mensa „Point“ in der Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain (Bleichstraße 44, Zugang auch über Bertramstraße).

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