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Invasion in Pink – der Online-Lieferdienst Foodora will auch die Wiesbadener Gastronomie erobern

Von Julia Bröder. Fotos Offert Albers.

Wiesbaden ist wahrlich nicht der beste Ort für einen Job, den man mit dem Fahrrad erledigen muss. Otto Sudnis macht ihn trotzdem. Er ist einer von mehr als 70 Kurieren, die in Wiesbaden für den Essenslieferdienst Foodora im Einsatz sind, die meisten von ihnen mit dem eigenen Rad.

Er sei ohnehin ein leidenschaftlicher Radfahrer, meint Otto Sudnis. Die Vorstellung, Geld mit dem Lieblingssport zu verdienen und dabei auch noch fitter zu werden, gefiel ihm von Anfang an. Und tatsächlich: Nach den ersten zwei Wochen merkte er die vielen Anstiege weniger deutlich, seine Ausdauer hatte sich gesteigert. Dazu kommt, dass der Job in seinen Augen recht flexibel und abwechslungsreich ist. Er komme in Winkel der Stadt, die er vorher nicht kannte, und erfahre immer wieder von neuen Restaurants. Ab 9 Euro zahlt Foodora dafür in der Stunde. Wer als sogenannter Rider Captain die Koordination eines Teams übernimmt, bekommt etwas mehr.

Knalliger Auftritt prägt das Stadtbild

Erkennen kann man Otto Sudnis und seine Kollegen an den pinken Rucksäcken, die Foodora den Kurieren für den Transport des Essens zur Verfügung stellt. Zusammen mit großen Plakatkampagnen, in denen das Unternehmen mit Nachdruck für sein Angebot wirbt, haben die knalligen Quader das Stadtbild in den vergangenen Monaten geprägt. Doch wie funktioniert Foodora überhaupt? Anders als bei einem herkömmlichen Lieferdienst bestellt der Kunde nicht direkt bei einem Restaurant, sondern über eine Website oder App, auf der – für Wiesbaden – gut 35 verschiedene Gastro-Betriebe gelistet sind: Pizzerien, Asiaten und Burger-Läden ebenso wie kleinere Cafés. Auch Mc Donald´s ist dabei. Foodora übermittelt die Bestellung an das jeweilige Lokal sowie an einen Fahrer und hält den Kunden online und inklusive Minuten-Countdown über den Status seiner Lieferung auf dem Laufenden. Die Gebühren dafür liegen bei 3,50 Euro, bezahlt wird ebenfalls online, zum Beispiel mit Kreditkarte.

Angenommen werde der Service vor allem in den Stadtteilen Mitte, Nordost, Rheingauviertel und Westend, heißt es bei Foodora. Bevorzugt bestellt werde Asiatisch. Das ist vermutlich auch ein Grund, warum man neben dem „das!Burger“ und der „Curry Manufaktur“ mit dem „Thai Banyan“ im Gespräch ist, um die Liste der Partnerrestaurants zu erweitern. Von Gastronomen, die bereits mit dabei sind, hört man, dass sie „an guten Tagen 25 bis 30 Bestellungen“ über Foodora erhalten. 30 Prozent Provision zahlen sie pro Gericht, dafür übernimmt Foodora die gesamte Logistik. An sich eine gute Sache, wenn man selbst die Kapazitäten für einen Lieferdienst nicht aufbringen kann oder möchte, finden die Wirte. Sie stellen aber auch klar, dass die Gäste vor Ort immer Vorrang haben. Vermutlich sieht das Foodora nicht gern, aber wenn im Restaurant selbst zu viel los ist, nutzen sie die Offline-Funktion des kleinen Terminals, das der Dienst bei seinen Partnern installiert, und sind über Webiste und App nicht mehr zu erreichen.

Für Zeki Yared vom „Ambessa Afrika“ in der Dotzheimer Straße macht das Liefergeschäft mit zehn bis 15 Bestellungen pro Tag etwa 15 bis 20 Prozent seines Umsatzes aus. Er macht mit, „weil ich nichts zu verlieren habe.“ Gut getan habe dem vor einem guten Jahr eröffneten „Ambessa Afrika“ der Werbeeffekt durch die Präsenz seines Restaurants auf den verschiedenen Foodora-Kanälen. Für kritikwürdig hält Yared dagegen den wackeligen Transport und die teilweise unpünktlichen Fahrer. „Afrikanisches Essen schmeckt hier bei uns immer noch am besten“, meint er.

Foodora-Prinzip nicht unumstritten

Zu hohe Provisionen, zusätzliche Personal- und Verpackungskosten, monopolistische Tendenzen, die Gaststätten in Abhängigkeit eines Lieferdienstes bringen könnten – diese Bedenken tauchen im Zusammenhang mit Foodora und Co immer wieder auf. Das in Berlin ansässige, in zehn Ländern weltweit tätige, rasant wachsende Unternehmen Foodora antwortet darauf sachlich: „Die meisten verdienen immer noch den Großteil ihres Umsatzes mit den Gästen im Lokal, hier sind die Fixkosten ohnehin gedeckt. Außerdem sparen die Gastronomen an der Umsatzsteuer, die normalerweise bei 19 Prozent, für Außer-Haus-Lieferungen aber bei 7 Prozent liegt.“ Foodora übernehme hingegen alle Kosten, die im Liefergeschäft anfallen und die ein Restaurant sonst nicht tragen würde: Fahrer, Logistik, Onlinezahlung und ein aufwendiges Offline- wie Online-Marketing. Die zusätzlichen Einnahmen machten so nur einen Teil des gesamten Geschäftsbereichs aus und verursachten deshalb keine Abhängigkeitssituation.

Martina Breidenbach vom „Lokal“ in der Seerobenstraße hat sich trotzdem gegen Foodora entschieden. Das Konzept passt nicht zu ihrem Selbstverständnis, sie stört der Verpackungsmüll und die Tatsache, dass das Essen nicht so angerichtet werden kann wie im Restaurant selbst. Vor allem aber fragt sie sich, „ob wir bald gar keinen Grund mehr haben sollen, für ein geselliges Essen vor die Tür zu gehen.“

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