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Theodor-Heuss-Brücke ab 12. Januar für Autos gesperrt – Befürchtungen und Beschwichtigungen

Die wohl wichtigste Verbindung zwischen Wiesbaden und Mainz wird gekappt. Ab Sonntag, 12. Januar, wird die Theodor-Heuss-Brücke aufgrund von erforderlichen Baumaßnahmen an den Traversenlagern für den Autoverkehr für voraussichtlich circa vier Wochen gesperrt. Verkehrschaos ist ebenso vorprogrammiert wie Verärgerung. Die beiden Nachbarstädte versuchen mit bestimmten Maßnahmen aber auch, zumindest bestimmte Gemüter zu beruhigen.

Bei der routinemäßigen Bauwerksprüfung der Theodor-Heuss-Brücke wurden vor nun schon geraumer Zeit Schäden an den Übergangskonstruktionen in den Pfeilerachsen festgestellt. Die Traversenlager müssen ausgetauscht werden. Die Arbeiten können nach Angaben der Verantwortlichen nur in diesem Winter erfolgen, um Folgeschäden zu vermeiden und weil der Stahl sich im Winter durch die Kälte zusammenzieht. So sind die Fugen in der Brückenkonstruktion breit genug, um die Lager auszuwechseln.

Die Geh- und Radwege der Theodor-Heuss-Brücke können weiterhin fast durchgehend genutzt werden. Busse und Taxis dürfen die Brücke ebenfalls passieren – der öffentliche Personennahverkehr wird durch eine Ampelanlage geregelt. Die Absperrung für die Unbefugten soll auf beiden Seiten eine Schranke mit Sicherungspersonal sichern, rund um die Uhr.

Vollsperrung soll Baustellendauer verkürzen

Für eine Vollsperrung haben sich die Kommunen Mainz und Wiesbaden  wegen der kürzeren Baustellendauer entschieden. Außerdem sollen so größere Rückstaus in der Mainzer Innenstadt vermieden werden. Die Umleitungen für den motorisierten Individualverkehr werden großräumig beschildert. Der übergeordnete Verkehr wird über die Weisenauer Brücke (A60) und die Schiersteiner Brücke (A643) geleitet.  „Die Situation wird beherrschbar bleiben“, versprach Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol in einem Videointerview mit dem Wiesbadener Kurier.

Brückenticket und MeinRad-Freifahrten 

Mit ein paar Maßnahmen wollen ESWE Verkehr auf Wiesbadener Seite in enger Zusammenarbeit mit der Mainzer Mobilität die Beeinträchtigungen erträglicher machen. Für Pendler gibt es  ein besonderes ÖPNV-Ticketangebot: Alle, die zwischen dem 8. und 18. Januar eine Monatskarte kaufen, können diese dann sechs Wochen lang nutzen; also nur vier Wochen zahlen und sechs Wochen fahren. Das „Brückenticket“ kostet wie die reguläre Monatskarte 84,50 Euro. Fahrgäste können damit ab Kaufdatum alle Busse, Straßenbahnen und Züge (S- und Regionalbahnen) innerhalb der Rhein-Main-Verkehrsverbund-Preisstufe 13 (Wiesbaden/Mainz) nutzen. Zudem gilt auch hier die erweiterte RMV-Mitnahmeregelung für Wiesbaden und Mainz.

Die regulären Busverbindungen von Wiesbaden aus über die Theoder-Heuss-Brücke nach Mainz, fahren während der Brückensperrung nach normalem Fahrplan. Auf der Linie 6 werden – je nach Bedarf – kurzfristig zusätzliche Einsatzwagen (E-Wagen) bereitgestellt. Hierbei werde  das aktuelle Verkehrsaufkommen in der Leitzentrale von ESWE Verkehr genau analysiert und entsprechend reagiert, wird versoprochen. Die Linien 9 und 28 fahren ebenfalls regulär nach Fahrplan über die Theodor-Heuss-Brücke. Wartezeiten kann es aber auch für Busse und Taxis geben, weil die Brücke immer nur in eine Richtung befahrbar ist

Alle, die den Rhein mit dem Fahrrad überqueren wollen, bekommen als Nutzer des Fahrradvermietsystems ESWE Verkehr meinRad  bei Eingabe des Promocodes „BRUECKE2020“ ein Guthaben über 15 Euro geschenkt. Dies entspricht zehn Einheiten im Standardtarif. Der Code ist einlösbar in der „meinRad“-App im Zeitraum vom 8. bis 18. Januar 2020. Abgeradelt werden kann das Guthaben dann zwischen 8. Januar und 8. Februar 2020 im „meinRad“-Gesamtgebiet Wiesbaden, Mainz, Ingelheim und Budenheim. Das Guthaben ist nur bis zum Ende der Brückensperrung gültig.

In Mainz-Kastel kann man das „meinRad“ am Bahnhof, an der Reduit und an der bald errichteten Station auf der Hochheimer Straße – auf Höhe der Bushaltestelle – entnehmen oder abstellen. Auch ist es möglich, mit dem Rad direkt – über die Brücke – nach Mainz zu fahren und es dort zurückzugeben.

Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer (0611) 45022-450.

Kritik und Forderungen von IHK und Handwerkskammern

Vor dem Hintergrund der anstehenden Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke betonen die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern Wiesbaden und Rheinhessen die dringende Notwendigkeit des Baus von weiteren Rheinbrücken. Für die eng vernetzte Wirtschaft der beiden Landeshauptstädte seien schnelle Verbindungen über den Rhein essentiell. Angesichts der gravierenden negativen Auswirkungen einer wochenlangen Komplettsperrung dieser eminent wichtigen Verkehrsader für Betriebe und Mitarbeiter bedürfe es für Betriebe unbürokratischer und schneller Ausnahmegenehmigungen. Diese haben Verantwortliche sowohl auf Mainzer wie auf Wiesbadener Seite ausgeschlossen. Freie Fahrt  gibt es nur für einzelne „Narren im Einsatz“, die in der laufenden Kampagne während eines Abends auf mehreren Bühnen links wie rechts des Rheins auftreten müssen. Auf Unverständnis stößt bei der regionalen Wirtschaft die Informationspolitik der Politik. Von der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke habe man erst aus den Medien erfahren. Dies gelte auch für die angekündigte Sanierung der Weisenauer Brücke.

Die Sperrung der Brückenquerung zeige einmal mehr, wie schnell die jetzige Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Dem enorm gestiegenen Verkehrsaufkommen müsse endlich durch eine zeitgemäße Infrastruktur entsprochen werden. Deshalb ist nach Ansicht der Wirtschaftskammern links und rechts des Rheins sowohl eine weitere Rheinquerung zwischen den beiden Landeshauptstädten als auch zwischen Rüdesheim und Bingen standort- und wirtschaftspolitisch absolut notwendig.

Die Theodor-Heuss-Brücke ist mit einer Länge von 506,10 Meter und einer Breite von 18,80 Meter  eine wichtige Verbindungsachse zwischen Wiesbaden und Mainz, die werktäglich von fast 100.000 Menschen überquert wird. Davon entfallen rund 64.000 auf den Autoverkehr und 28.000 auf den Busverkehr, dazu kommen rund 3.500 Radfahrende sowie 1.900 Fußgänger*innen (Stand 2017). Federführend für die Bauarbeiten ist die Landeshauptstadt Wiesbaden. Von den voraussichtlichen Kosten in Höhe von rund 420.000 Euro muss sie 62,8 Prozent übernehmen und die Landeshauptstadt Mainz 37,2 Prozent. Das entspricht den Eigentumsanteilen an der Brücke.

(sun/dif /Foto: Arne Landwehr)

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