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Trauer um „Mama Fasan“: Zarlasht Zadran war Zauberin am Herd, herzliche Gastgeberin, selbstlose Wohltäterin

Von Dirk Fellinghauer.

Blumen und Kerzen rund um das afghanische Restaurant Fasan zeugen davon: Hier wird eine ganz besondere Person betrauert. Zarlasht Zadran, für viele der vielen Stammgäste des besonderen Lokals an der Kreuzung Friedrichstraße/Schwalbacher Straße einfach nur „Mama Fasan“, ist  am 25. Dezember verstorben, wenige Tage vor ihrem 65. Geburtstag. Wer sie kannte – und wer in Wiesbaden kannte sie nicht – trauert um eine Zauberin am Herd, aber auch um eine besondere und herzliche Gastgeberin, um eine engagierte, selbstlose, kämpferische Wohltäterin, um eine beeindruckende und bemerkenswerte herzensgute Frau.

„Der hellste Stern an unserem Nachthimmel“, so verabschieden sich die Hinterbliebenen von ihrer Mutter, Schwiegermutter und Großmutter – und bedanken sich auf einer Karte, die hinter der geschlossenen Fasan-Tür im Kerzenschein steht, „für die vielseitige Anteilnahme und lieben Gesten aller, die sie kannten“. Die meisten kannten und schätzten Zarlasht Zadran als Gäste des Fasan, diesem Ort afghanischer Köstlichkeiten, der immer mehr war als einfach nur ein Restaurant. Ein Ort voller Gastfreundschaft – für Unternehmer und für Bedürftige, für Friedensnobelpreisträger, Schüler, Familien, Hipster, Kreative, mit geöffneten Türen für einfach und unterschiedslos „alle“ -, ein Ort der Wärme und Inspiration. Die Söhne mit ihren Mitarbeitern vorne an der Theke, die Mama hinten in der Küche, ohne Unterlass am Schnippeln und Köcheln und Zaubern.

Zarlasht Zadran gelang das Kunststück, einerseits im Hintergrund und dabei gleichzeitig sehr präsent zu sein. Aus der Küche heraus winkte und rief sie den Gästen fröhlich zu, fragte immer, wie es einem geht, hatte oft eine besondere Weisheit parat – und gerne auch mal eine Überraschung nach dem Essen. „Hier, noch ein Stück Kuchen, gerade fertiggeworden“ – „Oh nein, vielen Dank, aber ich kann wirklich nicht mehr“ – „Aber bitte, nur ein kleines Stückchen zum Probieren“ … Natürlich war es kein kleines Stückchen.

Sie war durch und durch Mama, so bescheiden wie bestimmt. Für ihre Gäste, und mehr noch natürlich für ihre drei Kinder und ihre Enkelkinder. Ihren Söhnen Abdullah und Zabi, mit denen gemeinsam sie das Unternehmen führte, dessen Herz und Seele sie war,  schenkte sie sicher vieles und etwas ganz Besonderes und in Mehr-Generationen-Familienunternehmen nicht Selbstverständliches: ihr volles Vertrauen. Sie machte alles mit, war zum Beispiel früher auch beim „Folklore“-Festival mit ihren Jungs mitten drin im Geschehen des großen Fasan-Zeltes, in dem nicht nur lecker und gesund gegessen, sondern auch kräftig getanzt und gefeiert wurde. Sie selbst bescherte Wiesbaden ein besonderes kulturelles Erlebnis, als sie die „Königin der Paschtunenmusik“ Zarsanga 2009 nach Wiesbaden einlud, wo sie – erstmals in Deutschlandöffentlich auftrat und ihre faszinierende Musik präsentierte.

Bemerkenswerter Lebensweg

Auch wenn sie gefühlt rund um die Uhr im Fasan und für den Fasan, der zusätzlich zum Restaurant ein gefragtes Cateringunternehmen ist, lebte, fand Zarlasht Zadran auch noch außerhalb des Geschäfts Zeit, sich um andere zu kümmern. Die Kraft dafür schöpfte sie wohl auch aus ihrem bemerkenswerten Lebensweg. Als junge Frau kam sie aus Afghanistan allein mit ihren Kindern nach Deutschland, wurde in Wiesbaden heimisch, gründete hier ein Unternehmen und begründete vielfaches soziales Engagement – sei es im Verein „Afghanische Frauen in Wiesbaden“, sei es über den Fasan, der vielen Arbeit gab, die sonst vielleicht schwer oder gar nicht Arbeit finden würden, sei es ganz privat. Sei es in und für Wiesbaden oder in und für Afghanistan.

Jeder Besuch im „Fasan“ war etwas Besonderes, auch weil jede Begegnung mit ihr etwas Besonderes war und einfach immer unglaublich gut getan hat. Wie gestresst vom Alltag man den Fasan auch betreten hat, man hat ihn immer beglückt und entspannt wieder verlassen. Dank Begegnungen mit Zarlasht Zadran, mit Mama Zadran. Mit dieser besonderen Persönlichkeit, die man nicht vergessen und immer im Herzen tragen wird. Ihre unverwechselbare Stimme ist verstummt. Ihr kräftiges Lachen fehlt schon jetzt. Ihr herzerwärmendes Leuchten bleibt.

Ein Kommentar “Trauer um „Mama Fasan“: Zarlasht Zadran war Zauberin am Herd, herzliche Gastgeberin, selbstlose Wohltäterin

  1. Sehr schöner Artikel, toll geschrieben! Mama Fasan hat ihn verdient. Ich bin in Gedanken mit Ihrer Familie, wir wünschen Kraft und Hoffnung fur das kommende Jahr.

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