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„Wenn wir unsere Demokratie einmauern …“ – Aus Iran geflohener Künstler errichtet berührende Installation

»Wer Mauern baut, kann die Welt nicht als Ganzes wahrnehmen«  Der Titel ist Ausgangspunkt für eine installative Kurzausstellung des Architekten und Künstlers Manocheher Mortazavi,  die es den Besucher:innen erlaubt, genau diese Situation physisch und mental zu erfahren – zu erleben ist die begehbare Rauminstalltion bis zum 12. Mai im Künstlerverein Walkmühle.

Manocheher Seyed Mortazavi immigrierte als politischer Flüchtling 1986 aus dem Iran nach Deutschland. Er studierte an der TUD Architektur, bekam mehrere Lehraufträge und arbeitet seit 2006 als freier Architekt und Künstler.

Seine beeindruckende und berührende Rauminstallation hinterfragt den Umgang der westlich geprägten Demokratien mit ihren eigen Werten.

Aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte und aus tief empfundener Solidarität mit mindestens 28.547 im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen und auf Basis der aktuellen Situation und der Art und Weise, wie die Medien und die Politik Flucht- und Immigrationsthemen behandeln, entstand die Idee, diese Installation zu realisieren.

Vom Umgang mit Minderheiten

»Die Qualität einer Demokratie bemisst sich unter anderem darin, wie eine Gesellschaft mit Minderheiten umgeht. Flucht und Immi-gration waren, sind und bleiben auch in den kommenden Jahr-zehnten hochaktuelle, brisante Themen; sowohl national als auch international. Je mehr Flüchtlinge und Immigranten medial und politisch als Bedrohung dargestellt – und damit von großen Teilen der Gesellschaft auch als solche wahrgenommen werden, desto stärker gerät eine Demokratie in die Defensive“, sagt Manocheher Mortazavi: „Mauern sind die physische Übersetzung einer bereits als normal wahrgenommenen Perversion. Mauern waren noch nie eine Lösung, sondern folgen augenscheinlich der Maxime »was ich nicht sehen kann, existiert nicht«. Wenn wir unsere Demokratie „einmauern“, bedeutet das, dass wir Humanität, Menschenrechte und Gerechtigkeit in einer Blase der Selbstherrlichkeit feiern.«

Große geschichtete Betonsteine, auf denen mit Farbe Wörter wie Freiheit, Gleichheit, Würde, Demokratie, Menschenrechte, Anteilnahme, Solidarität, Empathie und Courage aufgesprüht sind, bilden eine Mauer, die den Ausstellungsraum vollständig in zwei Teile teilt. Wir als Besucher stehen auf der einen Seite vor dieser unüberwindbaren Mauer, die buchstäblich aus unseren scheinbar selbstverständlichen Grundwerten errichtet ist. Was sich jenseits dieser Mauer befindet, lässt sich zunächst nur in Form eines gleichmütigen Plätscherns einer leichten Meeresbrandung zu vernehmen.

Blick auf die andere Seite

Eine Art Kanzel oder Hochsitz erlaubt es den Besuchern jedoch, einen Blick auf die andere Seite zu werfen: Dort erblicken wir einen scheinbar endlosen Meereshorizont, der wandfüllend in den Ausstellungsraum projiziert wird. In kleiner Schrift erscheinen in diesem Bild jedoch Informationen, die darüber berichten, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind. Zudem erscheinen Zitate von Politikern, wie etwa »Die Bilder notleidender Menschen an der Grenze muss die Gesellschaft aushalten« …

Mehr Infos zu Manocheher Seyed Mortazavi unter: www.maap.co

(sun/dif/Foto: Wulf Winckelmann)