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Wieder zu Hause: Vor 20 Jahren zog Mark Roberts aus in die weite Welt – jetzt kehrt der New Yorker Künstler heim

Von Falk Sinß. Fotos Niki Sneakers, Mary Roberts, We Are Temporary.

Der Rheingau ist vor allem wegen drei Dingen bekannt: Wein, Weinberge und das angenehme Klima. Wegen großer Künstler kennt man den am Rhein gelegenen Landstrich eher weniger. Klar, Goethe war mal da, aber wo war Goethe nicht schon alles gewesen? Eben. Aber es gibt sie, die Künstler, die im Rheingau und Wiesbaden aufgewachsen sind und dort ihre ersten Gehversuche unternommen haben. Da wäre natürlich Gisbert zu Knyphausen zu nennen, der in Wiesbaden geboren wurde und in Erbach aufwuchs, und mittlerweile als einer der besten und talentiertesten Songwriter Deutschlands gilt. Vielleicht taucht in dieser Aufzählung bald auch der Name Mark Roberts auf.

Unter dem Namen We Are Temporary hat der mittlerweile in New York lebende Musiker im vergangenen Jahr mit „Crossing Over“ ein außerordentlich interessantes und vielschichtiges Album veröffentlicht, das von der Musikkritik in den höchsten Tönen gelobt wird. Dunkle  Beats verschmelzen mit orchestralen Synthieklängen. Versatzstücke des Postrock, Industrials und Dark Waves lassen sich ebenso finden wie Elemente klassischer und elektronischer Musik. „Die verschiedenen Musikstile zeigen die verschiedenen Abschnitte in meinem Leben”, sagt Roberts dazu. Und davon gab es einige.

Mutter Opernsängerin, Vater Dirigent

Im Rheingau aufgewachsen als Sohn einer amerikanischen Opernsängerin und eines neuseeländischen Dirigenten, liegt ihm die Musik von Geburt an im Blut. Im 2.200- Seelen-Dorf Hattenheim geht er in den Kindergarten und in die Grundschule, spielt einige Zeit im örtlichen Fußballverein und beginnt schon früh, sich an den verschiedensten Musikinstrumenten zu versuchen – von Klavier über Gitarre zur Oboe: alles dabei. Später dann Gymnasium und Abitur in Geisenheim. Ausgehen und feiern in Wiesbaden sowie die ersten lokalen Erfolge als Gitarrist und Songwriter der Alternative-Rockband Blune. Während seine Klassenkameraden nach dem Abitur zumeist in Mainz, Frankfurt, Hamburg oder Berlin studierten, ging Roberts zuerst nach Chicago, dann für einige Jahre nach Neuseeland, bis er schließlich vor rund zehn Jahren in New York landete.

Überall Außenseiter – außer in Brooklyn

Heimat ist für ihn angesichts dieser Lebensgeschichte kein einfach zu definierender Begriff. „Ich war immer irgendwie der Außenseiter. In Deutschland, weil ich US-Amerikaner bin, während meines Studiums in Chicago, weil ich in Deutschland aufgewachsen bin und in Neuseeland, weil ich Amerikaner bin“ erzählt Roberts: „Bis ich nach New York, speziell Brooklyn, gezogen bin, habe ich mich nie irgendwo so richtig zugehörig gefühlt. Hier schon. Das heißt nicht, dass es sich wie Heimat anfühlt, aber ich fange langsam an mich zugehörig zu fühlen.”

Speziell den Rheingau und Wiesbaden vermisse er aber doch immer wieder. „Ich verbinde viele schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend damit”, sagt der 38 Jahre alte Musiker. “Und natürlich, weil noch viele meiner alten Freunde dort oder im Rhein-Main-Gebiet wohnen.” Aber auch Dinge wie guten Riesling, deutsches Brot oder Autos mit Schaltgetriebe vermisse er. Auch das Café Klatsch, das er als einen offenen und kreativen Ort in Erinnerung hat, fehle ihm. „Man spürt dort eine einzigartige Atmosphäre, die ich so noch nirgends anders gespürt habe.” Und natürlich Wiesbadens Architektur: „Die beeindruckt mich jedes Mal auf Neue.”

Wie gut, dass ihn seine Musik wieder dorthin zurückbringt, wo seine Reise begann. Sein Album „Crossing Over” brachte ihm neben viel Lob auch die Einladung der bekannten Dark-Wave-Band Project Pitchfork ein, sie auf ihrer diesjährigen Deutschland-Tour zu begleiten. „Das ist großartig! Seitdem ich 15 Jahre alt bin, bin ich Fan von Pitchfork. Und jetzt, fast 20 Jahre später, teile ich mir eine Bühne mit ihnen – das ist einfach unglaublich”, erzählt Roberts. Insgesamt wird er als We Are Temporary rund zwei Monate durch Europa touren, am 9. März macht er Halt in Wiesbaden. Seine Vorfreude ist groß: “Ich kann es kaum erwarten. Ich hoffe, ich werde viele alte Freunde treffen und neue Freunde kennenlernen.”

Das Darkwave-Projekt We Are Temporary aus Brooklyn, New York, spielt am Donnerstag, 9. März, gemeinsam mit dem Frankfurter Shoegaze-Duo Suir in der Kulturkneipe Sabot (Zimmermannstraße 1).  Wir verlosen 1×2 Freikarten: losi@sensor-wiesbaden.de

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