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Der große Wumms – „Babylon“ische Zeiten bei den Maifestspielen / sensor präsentiert Eröffnungspremiere

Still aus dem Teaser zu »Babylon«

 Von Max Blosche. Fotos Astrid Steiner.

Babylonische Zeiten bei den Maifestspielen. sensor präsentiert die Eröffnungspremiere. Es wird monumental. Und sinnlich. Und laut.

Wenn die Gattung Oper lebendig bleiben soll, braucht sie neue Stücke und in besonderen Zeiten auch einen großen Wurf. Den ganz großen Wumms sozusagen.“ Aus dieser Überzeugung heraus fiel die Wahl für die Eröffnungspremiere der Maifestspiele in diesem Jahr auf “Babylon”.

Eine Oper, die ein Ereignis werden soll, inszeniert von Daniela Kerck unter musikalischer Leitung von Albert Horne, der sagt: „Babylon live zu erfahren, ist wirklich ein einzigartiges, sensorisches Hörerlebnis.“ Und das bezieht der Dirigent natürlich nicht darauf, dass „Babylon“ präsentiert wird von sensor als Medienpartner. Die Handlung hat die Regisseurin in den Transitraum eines Flughafens verlegt und schafft mit Projektionen besondere Ebenen im Gesamterlebnis „Babylon“.

Rauschhaft, neu und laut

“Es klingt frisch, überwältigend, mitunter gar rauschhaft und jederzeit – neu”, steht in großen Lettern über dem Text, mit dem Dramaturg Wolfgang Behrens im 120 Seiten starken Maifestspiele-Programmbuch heiß auf das Ereignis macht. Selbst wenn man noch den Befangenheits-Faktor des logischerweise für das von ihm mitverantwortete Stück werbenden Theatermanns abzieht, bleibt noch genügend “Muss man anschauen”-Drang übrig. So etwas wie die Summe der bisherigen Musik habe er geschrieben, schreibt Behrens. Und Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg kündigte bei der Vorstellung des Maifestspiele-Programms an: “Es wird sehr laut!”.

“Musste Babylon-Oper machen”

“Ich finde, dass unsere Zeit in vielerlei Hinsicht eine babylonische Zeit ist”, sagt Jörg Widmann: “Was die Sprachverwirrung anbelangt, was das Nebeneinander und die Gleichzeitigkeit von hoch und niedrig, von verschiedenen Kulturen anbelangt, mit allen Vorzügen, mit allen Nachteilen, mit allem Faszinierenden.” Logische Konsequenz: “Ich musste eine Babylon-Oper machen. Ich konnte gar nicht anders.”

Jörg Widmann gilt als einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Mit “Babylon” schrieb der 48-Jährige ein monumentales Opernwerk. An der Bayerischen Staatsoper 2012 uraufgeführt, erlebte es in einer überarbeiteten Fassung 2019 an der Staatsoper Berlin seine zweite Uraufführung. Die Neuproduktion am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist die erste Aufführung der neuen Fassung seitdem.

Außergewöhnliche Instrumente

Mit zwei Chören und außergewöhnlichen Orchesterinstrumenten wie Schofaroth – das häufigste im Alten Testament erwähnte Musikinstrument -, Glasharmonika und vielerlei Gongs entfaltet “Babylon” einprägsame Klangfülle und erzählt eine Geschichte biblischen Ausmaßes. Widmann und sein Librettist, der bekannte Philosoph Peter Sloterdijk, überblenden den biblischen Konflikt zwischen Babyloniern und Israeliten mit der Geschichte zweier Liebender.

Keine Illusion des Heils, aber: Liebe und Leben

Sloterdijk stellt in seinem Libretto zum einen eine typisch opernhafte Liebesgeschichte dar. Zum anderen schlägt er einen religionsgeschichtlichen Bogen, der von der Entzweiung der Menschheit vom Göttlichen bis hin zu einer aufgeklärten Gesellschaft führt, in der es keine Illusion des Heils mehr gibt, aber immerhin zwei Werte: Liebe und Leben.

In einer Variation des Orpheus-Mythos finden die Liebenden erst zueinander, nachdem sie, Inanna, ihn, Tammu, aus der Unterwelt ins Leben zurückgeholt hat. Mit der alle Konflikte überwindenden Liebe überführt Widmann sein “Babylon” ins Heute. Dieses Heute ist eine vor babylonischer Komplexität nur so wimmelnde Zeit, in der jedoch die verbindenden Einsichten ebenfalls so stark sein können wie noch nie.

sensor präsentiert: Maifestspiele-Eröffnungspremiere “Babylon”, Staatstheater, Großes Haus, 1. Mai, 18 Uhr, weitere Vorstellung 14. Mai, 19.30 Uhr. Für die Premiere verlosen wir 3×2 Freikarten: Mail bis 27. April, 12 Uhr, an losi@sensor-wiesbaden.de – das komplette Maifestspiele-Programm und Tickets unter www.maifestspiele.de


Die Regisseurin

Foto: Irmin Kerck

Daniela Kerck gibt als Regisseurin von “Babylon” ihr Opernregie-Debüt am Hessischen Staatstheater. Neben der Neugierde auf dieses Werk und die neue Inszenierung ein weiterer Grund für uns, im “sensor-Jahr der Frau” nicht zufällig, sondern ganz bewusst dieses “Babylon” für die Medienpartnerschaft auszuwählen.  Die in Wien lebende studierte Bühnenbildnerin arbeitete international an unterschiedlichen bedeutenden Theatern und Opernhäusern. Sie erhielt den ersten Preis des Europäischen Opernregiepreises für die Oper “Rusalka”, die in Riga aufgeführt wurde.

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