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Fokus auf das Mögliche! Praktikum in Corona-Zeiten – (Wie) geht das? Ein Experte zeigt drei Wege auf

In unterschiedlichsten Bereichen gibt es jede Menge Versuche, die Pandemie in Griff zu bekommen. Das Thema Praktikum wird wenig beachtet. Dabei ist es – als Pflicht in vielen Studiengängen – ein elementares Thema. Was also tun?

Für viele Student*innen ist es zurzeit schwierig, ein Praxissemester durchzuführen. Die für den Lebensunterhalt notwendigen Studentenjobs fallen weg, die Corona-Bestimmungen erschweren den Zugang zu Unternehmen. Nicht alle haben genügend Ressourcen, um derzeit einen Praktikumsplatz anzubieten, auch wenn sie es wirklich gerne möchten.

Ein Praktikum – was ist das eigentlich?

Was ist ein Praktikum eigentlich? Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, Wirklichkeiten einschätzen zu lernen, auf das bis dahin theoretische ein praktisches Wirken zu gestalten. Das heißt auch, ein Miteinander in oft komplexen Prozessen zu üben und zu erleben. Also das genaue Gegenteil dessen, was momentan Praxis ist. Wie kann es trotzdem funktionieren, jungen Menschen einen Einblick in die Arbeitswelt und damit auch einen Blick in ihre Zukunft zu gewähren?

Es wird wohl keine in unseren Breitengraden so geliebte hundertprozentige Lösung geben. Drei Wege könnten sich als machbar erweisen.

Das Remote-Praktikum: Üben, wie sich in einer strukturierten Umgebung Homeoffice anfühlt. Ohne Sozialisierungsprozesse, aber mit Zugang zu einer größeren Sache als man selbst. Zumindest erhöht sich die Kontaktfrequenz digitaler Beziehungen über ein „Like“ hinaus. Dieses Praktikum verlangt ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenmotivation für eine projektbezogene Arbeit.

Die zweite, allerdings schon schwierigere Version wäre ein Hybrid-Praktikum. Schwer für wen? Natürlich für die Arbeitswelt. Sie müsste negativ getestete Praktikant*innen in ihre aus Gründen der Corona-Prävention geteilte Arbeitsrealität integrieren, einbinden in eine kollegiale Umgebung und IT-Struktur. Zwei Tage im Betrieb, drei Tage virtuell in der Woche.

Die dritte Variante könnte das der Berufsrealität nah angepasste Format Werkstudent*innen sein. Das Praktikum erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Schließt eine der Leistung entsprechende Bezahlung ein, die einen realistischen Beitrag zum Lebensunterhalt ermöglicht. Die Praxiserfahrung entspricht mehr der Lebenswirklichkeit. Die Integration in das Arbeitsleben bezogen auf alle damit verbundenen Facetten ist in diesem Fall substanzieller. Pandemie-bedingte Einschränkungen werden aufgrund des längeren Zeitraums und der verantwortungsvolleren Aufgabenstellungen besser ausgeglichen.

Unternehmen sollten sich auf das „Möglich machen“ konzentrieren, auch im Hinblick auf zukünftige Fachkräfte. Die Zukunft beginnt heute.

Michael Eibes, Fotos Unsplash/ Offert Albers.

Unser Gastautor betreibt in Wiesbaden eine Designagentur und einen Verlag und ist Mitglied des IHK-Ausschusses „Kreative Wirtschaft“ und leitet dort den Arbeitskreis „Praktika“.

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