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Krimi de Luxe – Ungeahnte Spur literarischer Verbrechen von Wiesbaden nach Luxemburg

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Von Alexander Pfeiffer. Foto Hughes Schlueter & Eva Lirot.

Dass Wiesbaden als Krimistadt gilt, haben wir nicht nur den TV-Ermittlern Murot, Matula und Reuther zu verdanken, die sich im „Tatort“, „Ein Fall für Zwei“ und „Der Staatsanwalt“ mitunter doch eher fade als fesselnd durch die Untiefen unserer Heimatstadt schlagen. Auch eine große Anzahl von Romanen hat Wiesbaden in den letzten Jahren zum Krimi-Schauplatz gemacht. Aktuellstes Beispiel ist der Kettenkrimi „Agenten-Roulette“, geschrieben von 16 Autorinnen und Autoren aus Wiesbaden und Umgebung. Veröffentlicht unter dem Pseudonym „Dostojewskis Erben“, zieht die Geschichte um ein „fettes Schwein“, einen schlauen Hund und weitere zwielichtige Gestalten eine Blutspur von der Spielbank bis zum BKA.  

Die Autoren hinter dem so unbescheidenen wie augenzwinkernden Alias geben sich jedoch nicht damit zufrieden, nur in heimischen Gefilden zu wildern. Unter dem Motto „Krimi DeLuxe 2012“ reisten sie im Mai letzten Jahres nach Luxemburg, um dort literarische Kontakte zu knüpfen. „Luxemburg?“, wird sich jetzt der eine oder die andere fragen. „Warum ausgerechnet Luxemburg?“ Hughes Schlueter, Initiator des Austauschs, klärt auf: „Luxemburg deshalb, weil ich dort zwei Jahre gelebt und gearbeitet habe, meine Krimis mit dem Fashion-Fotogafen Lou Schleck dort spielen und ich dieses Land unglaublich gerne habe.“ 

Diese Sympathie griff während des Besuchs schnell um sich. Nach einem abendlichen Empfang der Deutschen Botschaft in Luxemburg Stadt standen Workshops und Lesungen mit Luxemburger Schriftstellern im „Centre national de littérature – Lëtzebuerger Literaturarchiv (CNL)“ in Mersch auf dem Programm. Nach dem offiziellen Teil durfte man feststellen, dass Mosel-Riesling den Gaumen fast ebenso zielsicher betäubt wie sein Pendant aus dem Rheingau. Beim abschließenden Besuch in Belval, wo zwischen stillgelegten Hochöfen futuristische Architektur aus dem Boden wächst, schaute so manches Autorenauge mindestens ebenso müde wie fasziniert.  Überhaupt nicht müde, bat Hughes Schlueter gemeinsam mit seiner Limburger Kollegin Eva Lirot als Nächstes 24 Krimiautoren aus beiden Ländern, Kurzkrimis mit Schauplatz Luxemburg zu schreiben. Erschienen sind diese jüngst in der Anthologie „Luxemburger Leichen“.   

Präsentiert werden die „Luxemburger Leichen“ im Rahmen des diesjährigen Wiesbadener Krimiherbstes. Zu Gast werden dann auch Monique Feltgen und Jeff Schmitz aus Luxemburg sein. Feltgen gehört mit ihren bislang sechs Romanen zu den bekanntesten Krimiautoren ihrer Heimat. Genau wie Schmitz war sie noch nie in der hessischen Landeshauptstadt und kommt nun mit klarem Erwartungen: „Ich stelle mir Wiesbaden wie ‚Klein Wien’ vor.“ Jeff Schmitz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des CNL. Seine Geschichte in den „Luxemburger Leichen“ stellt sein Krimi-Debüt dar – auch wenn der Titel „Gangbang-Style“ auf ein anderes Genre schließen lässt. 

Musiker-Mord im Schlachthof 

Wo würde er denn wohl einen Wiesbaden-Krimi spielen lassen? „Auch auf die Gefahr hin, dass es solche Storys schon gibt“, sinniert er: „Aber der Sitz des BKA würde sich doch gut eignen?! Dort gibt es bestimmt einen sehr hohen Beamten, der, um den Kopf seines missratenen Sohnemanns aus der Schlinge zu ziehen, selbst zum Gesetzesbrecher wird.“ Und Monique Feltgen? „Das Kulturzentrum im Schlachthof wäre vom Namen her schon perfekt für einen Krimi. Opfer: Ein bekannter Wiesbadener Musiker während eines Konzerts.“ Bei der Auswahl des zu beiseitigenden Musikanten wird die sensor-Redaktion gerne behilflich sein.     

Aber wie passt denn das denn überhaupt zusammen, Luxemburg und Wiesbaden? Hughes Schlueter hat einen etwas konstruiert klingenden, dafür aber umso literarischeren Erklärungsansatz: „Geographisch liegt Wiesbaden haargenau auf demselben Breitengrad wie die luxemburgische Stadt Asselborn, nämlich 50,0833 Grad. Wenn man jetzt noch weiß, dass dies auch der Name des luxemburgischen Außenministers ist und dass Alexander Pfeiffer in den ‚Luxemburger Leichen’ eine Geschichte über ein geplantes Attentat auf den luxemburgischen Außenminister geschrieben hat, wir die Sache mit den logischen Verbindungen schon langsam unheimlich.“   

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Biszum 8. Dezember laden Literaturhaus und zahlreiche Kultureinrichtungen zum zehnten Mal zum umfang- und abwechslungsreichen „Wiesbadener Krimiherbst“ ein. Die Lesung „Luxemburger Leichen“ ist am 29. November um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine. Wir verlosen 3 Exemplare der Anthologie: losi@sensor-wiesbaden.de

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