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Schrift und Gestaltung im Jugendstil: „Ausdruck erregender Spannung“ – Vortrag am 10. Oktober im Stadtarchiv

Im Rahmen des laufenden Jugendstiljahrs in Wiesbaden wird am Donnerstag, dem 10. Oktober, der Kommunikationsdesigner Dr. Albert Ernst ab 19 Uhr im Stadtarchiv einen Vortrag zu dem Thema „Schrift und Gestaltung im Jugendstil – Ausdruck erregender Spannung“ halten.

Die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war eine Zeit der Widersprüche – in Gesellschaft, Politik und Gestaltung. Die Industrialisierung hatte die Wirtschaft in Schwung gebracht, die Städte boomten, die Produktion lief auf Hochtouren, während die grafische Produktion einen stetigen Niedergang erlebte.

Der Historismus hatte sich ihrer bemächtigt, Schriften wurden miteinander gemischt, die nicht zusammengehörten, vorgefertigte Schmuckelemente wurden ohne inhaltlichen Zusammenhang eingefügt, Illustrationen schwelgten im Kitsch.

Man mag es heute, angesichts der weit verbreiteten, „nostalgisch“ angehauchten Plagiate, kaum glauben, aber der Jugendstil brachte in die künstlerische und grafische Produktion eine Beruhigung, die erst die folgenden künstlerischen Entwicklungen ermöglichte.

An die Arts-and-Crafts-Bewegung William Morris’ anknüpfend, gestatteten sich die Künstler des Jugendstils einen neuen Blick auf die Welt und gaben der Sehnsucht nach Schönem und Individuellem im Industriezeitalter einen Ausdruck.

Junge Grafiker schufen aus den Formen der Natur abgeleitete Schriften, die in vollkommener Harmonie mit den Illustrationen in großformatigen Plakaten und in Zeitschriften standen. „Ganzheitliches Design“ würde man diese Herangehensweise heute bezeichnen.

Der Kommunikationsdesigner und Buchwissenschaftler Dr. Albert Ernst gibt anhand zahlreicher Bildbeispiele einen interessanten Einblick in eine Epoche der Gestaltung, die heute allzu gern zu einer Fußnote des Designs verniedlicht wird.

www.jugendstiljahr.de 

(sun/Foto: Veranstalter)

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