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Trauer um Holger Schwedler – Wingert Vinothek- und Literaturhaus-Café-Betreiber starb überraschend

Bestürzt, schockiert und sehr traurig reagieren viele, die Holger Schwedler kannten und schätzten, auf den überraschenden Tod des Wiesbadener Charakterkopfes, Gastronomen und Kulturstifters. Der langjährige Betreiber der „Wingert Vinothek“ in der Oberen Webergasse und seit kurzem außerdem Pächter des Cafés im Literaturhaus Villa Clementine starb am Montagabend im Alter von 57 Jahren völlig unerwartet nach einem Herzinfarkt.

„Er, Holger Schwedler, hat mal BWL studiert, aber schon währenddessen als AStA-Kulturreferent für kreative Dynamik an der Uni gesorgt. Nach Stationen als Pressestellenleiter des Bertelsmann-Buchclubs und Inhaber einer PR-Agentur brachte das Ende des Börsenbooms für ihn den Umschwung: Seitdem ist er Weinhändler, zunächst in Geisenheim, 2013 wechselte er nach Wiesbaden und betreibt seitdem die Wingert Vinothek in der Oberen Webergasse. Kenner wissen: Das ist viel mehr als ein Weinladen, denn Schwedler hat nicht nur alle Sorten des Rheingaus von ausgewählten Winzern – und seine eigene Marke „Urban“ – im Angebot. In der kleinen Weinbar wird auch bis tief in die Nacht getrunken und debattiert, zudem gibt es hier Lesungen, Konzerte und Ausstellungen“, stand in diesem Frühjahr im sensor im „Familienbande“-Porträt über ihn und seine Schwester Kathrin Schwedler, die ihrerseits nicht nur als Journalistin über das Kulturleben in Wiesbaden berichtet, sondern auch mit ihrer „Kulturstätte Monta“ das Kulturleben in Wiesbaden bereichert.

Gedenkminute im Kulturbeirat

„Heute wäre die Wiesbadener Kulturszene um einiges ärmer, wenn es die Geschwister Schwedler nicht gäbe“, ist ebenfalls in dem Beitrag zu lesen. Eine Einschätzung, die viele teilen. Der Kulturbeirat erhob sich in seiner Sitzung am Dienstagabend im Rathaus zu einer Schweigeminute im Andenken an Holger Schwedler.

Holger Schwedler liebte, natürlich, den Wein, aber auch die Kunst, Musik, Theater – und all das liebte er nicht nur, er konnte seine Leidenschaften auch ganz wunderbar vermitteln. Er war besonders stolz, dass Ensemblemitglieder des Staatstheaters bei ihm ein und aus gingen, bot ihnen regelmäßig eine Bühne bei kleinen feinen Lesungen und Konzerten. An einem großen Tisch und an mehreren kleinen, im Sommer auch draußen „uff de Gass“, kamen in der „Wingert Vinothek“ in einzigartiger Atmosphäre die unterschiedlichsten Menschen zusammen und ganz automatisch miteinander ins Gespräch. Seit dem Spätsommer war Holger Schwedler dabei, als neuer – und mit großer Begeisterung begrüßter – Pächter auch das Literaturhaus-Café auf der Wilhelmstraße nach langem Leerstand wieder mit Leben zu füllen und zu einem Ort mit besonderem Flair zu machen. Viel Zeit, dieses ganz neue und wieder ganz andere Abenteuer zu gestalten und zu genießen, war ihm nicht vergönnt.

Stets verschmitztes Lächeln und feiner Humor

Holger Schwedler war ein echter Charakter – er eckte auch an, scheute keine Diskussion, war aber vor allem ehrlich und herzlich und geradeheraus. Sein stets verschmitztes Lächeln war äußeres Zeichen eines feinen Humors, der sich im Gespräch entfaltete. Holger Schwedler redete viel – das tun viele -, er machte aber auch viel – das machen schon deutlich weniger. Wenn man ihn traf, sprach er von immer wieder neuen Vorhaben, und er realisierte auch eine beachtliche Anzahl davon. Bei manchen seiner Ideen genügte es auch, dass sie einfach nur als Vorstellung im Kopf existierten, etwa bei jener von der Oberen Webergasse und dem Bergkirchenviertel als dem „Montmartre von Wiesbaden“. Dass Holger Schwedler nun nicht mehr da ist, ist eine Vorstellung, die einem nicht so schnell, nein, eigentlich gar nicht in den Kopf will. (Dirk Fellinghauer/Foto Samira Schulz)

 

4 Kommentare “Trauer um Holger Schwedler – Wingert Vinothek- und Literaturhaus-Café-Betreiber starb überraschend

  1. Das ist wirklich tragisch, ein wahrlich herber Verlust für die Wiesbadener Wein- und Kulturszene. Ein unersetzbares Unikat, das viel zu früh von uns gegangen ist.

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