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„Wir machen es nicht, weil es so nicht gut wird“ – Kreativfabrik erklärt „Folklore“- bzw. „Festland“-Aus

Auf absehbare Zeit wird es in Wiesbaden kein „Folklore-Nachfolgefestival“ geben. Wie letzte Woche berichtet, wurde auch das Vorhaben eines seit drei Jahren geplanten „Festland“-Festivals, das in diesem Sommer Premiere feiern sollte, endgültig begraben. Palast Promotion war schon Anfang des Jahres aus der Projektgruppe ausgestiegen. Nun kamen auch Schlachthof, Kreativfabrik, Kulturpalast und Kultur im Park zu dem Schluss, dass es unter den gegebenen Umständen nichts werden kann mit diesem neuen Festival. Auf die sensor-Umfrage bei den Beteiligten nach den Hinter/Gründen für das „Scheitern“ hat nun die Kreativfabrik reagiert. Die ausführliche Erklärung von Janne Muth nachfolgend im Wortlaut. Der 1. Vorsitzende der Kreativfabrik empfiehlt den Blick nach vorne – und die Verwendung der für Festland beschlossenen 200.000 Euro städtischer Gelder für „genug Kulturprojekte, die förderungswürdig sind“.

„Unsere Version der Geschichte sollte sich nicht erheblich von anderen unterscheiden.

Zuerst finde ich die Formulierung „Scheitern“ unangebracht. Zusammen mit dem Schlachthof, Kultur im Park, Palast Promotion und Kulturpalast haben wir über zwei Jahre intensiv versucht, ein Festival für Wiesbaden an den Start zu bringen, das Wiesbaden bereichert und an das fehlende Folklore anknüpft. Die ersten Etappen der Strecke dabei sind ja bekannt. Ein wichtiger Meilenstein war mit Sicherheit der Frühschoppen am Sonntag von fucKrea – 15 Jahre Kreativfabrik, als klar wurde, dass Folklore nicht ersetzt werden kann und wird.

Eigenintiative ohne Auftrag und ohne Bezahlung 

Wir wollten als fünf Veranstalter mit sehr unterschiedlichen Profilen ein völlig neues Festival auf die Beine stellen. Das ist eine freiwillige Leistung, an der eine Runde von 10 Menschen über einen langen Zeitraum gearbeitet hat, ohne dafür bezahlt zur werden oder einen Auftrag zu haben. Die Initiative, Wiesbaden ein neues Festival zu geben, geht auch auf unsere Gruppe zurück, nicht auf einen Auftraggeber. Dementsprechend sollte man nicht von Scheitern reden, sondern von einer Entscheidung, die WIR getroffen haben. Und die Krea steht zu dieser im Konsens aller Beteiligten getroffenen Entscheidung.

Festgestellt, dass wir unsere Ansprüche nicht erfüllen können

Zuletzt sind wir zur Erkenntnis gekommen, dass wir mit den Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, nicht in der Lage sind, eine stabile Organisation zu schaffen, die das Festival plant, vorbereitet und durchführt. Wir sind an der Stelle stehengeblieben, an der wir unsere Ansprüche an ein Festival formuliert haben und feststellen mussten, dass wir diese nicht erfüllen können, bzw. nicht wollen. Denn unser Konzept so umzusetzen, dass es gut wird, hätte auch bedeutet, dass wir ein erhebliches Maß an unbezahlter Arbeit reinstecken hätten müssen.

Kein halbherziges Festival abliefern

Anfang des Jahres waren wir dann nur noch zu dritt am Tisch (Schlachthof, Krea und Kultur im Park). Da haben wir uns entschieden, Festland aufzugeben. Das auch, weil mit gerade diesen drei Akteuren eigentlich „nur“ der Kulturpark am Tisch sitzt und die o.g. Ressourcen noch knapper sind. Bevor wir ein halbherziges Festival abliefern, konzentrieren wir uns lieber auf andere Projekte. Die verfolgen wir nämlich im Kulturpark jeder für sich – und auch oft zusammen – zahlreich.

Folklore-Wiederbelebung wäre nette Idee … gewesen

Eine nette Idee wäre es gewesen, wenn der Schlachthof das alte Folklore wiederbelebt hätte, und die Krea wäre da sicher am Start gewesen. Wenn der Schlachthof aber feststellt, dass er das nicht machen will, dann ist das zu respektieren. Genauso wie es zu respektieren ist, wenn fünf Veranstaltungsprofis sagen: Wir machen Festland nicht, weil es so nicht gut wird.

Wir persönlich als Krea haben uns sehr gefreut, mit Gleichgesinnten an einem Tisch zu sitzen, um gemeinsam an einer Idee zu brüten und gehen sehr optimistisch mit vielen Ideen an unsere eigenen Projekte zurück. Wir haben gerade letztes Wochenende unseren Kulturkiosk eröffnet und werden im September wieder eine Edition von „fucKrea – fragments of urban culture“ durchführen.

Blick nach vorn: 200.000 Euro für andere Kulturprojekte

Unsere Quintessenz ist: Es gibt in Wiesbaden genug Kulturprojekte, die förderungswürdig sind. Darauf sollte sich die Stadt konzentrieren und die 200.000 € (oder mehr) lieber bereithalten, um gute Ideen zu fördern. Ich persönlich bin mir sicher, dass zahlreiche Anträge eintrudeln werden, wenn der Fördertopf geöffnet wird, um Veranstaltungen zu fördern, die der Natur vom ehemaligen Folklore gerecht werden.“

Das Thema steht auch auf der Tagesordnung der kommenden öffentlichen Sitzung des Kulturbeirates – am Dienstag, 30. April, 17 Uhr, im Rathaus, Raum 22. Interessierte sind willkommen. www.wiesbaden.de/kulturbeirat

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