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„Krea-Kultur muss weitergehen“-Crowdfunding: Weiterer „In Not“-Ruf wichtiger Wiesbadener (Sub-)Kulturstätte

Von Dirk Fellinghauer. Fotos Johanny Kuby, Kreativfabrik.

Mit der Kreativfabrik, kurz Krea, meldet sich eine weitere bedeutende Wiesbadener (Sub-)Kulturstätte mit einem coronabedingten „In Not“-Ruf zu Wort: „Der Verein hat sich nach langem Hadern dazu entschlossen, ab heute ein Crowdfunding zu starten, um die Vereinsarbeit für einen längeren Zeitraum zu sichern.“ Seit 12 Uhr läuft die Startnext-Aktion „Krea-Kultur muss weitergehen“. Das Crowdfunding läuft bis zum 19. Juli, das Fundingziel lautet 18.000 Euro. „Mit dem Geld kann die KREA den Rest des Jahres auskommen, ohne Gewinne durch Veranstaltungen machen zu müssen. Damit wäre sie also erstmal sicher!“, erklärt die Crew, die ihr Gebäude und Gelände am Rande des Kulturparks in der Murnaustraße auch zum „Kulturschutzgebiet“ erklärt hat.

Die Macher*innen haben sich für Crowdfunding-Beträge unterschiedlichster Höhe sehr nette und originelle Dankeschöns ausgedacht – von Tassen (15 Euro), Shirts und Beuteln über Topflappen bis zu Vermietungen (300 EUR 1. OG, 800 EUR Keller) und als Krönung dem „Goldenen Ticket“ – lebenslanger freier Eintritt in die Krea für 1000 EUR.

„Bis zum Herbst kommen wir noch über die Runden“, schreiben die Krea´ler: „danach wird es sehr kritisch – und das darf nicht passieren.“ Sehr richtig ordnen sie ihr 2002 entstandenes Haus in der Bedeutung für unsere Stadt ein: „Die KREA ist mehr als nur ein Kellerclub. Sie ist ein volles, lebendiges Haus inklusive Proberäumen, Skatehalle und Späti vor der Tür. Sie ist ein engagierter Verein, Wiesbadener Geheimtipp und Wohnzimmer für alle, die eine bunte und vielfältige Gesellschaft schätzen und leben möchten.“

„Seit einem Wochenende Mitte März hat sich auf einen Schlag so ziemlich alles für unseren Verein geändert“, schildert die Kreativfabrik-Crew die Situation: „Von heute auf morgen wurden alle Konzerte und Veranstaltungen abgesagt oder verschoben, manche inzwischen zum zweiten Mal, weil im März der Juni erst mal sehr weit weg erschien. Vereinsplena werden per Videochat abgehalten, und mittlerweile ist uns – damit meinen wir den Verein Kreativfabrik als auch die gesamte Gesellschaft – bewusst geworden, dass es einfach nicht absehbar ist, wann wir wieder Konzerte besuchen, feiern gehen oder einfach nur mit Freunden so ungezwungen abhängen können, wie wir das gewöhnt waren.“

„Wir brauchen Euren Support!“, lautet die Bitte um Untersützung: „Langfristig können wir durch Konzerte und Partys keine Einnahmen bzw. Gewinne erzielen. Auch wenn wir offiziell Veranstaltungen planen und durchführen dürfen, sind diese weit weg von allem, was wir gewohnt sind und was für uns rentabel ist. So dürfen wir bei einem bestuhlten Konzert aktuell nur ca. 20 Personen in unseren Keller lassen. Von deren zehn gekauften Getränken könnten wir wahrscheinlich nicht mal die GEMA-Rechnung zahlen.“

Eine akute Lebensgefahr sieht die Krea für sich noch nicht: „Als gemeinnützig anerkanntes soziokulturelles Zentrum haben wir das Glück, dass wir regelmäßige Zuschüsse bekommen, die uns teilweise früher ausgezahlt werden und uns momentan über Wasser halten.“ Aber: „Dadurch leben wir quasi auf Pump von morgen, und je länger die Einschränkungen durch die Pandemie andauern, desto schwieriger wird es für uns, das Geld für unsere laufenden Kosten aufzubringen.“

Bei einer ähnlichen Crowdfunding- und Spendenaktion des benachbarten Kulturzentrums Schlachthof waren innerhalb von 42 Tagen 155.000 Euro zusammengekommen.

https://www.startnext.com/krea-kultur-muss-weitergehen

www.kreativfabrik-wiesbaden.de

 

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