| | Kommentieren

Vermittler für „das kleinere Übel“ – Detlev Bendel wird CityBahn-Ombudsmann für die Wirtschaft

Vom Kritiker zum Vermittler – der frühere Wiesbadener Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (rechts) wird ehrenamtlicher CityBahn-Ombudsmann für die Wirtschaft. Verkehrsdezernent Andreas Kowol stellt ihn heute im Rathaus vor.

„Die Interessen der heimischen Wirtschaft müssen besser gehört werden. Dafür setze ich mich gerne ein, damit wir das Projekt nicht leichtfertig verspielen“, sagte der Politiker im (Un-)Ruhestand, als ihn Verkehrsdezernent Andreas Kowol im Rathaus vorstellte. Die Tatsache, dass bis heute niemand eine Alternative zur CityBahn genannt habe, habe bei ihm den Meinungsumschwung pro CityBahn ausgelöst, sagte Bendel und bezeichnete das Großprojekt als „das kleinere Übel“, um den Verkehrsströmen der Zukunft Herr zu werden.

Angst vor Bauzeit größer als Angst vor CityBahn selbst

Aus bisherigen Gesprächen wisse er, dass die Angst vor der Bauzeit größer sei als die vor der CityBahn selbst: „Wir dürfen dieses Projekt aber nicht aus Angst vor der Bauphase verspielen“. Bendel soll künftig direkter Ansprechpartner für die Wiesbadener Wirtschaft, insbesondere Einzelhandel und Gastronmie, sein. Erst kürzlich hatte die Werbegemeinschaft „Wiesbaden wunderbar“ gefordert, die Gewerbetreibenden bei Verkehrsfragen einzubinden. Die Bedürfnisse und auch die Ungeduld seien nachvollziehbar und berechtigt, erklärte Andreas Kowoll.

Er wolle auch niederschwellig vermitteln und beim Vorhabenträger Druck machen, dass Anregungen aus der Wirtschaft umgesetzt werden. „Ein kritischer Geist wie Detlev Bendel wird sich nicht mit Flokseln abspeisen lassen“, sagte Kowol: „Wir werden Substanz liefern müssen“. Detlev Bendel sei bestens in die Wiesbadener Wirtschaft vernetzt, er wisse, was die Wirtschaft bewegt, sei über Parteigrenzen hinweg anerkannt und kenne alle Ansprechpartner in Verwaltung und Politik. Der CDU-Politiker, der von 2001 bis zu seinem Ruhestand 2018 siebzehn Jahre lang hauptamtlicher Dezernent in Wiesbaden war, soll den Ehrenamts-Job vorerst bis zum geplanten Bürgerentscheid im Sommer 2020 ausüben. Er werde nicht mit einem „Werbesandwich pro CityBahn“ durch die Stadt laufen, kündigte Bendel an, sondern werde Kritik aufnehmen und ernst nehmen. Generell wolle er aber „das Klima im Sinne pro CityBahn im positiven Sinne beeinflussen“.

Mit der Aussage „Man kann nicht nach 40 Jahren Arbeit schlagartig auf Null umstellen“, begründete Bendel, dass er sich das zeit- und sicher auch nervenaufreibende Engagement antut. Erst kürzlich hat der Bierstädter („Ich fahre auch nach wie vor Auto, laufe aber zum Beispiel auch oft aus Bierstadt in die Stadt“) ebenfalls ehrenamtlich den Vorsitz des Volleyballclubs VC Wiesbaden übernommen.

Baubeginn frühestens 2023, erste Fahrten 2024 möglich

Mit einem Bau der CityBahn könne frühestens 2023 begonnen werden, erste Streckenabschnitte 2024 in Betrieb genommen werden, hieß es. Geplant ist eine „peu à peu“-Inbetriebnahme, auch um jahrelange Baumaßnahmen an einzelnen Stellen zu vermeiden.  (Dirk Fellinghauer)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.